Ein wolliges Trio
In Deininghausen wohnen die kleinsten Schäfchen der Welt
Whisky ist der typische Einzelgänger: harte Schale, weicher Kern. Seit dem Tod seines Bruders wird er leicht grantig und lässt sich nur mit viel Liebe besänftigen. Dagegen wirkt Rum wie ein Engel: Als gute Seele der Runde zaubert er allen ein Lächeln ins Gesicht. Und Bacardi denkt eigentlich nur an das eine – er ist froh, solange es was zu futtern gibt!
Wollknäuel mit Charakter
Getroffen haben wir die drei Herren nicht etwa am Tresen irgendeiner verrauchten Eckkneipe, sondern auf einer blühenden Wiese in Deininghausen. Whisky, Rum und Bacardi sind Schafe, genauer gesagt: bretonische Zwergschafe. Dabei handelt es sich um die kleinste Schafrasse der Welt. Seit einem Jahr bewohnen die Kurzen das Weidegrundstück von Hof Menken an der Oststraße. Als Herrengedeck wird hier nur frisches Gras serviert, doch ähnlich wie die Typen vom Stammtisch haben auch die drolligen kleinen Wollbündel ihren ganz eigenen Kopf. Und das liegt nicht nur an ihren gebogenen Hörnern, wie ihre Besitzerin Leah verrät. »Schafe sind Charaktere, genauso wie wir Menschen«, lacht die junge Hobbyschäferin. »Man muss mit ihnen umzugehen wissen.« Zum Glück bringen die Minis gerade einmal 25 Kilo auf die Waage. »Das kann ich noch gut händeln.«
Grasende Rasenmäher
Leah Anders-Hoepgen ist mit Haustieren aufgewachsen. Immer an ihrer Seite: Hütehund Toffi. Der Australian Shepherd ist der Hauptgrund, dass die Quessantschafe überhaupt bei ihr eingezogen sind. »Wir haben damals vor rund fünf Jahren noch in Dortmund-Kirchlinde gewohnt«, erzählt die angehende Tierphysiotherapeutin. »Zum Haus gehörte ein Riesengrundstück, das gemäht werden musste. Ursprünglich hatte ich an Shetlandponys als Rasenmäher gedacht. Dann kam mir die Idee, dass eine kleine Schafherde die optimale Beschäftigung für Toffi wäre. Er liebt es, sich anzuschleichen, aufzupassen, zu umzirkeln – das hat er früher sogar bei Menschen gemacht, wenn wir in der Gruppe mit mehreren unterwegs waren. Da habe ich gemerkt: Er hat die Veranlagung.«
Das kleine ABC des Schafehütens
Bei einem professionellen Schäfer lernten Leah und ihr Hund die Basics des Schafehütens. »Toffi kann die Herde von links oder rechts zusammenhalten und von hinten nachtreiben«, berichtet sie. »Wir sind natürlich keine Profis, aber es reicht, um die drei von A nach B zu bringen.« In seinen Pausen relaxt der Vierbeiner gerne auf der Wiese und schaut den Tieren beim Grasen zu. Und die Schafe? Haben vollstes Vertrauen zu ihrem ›Boss‹. »Sie kennen ihn ja von klein auf, seit sie im Alter von wenigen Monaten zu uns kamen. Manchmal testen sie ihn auch an und boxen ihn mit den Hörnern. Es dauert dann aber meist nicht lange, bis Toffi die Geduld verliert, sich durchsetzt und sie ihm wieder nachlaufen. Rum liebt es sogar, mit ihm zu kuscheln.«
Ausflug mit Leine
Inzwischen wohnt Leah in Castrop-Rauxel, und auch die Schäfchen sind mit ihr umgezogen. In Deininghausen teilen sie sich die Koppel mit den beiden Walliser Schwarznasen Murphy und Guinness des Bauern Menken. Das saftige Gras – eine Köstlichkeit, wenn man die eher karge Landschaft der Britischen Inseln gewohnt ist. Als ökologische Gartenpfleger halten die wolligen Wiesenbewohner den Rasen kurz, sie düngen die Erde und festigen den Boden mit ihren Hufen. Sogar Ausflüge stehen im Kalender. »Wenn ich sie an die Leine nehme und mit ihnen spazieren gehe, ist das für die Kinder aus der Nachbarschaft immer total spannend«, lächelt Leah.
Wird Whisky gekrault, ist der Kummer schnell vergessen
Die Schäfchen freuen sich über die zusätzliche Aufmerksamkeit und reichlich Streicheleinheiten. Nur beim Füttern muss ihre Besitzerin manchmal dazwischengehen. Denn viele gut gemeinte Leckerlis sind für die Tiere pures Gift. »So haben wir Scotch verloren, den Bruder von Whisky«, bedauert die 22-Jährige. »Er hatte zu viel Brot bekommen, was zu einer Pansenaufblähung führte.« Den Verlust betrauert Whisky bis heute. Gott sei Dank hat der mürrische kleine Mann viele Fans, die ihn mit Zuwendung überschütten. Wird er gekrault und geknuddelt, ist der Kummer schnell vergessen. Wie heißt es so schön? Liebe heilt alle Wunden. Und Schafe sind in diesem Sinne wohl auch nur Menschen.
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