Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Historisch

Erwachsenenstifte

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Jule Springwald erzählt

Wer kennt sie nicht, diese Schreibgeräte mit der magischen Fähigkeit, Wünsche zu erfüllen, die Welt oder zumindest Teile davon zu verändern, den richtigen Einsatz natürlich vorausgesetzt? Ganz genau, es sind die Erwachsenenstifte.

Ich für meinen Teil muss zugeben, dass die Bedeutung der Erwachsenenstifte vollkommen aus meinem Gedächtnis verschwunden war. Vielleicht hat sich aber im Laufe der Zeit auch nur die Bezeichnung geändert, schließlich geht an einer lebendigen Sprache der gesellschaftliche Wandel nicht spurlos vorbei. Man könnte allerdings auch – angesichts der absonderlichen Wortblüten, die eben dieser Wandel hervorbringt – vermuten, dass der Zahn der Zeit an der Sprache nagt. Die Beschäftigung mit diesem Thema wäre mir im Augenblick zu umfassend, daher kehre ich lieber zu dem eingangs erwähnten Schreibgerät zurück.

In mein Bewusstsein wurde es – wie könnte es anders sein – durch meine wundervolle vierjährige Enkelin Hannah zurückgebracht, als sie neulich bei mir zu Besuch war.

Hannah hatte schon einige Minuten lang versucht, mich dazu zu bewegen, den Fernseher einzuschalten, damit sie eine bestimmte Kindersendung schauen konnte. Aber da Kinder nicht so viel fernsehen sollen, schlug ich ihr vor, Papier und Stifte zu holen und zu malen. Sofort stimmte sie zu und sagte, sie brauche nur einen Erwachsenenstift; dabei zeigte sie auf einen Kugelschreiber. Also holte ich nur ein paar Blätter und fragte sie, was sie denn malen wollte. Sie antwortete ganz cool: »Das weiß ich schon, Oma. Das kann ich schon alleine.«

Sie nahm sich ein Blatt und malte eine Reihe Zeichen darauf. In dem Moment kam ihre Mama und fragte Hannah, was das bedeuten solle. Die Antwort – indem sie auf jedes Zeichen mit dem Kugelschreiber tippte: »Hannah darf jetzt Paw Patrol gucken.« Und dann: „Das ist mit einem Erwachsenenstift geschrieben, Mama.« Wir waren ziemlich perplex Dann nahm sie noch ein Blatt und malte etwas darauf, zeigte es uns und sagte: »Und das hier ist die Unterschrift.«

Ich könnte mir vorstellen, dass sie später mal Anwältin wird. In der Zwischenzeit lasse ich besser keine Erwachsenenstifte mehr herumliegen.

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen0