Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Kunst und Kultur

Im Gespräch mit Stefanie Kirsten

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Klangfarbe, Klavierspiel, Kompositionen – Schauspiel, Sprache, Scharfsinn

So mancher wird sie bestimmt schon kennen: von Auftritten beim WLT wie beispielsweise in der Inszenierung ›Maria, ihm schmeckt’s nicht‹, von Sessions auf dem Viktualienmarkt, vielleicht aber auch durch einen gemütlichen Kneipenabend in der Kulisse … Unsere erste Begegnung jedoch war eine der etwas anderen Art – eine Art, die in Zeiten von Corona allerdings immer selbstverständlicher wird. Sonntagnachmittag plauschte die Stadtmagazinredakteurin mit Freunden und Bekannten, selbstverständlich mit gebührender Distanz: im Internet. Plötzlich landete sie per Zufall bei einem Link zu einem Live-Auftritt von Stefanie Kirsten, und es hat im wahrsten Sinne des Wortes Klick gemacht. Tiefe Soul-Stimme, schillerndes Charisma, tiefsinniger Humor, tolle Songs, grandiose Texte vorgetragen im heimischen Wohnzimmer …

Neuer Rhythmus

Stefanie Kirsten geht es als Schauspielerin, Sängerin, Musikerin und Songwriterin zurzeit wie vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen. Von einem Tag auf den anderen brachen sämtliche Auftritte weg, und auch ihre Nebentätigkeit als Kellnerin in der Kulisse unterliegt einer Zwangspause. Grund, Klavier Klavier oder E-Bass E-Bass sein zu lassen und betrübt in Pandemie-Lethargie zu verfallen? Nicht doch – nicht ›steffi k.‹! »Im Moment läuft’s gut, wirklich«, strahlt sie geradezu. »Zugegeben, am Anfang hatte ich schon totale Panik, wie es weitergeht. Der komplette Alltag hat sich geändert, der Rhythmus hat sich ganz und gar verschoben. Mit meinen zwei Söhnen mache ich vormittags immer bis 14 Uhr Schule, meine eigene Arbeit rutscht in die Nacht. Ich schlafe so gut wie gar nicht, aber das macht nichts, es ist sogar richtig schön: Ich lern’ die Jungs ganz anders kennen, das ist mega! Durch die neuen Strukturen kommen wir auf Gesprächsthemen, die wir noch nie zuvor hatten. Nun ja, ich habe natürlich schon ein wenig Bammel, wenn die Schulen bis zum Sommer geschlossen sein sollten, aber ich gehe es völlig positiv an, ich bin nun mal ein grundoptimistischer Mensch!«

Künstlerisches Frühlingserwachen

O ja, dieser positiv-kreative Elan ist deutlich zu spüren und blitzt übrigens auch durch die Videos, mit denen sie via Facebook zurzeit online geht: Streams mit eigenen Songs und persönlichen Lieblingsliedern aus 60 Jahren Musikgeschichte. Im Grunde jedoch zieht sich der Schaffensdrang bereits durch ihr ganzes Leben. Klavierunterricht ab acht Jahren, Schulchor, Bands … »Vor allem Soul, Jazz und 70’s-Funk haben es mir angetan, allen voran Elvis Presley«, erzählt Stefanie Kirsten. Die Idee, eine künstlerische Berufslaufbahn Richtung Schauspiel und Musik einzuschlagen, kam ihr allerdings erst mit 18 Jahren. »Eigentlich hatte ich schon ein Geographie- und Germanistikstudium begonnen, aber kurz darauf widerfuhr mir ein absolutes Aha-Erlebnis. Ich war zusammen mit einer Freundin im Theater Darmstadt und erlebte das Schauspiel ›Frühlingserwachen‹ – eine echte Offenbarung. Und mir war sofort klar: Das ist es, was ich machen will.«  

Frankfurt, Berlin, Münster, Castrop-Rauxel

Auf neuen Pfaden: 1990–1994 absolvierte Stefanie Kirsten ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt am Main, es folgte ein vierjähriges Engagement an den Städtischen Bühnen Bielefeld, anschließend zahlreiche musikalische Auftritte in Berlin, Bühnenrollen am Essener Aalto Theater, bei den Festspielen Bad Hersfeld sowie im Schlosstheater Celle, bis es dann von 2004–2012 an die Städtischen Bühnen Münster ging. 2013 schließlich führte sie ihr Weg in die Europastadt. »Es hat mich aus familiären Gründen nach Castrop-Rauxel verschlagen und offen gesagt: Das war ein richtiggehender Kulturschock«, schmunzelt sie. »Es ist nun mal schon ein großer Unterschied zwischen Berlin, Münster und dem Ruhrgebiet, und ich habe wirklich etwas gebraucht, heimisch zu werden. Doch heute sage ich aus voller Überzeugung: Ich möchte mein ›neues‹ Zuhause nicht mehr missen. Die Menschen hier mit ihrer so offenen, ganz eigenen Sprache und ihrem typischen Ruhrpott-Humor, vor allem aber mit einer wirklich beeindruckenden Hilfsbereitschaft und dem Wunsch, eine Zugezogene ›einzugemeinden‹ – so etwas habe ich noch nie gesehen und erlebt. Auch die Kunstszene: klein aber fein! Ich bin echt hier angekommen.«

Main-Act oder musikalische Perle zwischendurch

Und wie sie das ist. Stefanie Kirsten steht auf der Bühne des WLT, performt im Dattelner KATiELLi-Theater – »So toll! Ich liebe diese Musical-Productions!« – und tritt auf bei Hochzeiten, Geburtstags- und Firmenfeiern als Main-Liveact, im Hintergrund oder als musikalische Perle zwischendurch. Besonders gern ist sie mit zwei Trios unterwegs: dem ›steffi k. et cetera‹ und dem ›Trio Pinao‹. »Eigentlich sollte es ›Piano‹ heißen, doch bei der ersten Ankündigung ist uns ein Tippfehler unterlaufen«, erinnert sie sich lachend. »Wir fanden es aber so lustig, dass wir es bei dem Namen beließen.« Ihr Programm? »Je nach Auftritt und Anlass durchaus unterschiedlich«, erzählt sie. »Bei privaten Feiern gehe ich selbstverständlich gern auf die Wünsche der Veranstalter ein, das können Hits der letzten acht Jahrzehnte sein, gern auch mit personalisierten Songtexten – kein Problem! Das ›Trio Pinao‹ konzentriert sich vor allem auf American Classics, und ›steffi k. et cetera‹ wie auch ich als Solistin performen meine eigenen Songs.«

Lieder, die das Leben schreibt

Seit rund 20 Jahren komponiert und textet sie ihre Lieder. »Es sind deutsche Songs im Style von Blues, Pop und Gipsy-Jazz, und jeder hat seine Geschichte. Eine Geschichte aus meinem Leben, aus meinen Träumen, über Typen, die sich nicht gut benehmen, über Liebeswirren und Lebenskrisen, aber auch über das leckere Bierchen in der Kneipe. Dabei darf es durchaus mal ein bisschen böse und zynisch werden, es darf aber unbedingt auch gelacht werden«, berichtet sie augenzwinkernd. Nun stellt sich die Frage, wann wir Stefanie Kirsten nicht nur via Online-Live-Stream, sondern endlich wieder ganz in echt erleben werden. »Tja, diese Frage kann uns wohl keiner beantworten«, bedauert sie. »Ich bin mir aber sicher, dass die Menschen ausgehungert sind nach Begegnungen, Beisammensein, Kunst und Kultur. Und so wird das hoffentlich nicht in allzu ferner Zukunft liegende Ende der Corona-Krise mit all ihren Einschränkungen bestimmt enorm gefeiert. Da hätte ich übrigens einen tollen Tipp für Sie: In der Kulisse in der Altstadt ist die Eventreihe ›Blue Monday‹ geplant. Alle vier Wochen können Sie mich solistisch oder im Trio live sehen und hören, angedacht ist jeweils der erste Montag im Monat. Drücken Sie uns allen mal die Daumen, dass bald Schluss ist mit Quarantäne und Isolation und wir wieder gemeinsam ins Leben und mit ›Blue Monday‹ starten können.«

Weitere Informationen, Terminhinweise und Hörbeispiele finden sich unter Stefaniekirsten.de
Die Trios ›steffi k. et cetera‹ und ›Trio Pinao‹ sind auf Facebook vertreten:
www.facebook.com/steffi-k-et-cetera
www.facebook.com/Trio-Pinao

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