Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Sport und Freizeit

Nachwuchshoffnungen beim FC Frohlinde

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Trainer Tim Kuit und seine ›D2‹ sind Teil einer erfolgreichen Fußball-Jugendarbeit

Während die meisten Fußballprofis derzeit die Sommerpause zur Erholung und Regeneration nutzen (sofern sie nicht noch für ihre Nationalmannschaften aktiv sind), herrscht auf dem Feld des FC Frohlinde reger Trainingsbetrieb bei strahlendem Sonnenschein. Ein später Freitagnachmittag im Juni. Zwar ist mit der schon traditionellen Teilnahme am Pfingstcup in Greven auch für die Teams des FC die Saison eigentlich gerade zu Ende gegangen. Doch für den Nachwuchs gibt es vier Wochen vor den Sommerferien keinen Grund, die regelmäßige Trainingsarbeit einzustellen. Schließlich will so mach einer hoch hinaus.

»Goldenes Lernalter«

Und so sind zahlreiche der etwa 80 Kinder und Jugendlichen, die ihren Verein am vergangenen Pfingstwochenende im nördlichen Münsterland vertraten, schon wenige Tage später wieder auf dem Kunstrasenplatz an der Brandheide in Frohlinde zu finden. Gerade trainieren vier Mannschaften parallel. »Das ist ein bisschen die Schattenseite, wenn es bei der Nachwuchsarbeit so gut läuft«, schmunzelt Tim Kuit, Trainer der D2. »Aber um 18 Uhr macht die E1 Schluss, dann haben wir den halben Platz für uns und nutzen das wie immer für ein abschließendes Trainingsspiel.« Bis dahin stehen auf einem Viertel des großen Feldes Übungen mit und ohne Ball, Sprint-Einheiten wie Torabschlüsse auf dem Plan. Während sich der Coach jetzt Zeit fürs Stadtmagazin nimmt, übernimmt sein ›Co‹ die Übungsleitung – zu ihm später mehr.
»Gerade im technischen Bereich können wir den Jungs jetzt viel beibringen«, weiß Tim Kuit und erläutert: »Die D-Jugend ist, wie man sagt, im ›goldenen Lernalter‹; aufnahmefähig, wissbegierig und motiviert. Sie kommen zu jedem Training gern, von meinem 16er-Kader sind in der Regel jeden Mittwoch und Freitag auch mindestens 14 dabei. Da macht es natürlich besonders Spaß, mit den Jungs zu arbeiten.« In diesem Jahr hat es Tim Kuits junges Team bereits in die nach der ersten Saisonhälfte gebildete ›Bestenrunde‹ geschafft, in der kommenden Saison soll diese dann gewonnen werden. »Das haben wir vor«, kündigt der Coach markig an.

Spieler, Trainer und Paradebeispiel

Der 20-Jährige ist selbst ein Paradebeispiel dafür, wie die nachhaltige Nachwuchsarbeit des FC Frohlinde funktioniert. Zum einen durchlief er als Spieler alle Altersgruppen von den Minikickern bis zur A-Jugend (und wurde dabei ebenso wie sein jüngerer Bruder zwischenzeitlich auch mal vom eigenen Vater trainiert). Inzwischen spielt Tim Kuit, vor kurzem für 15 Jahre Vereinszugehörigkeit ausgezeichnet (!), in der zweiten Herrenmannschaft in der Kreisliga A. Doch zum anderen hat er schon seit seinem 14. Lebensjahr neben dem Kicken auch seine Begeisterung und sein Talent für das Coachen entdeckt, sammelte als Co-Trainer mehrerer FC-Nachwuchs-Mannschaften früh Erfahrungen – und leitet mit der D2 nun seit der vergangenen Saison erstmals selbst ein Team. »Das ist schon noch mal etwas anderes vom Gefühl her«, erzählt der ambitionierte Jungtrainer, der im nächsten Jahr die B-Lizenz anstrebt, die ihn theoretisch berechtigt, alle Juniorenteams unterhalb der Bundesliga zu coachen (sowie Seniorenteams bis 5. Liga, der Oberliga).

»Familiäres Feeling« und eingespielte Teams

Doch darum geht es ihm weniger: Das Erfolgsrezept des FC wie auch seine eigene Motivation fußen vielmehr auf einem ›familiären Feeling‹, einer Verbundenheit zum Club – und der damit einhergehenden Kontinuität des Personals. In allen (jeweils zwei Jahrgänge umfassenden) Altersklassen von der F- bis zur B-Jugend ist der Nachwuchs des FC Frohlinde so breit aufgestellt, dass jeweils zwei Teams am Spielbetrieb teilnehmen. Und diese werden nicht leistungsbezogen, sondern von Anfang an nach Jahrgängen zusammengestellt. So besteht etwa die von Kuit trainierte D2 (fast ausschließlich) aus den Jungen, die 2007 geboren wurden und die schon über Jahre – teilweise seit dem Vorschulalter – als Gruppe zusammen spielen. Auf diese Art entwickeln sich die Teams langfristig: auf dem Platz und außerhalb! Es entstehen verschworene Gemeinschaften und dicke Freundschaften ebenso wie eingespielte und damit leistungsstarke Mannschaften. Und auch etwas schwächere Spieler bleiben bei der Stange und verbessern sich stetig, statt abgehängt und aussortiert zu werden und schließlich frustriert aufzugeben.

Väter und Söhne

Das ›familiäre‹ Feeling ist dabei oft auch wörtlich zu verstehen. Schon mehrere engagierte ›Spielerväter‹ hat die heutige D2 als Trainer erlebt, ehe Tim Kuit vor dieser Saison das Ruder übernahm. Und der kam seinerseits auf der Suche nach einem Co-Trainer auf einen ›alten Bekannten‹ zurück, der sich gern zum Comeback nach Jahren überreden ließ – nämlich auf seinen eigenen Vater Thomas. »Das klappt hervorragend, mein Vater ist im Training eine große Hilfe für mich – und er lässt mich machen und hält sich zurück«, beantwortet Kuit Junior glaubhaft die unausgesprochene Frage, während der ›Co‹ die Jungs jetzt anweist, die Tore fürs Trainingsspiel auf Position zu bringen und die überschüssigen Bälle einzusammeln. Dann werden Leibchen verteilt, um zwei Teams zu bilden.
Nachwuchskicker mit Ambitionen
Obwohl es nun losgeht und die Akteure heiß auf das Spiel sind, begeben sich zwei von ihnen bereitwillig zur ›Interviewzone‹ an der Bande. Denn schließlich haben sich auch Kian und Lasse im Vorfeld zum Gespräch mit dem Stadtmagazin bereit erklärt.
Lasse ist einer der wenigen, die nicht mit ihrem Jahrgang zusammenspielen. Am Tag nach unserem Gespräch wird er elf, wie er erzählt. »Mit vier Jahren« kam Lasse zum FC. Der talentierte Sechser (defensives Mittelfeld) spielt zur besonderen Förderung mit Älteren zusammen und macht sich ernste Hoffnungen auf eine Karriere als Profi. Zumindest ist das sein erklärtes Ziel, auch wenn er meint, dass der Weg dorthin vielleicht irgendwann einmal über einen »größeren« Club aus der Region führen müsste. »Aber im Moment kommt ein Vereinswechsel nicht in Frage, weil ich einfach lieber hier mit meinen Freunden zusammen spiele«, versichert Lasse.
Auch Kian ist immerhin schon sein halbes Leben lang im Verein (2013 ging es bei den Mini-Kickern los). Auf die Frage nach seinen eigenen fußballerischen Ambitionen und Zukunftsplänen antwortet er ebenso sachlich wie erfolgsorientiert: »Ich möchte nicht unbedingt Fußballprofi werden«, erklärt der im linken, defensiven Mittelfeld agierende Nachwuchskicker. Falls es die Chance aber doch gebe, fügt er dann hinzu, wolle er »schon auch als Nationalspieler« auflaufen.
»Schau’n mer mal«, würde Franz Beckenbauer hier wohl sagen.

Trennendes und Einendes

Während Lasse auf die Frage nach seinen fußballerischen Vorbildern und Lieblingsvereinen u.a. Lionel Messi und den FC Barcelona nennt, ist sein Mitspieler Kian ausgerechnet ein Anhänger von Cristiano Ronaldo und dessen Club Juventus Turin.
Zwar ist ›CR7‹ bekanntlich Messis ewiger Kontrahent bei der Experten-Gretchenfrage nach dem weltbesten Fußballer, doch unter den Teamkameraden vom FC Frohlinde dürfte sich der Konfliktstoff in Grenzen halten – schließlich fallen die Namen der beiden internationalen Topstars und -Clubs jeweils erst an zweiter Stelle, und bei der Erstnennung sind sich Lasse und Kian einig: Marco Reus und der BVB ...

Mädchensache

Auch wenn bei unserem Besuch nur Jungs auf dem Platz waren: Dass Fußball bei Mädchen mittlerweile ebenfalls zum Trendsport geworden ist, zeigt sich auch beim FC Frohlinde. »Früher war es schwierig, Mädchenteams zusammmenzubekommen«, weiß Tim Kuit, »aber heute gibt es einen regelrechten Boom, und so sind wir mit B-, C- und D-Juniorinnen auch im weiblichen Nachwuchsbereich gut aufgestellt.«

www.fc-frohlinde.de

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