Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Kunst und Kultur

Kleine Wunder vor der Haustür

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Durch die Linse von Christian Cramer und Marco Salvo

Bäume, die in Herzform wachsen oder sich bei näherer Betrachtung in knorrige Riesen verwandeln. Sträucher mit Blättern so rot wie Blut. Verwunschene Spiegelungen auf der Wasseroberfläche, eine vergessene ›Flaschenpost‹ oder Stahlgiganten aus der Froschperspektive: Die Welt ist voller Wunder, man muss bloß genau hinschauen.

»Wir wollen den Blick auf das Schöne lenken«

So wie Christian Cramer und Marco Salvo. Mindestens einmal wöchentlich schultern die beiden Ruhrgebietsfotografen ihre Kameras und begeben sich auf die Spur der schönsten Motive der Region. »Große Metropolen zu fotografieren, ist einfach, aber auch kleinere Städte haben einiges zu bieten, wenn man nur die Augen aufmacht. Gerade hier in Castrop-Rauxel gibt es viele dieser besonderen Orte, an denen man als Einheimischer oft vorbeigeht: Bestes Beispiel sind die beiden Buchen am Parkrestaurant, deren Kronen ein Herz formen. Mit unseren Bildern wollen wir den Blick auf das Schöne vor der Haustür lenken.«

Von der Kunst, im Hier und Jetzt zu sein

Die Faszination für die Fotografie begleitet Christian Cramer schon lange, seit einem Schwarzweißfoto-Workshop in der Schule. Im letzten Sommer organisierte er spontan einen Fotostammtisch, dem anfangs eine ganze Hand voll Freunde angehörten. »Marco und ich blieben als einzige übrig – es handelt sich nun mal um ein zeitaufwendiges Hobby.« Für den 49-jährigen Personal-Recruiter ist die Suche nach neuen spannenden Motiven hingegen auch ein Weg, um abzuschalten vom Alltagsstress. »Fotografieren bedeutet für mich: die Seele öffnen, ganz im Hier und Jetzt sein, ohne Angst, etwas zu verpassen. Die gesamte Energie bündeln, sich auf eine Szene fokussieren. Manchmal genügt eine Stunde, um den Kopf komplett freizukriegen – und tolle visuelle Highlights zu entdecken. Ein andermal vergisst man die Zeit und ist den ganzen Tag unterwegs. Hin und wieder setzen wir uns auch kleine Aufgaben, zum Beispiel: Fotografiere alles, was ein Gesicht hat. Und das muss nicht immer unbedingt ein Mensch sein.«

Experimente mit Lichtstimmungen und Perspektiven

Neben der digitalen ›Spiegelreflex‹ kommt bei solchen Streifzügen mitunter auch das Handy zum Einsatz. »Die beste Kamera nutzt nichts, wenn man sie nicht dabei hat. Es gibt nichts Schlimmeres, als zufällig über etwas zu stolpern und es nicht fotografieren zu können. Zum Glück lassen sich inzwischen auch mit dem Mobiltelefon gute Bilder machen, vor allem wenn man ein paar einfache Regeln wie den goldenen Schnitt oder die klassische Drittelregel beachtet. Darüber hinaus experimentiere ich gerne mit Lichtstimmungen und Perspektiven, etwa indem ich in die Hocke gehe und eine Szene mit Kinderaugen auf mich wirken lasse, oder bei einbrechender Dunkelheit beleuchtete Objekte anvisiere, die tagsüber niemandem auffallen würden. Da vertraue ich ganz auf mein Bauchgefühl.«

»Ich empfehle, einfach mal stehen zu bleiben«

Demnächst will das kreative Duo auch durchaus in die Ferne schweifen: Silvester in Berlin könnte ein Thema sein, ebenso wie Tierfotografie auf Helgoland. Aber natürlich werden sie trotzdem weiterhin zu Hause auf Motivjagd gehen. »Einer meiner Lieblings-Orte ist der Stadtgarten in Castrop-Rauxel«, so Christian Cramer. »Hier finden sich so viele Facetten auf kleinstem Raum. Als Castroper läuft man da gewohnheitsmäßig schnell durch. Ich empfehle, einfach mal stehen zu bleiben.«

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