Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Dies und Das

20 Jahre KiJuPa

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»Sagt uns, was wir machen sollen«

»Gebt den Kindern das Kommando!«, sang Herbert Grönemeyer bereits in den 80er-Jahren. In Castrop-Rauxel sind Kinder seit mittlerweile 20 Jahren an der Macht, denn so lange gibt es schon das Kinder- und Jugendparlament in der Europastadt, das die Interessen der jüngsten Bürgerinnen und Bürger vertreten soll. Die Parlamentarier, die die 3. bis 13. Klasse besuchen, werden demokratisch in ihren Schulen gewählt und engagieren sich dafür, dass ihre Stimme Gehör in der Kommunalpolitik findet.

Auf Probleme in der Stadt aufmerksam machen, diskutieren, in Arbeitsgruppen mitmischen, Ideen haben und entwickeln, Wünsche und Anregungen äußern, Anträge stellen und natürlich auch an den Sitzungen des Kinder- und Jugendparlaments teilnehmen – all dies gehört zu den spannenden Aufgaben der Nachwuchspolitiker.

Zu Gast bei der 46. Jubiläumssitzung: Wie die ›großen Kollegen‹ nehmen die jungen Abgeordneten im Ratssaal der Stadt Castrop-Rauxel Platz und diskutieren ihre Themen. Jedes Mitglied hat ein Namensschild vor sich, sowie mehrere Signalkarten. Wer eine Frage stellen möchte, hebt die Karte mit dem Fragezeichen, wer etwas sagen will, die mit der Sonne. Wem die Diskussion gerade zu langweilig wird, signalisiert dies mit der Mondkarte. »Aber diese bitte nur hochhalten, wenn ihr es wirklich ernst meint«, so der Vorstand zum Parlament. »Also nicht einfach so zum Spaß.«

Apropos Vorstand: Der wird wie bei den Erwachsenen von den anwesenden Parlamentariern gewählt. Fünf Personen vertreten das Kinderforum, weitere fünf das Jugendforum. Zeit, Mut (weil man ja öffentlich reden muss) und Zuverlässigkeit braucht man, um hier mitarbeiten zu können. So werden bei der 46. Zusammenkunft auch gleich die neuen Vorstandsmitglieder für die nächste Periode von einem Jahr ernannt: Tabea, Helena, Mia, Thore und Marie für das Kinderforum, Timo, Anna, Leonie, Simon und Finja für das Jugendforum. Alle wollen sich dafür einsetzen, dass es den Kindern und Jugendlichen möglichst gut geht in ihrer Stadt.

»Sagt uns, was ihr wollt. Sagt uns, was wir machen sollen«, fordert Katrin Lasser, erste stellvertretende Bürgermeisterin und Patin des KiJuPa, die Teilnehmer bei ihrer Begrüßung auf. Die Belange der Kinder und Jugendlichen werden von Politik und Verwaltung äußerst ernstgenommen. Das KiJuPa ist vertreten im Jugendhilfeausschuss, im Bürgerausschuss und sogar im Betriebsausschuss 2 für Familie, Jugend, Soziales und Bildung. Bei allen Maßnahmen der Verwaltung und Gremien, die die Interessen der jungen Generation berühren, wird das Parlament beteiligt.

Katrin Lassers Aufforderung kommen die Jungpolitiker selbstverständlich nach. Per Antrag beauftragen sie die Erwachsenen in Politik und Verwaltung, sich um ihre Anliegen zu kümmern. Nicht alle Pläne können umsetzt werden, wie Nina Jordan, Koordinatorin des KiJuPa, erklärt. Aber nicht wenige wurden bereits realisiert, zum Beispiel die 30er-Zone vor dem EBG, um den Verkehr für die Schüler zu beruhigen und für mehr Sicherheit zu sorgen. Was sich die Kinder und Jugendlichen außerdem wünschen: einen Blitzkasten an der Schulstraße und eine offene psychologische Beratungsstelle im Jugendzentrum BoGis.

Nachberichte zu vergangenen KiJuPa-Veranstaltungen stehen ebenfalls auf der Tagesordnung. »Wer ist denn Frank Schwabe?«, so die Frage eines Sitzungsmitglieds, als über eine Fahrt nach Berlin, zu eben diesem Frank Schwabe, referiert wird. Wie sich herausstellt, handelt es sich um den heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten, der Vertreter aller KiJuPa aus seinem Wahlkreis nach Berlin eingeladen hatte, um ihnen den Bundestag zu zeigen und sich ihnen persönlich vorzustellen.
Vorgestellt werden heute und hier auch die fünf Arbeitskreise des Parlaments. Sie treffen sich alle zwei Wochen in einem Jugendzentrum, um an ihren Projekten zu arbeiten und dabei jede Menge Spaß zu haben. Nun geben sie Einblicke in ihr Schaffen: Die ›Spielraumforscher‹ präsentieren beispielsweise ihren neuen Kinderstadtplan, die ›Reporterkids‹ erzählen von ihren Trainings.

Nach zweistündiger Sitzung haben es die Nachwuchspolitiker geschafft! Für fast die Hälfte von ihnen war es die erste Sitzung überhaupt. Die Karte mit dem Mond wurde übrigens kein einziges Mal hochgehalten.

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