Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Sport und Freizeit

Grüne Glücksorte im Taschenbuchformat

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Von den Ruhrpott Mountains bis zur Kumpel-Riviera

Mediterraner Urlaubsflair an der ›Kumpel-Riviera‹, eine geheimnisvolle Kormoraninsel hinter Bäumen versteckt, blühende Täler und hohe Aussichtsplattformen, Relikte der Bergbauvergangenheit mitten im Wald – verwunschene Naturschauplätze finden sich im Revier an jeder Ecke. Ruhrpott-Blogger Thomas Dörmann hat die 80 schönsten ›grünen Glücksorte‹ aufgespürt und im Taschenbuchformat zusammengetragen.

80 Ausflugsziele direkt vor der Haustür

»Schon als Junge habe ich gemeinsam mit meinem Vater und meinem Bruder die ›Ruhrpott-Mountains‹ erwandert, die ­Halden des Ruhrgebiets, und das mache ich noch heute zusammen mit meinen eigenen Kindern«, erzählt der gebürtige Dortmunder. So entstand der Blog ›Ruhrpottblick.de‹, auf den im Jahr 2016 der Droste-Verlag aufmerksam wurde. »Sie hatten meine Einträge gelesen und fragten an, ob ich nicht Lust hätte, mehr daraus zu machen.« Als überzeugter ›Ruhri‹ und grüner Botschafter des Kohlenpotts konnte der IT-Fachmann dazu natürlich nicht nein sagen. Die Idee: ein Buch mit 80 Ausflugszielen direkt vor der Haustür.

Querfeldein durchs Ruhrgebiet

»Ich habe gleich eine lange Liste erstellt, was mir relativ leicht fiel, da ich ja sowieso viel herumkomme. Allerdings wollte ich nicht nur die spektakulären Ziele aufgreifen, sondern unbedingt querfeldein durchs Revier reisen, die ganze Vielfalt zeigen. Daher habe ich mir eine DINA2 Landkarte an die Wand gepinnt und in vier Bereiche unterteilt, von Haltern im Norden über Hamm im Osten und Kamplintfort/Wesel im Westen bis nach Witten/Hohenstein, das im südlichsten Zipfel liegt. Dann habe ich mir meine Canon EOS 750 umgehängt, mich ins Auto beziehungsweise aufs Fahrrad gesetzt und die Ecken abgeklappert – jeden Ort mindestens zweimal.«

»Tiere und Pflanzen haben sich ihr Revier zurückerobert«

Da Thomas Dörmann von seinem Wohnort Waltrop aus mit dem Fahrrad ruckzuck in Castrop-Rauxel ist, waren potenzielle Ziele innerhalb der Europastadt schnell ausgemacht. »Die Halde Schwerin, das Naherholungsgebiet Grutholz und die ehemalige Pferderennbahn boten sich hier natürlich an.« Auf seinen Streifzügen entdeckte er auch die eine oder andere Überraschung. »Wenn man weiter weg parkt und sich Zeit lässt, fallen einem auch die kleinen, unscheinbaren Dinge ins Auge. Wo es Halden gibt, sind alte Industrieanlagen, Förderturme und andere Landmarken meist nicht weit. Oft haben sich die Tiere und Pflanzen ihr Revier nach der Ausbeutung der Kohle zurückerobert. Ich habe einiges über die Natur gelernt, bin Salamandern und Blaulibellen, Bienen und Schmetterlingen, Eisvögeln und Hirschkäfern begegnet. Einmal lief mir ein Fuchs über den Weg.«

Geschichtliche Hintergründe inklusive

Darüber hinaus förderte Thomas Dörmann viele spannende Fakten und geschichtliche Hintergründe über die verschiedenen Locations zu Tage. »Einiges habe ich vorher nicht gewusst: wie etwa, dass das Gelände der ehemaligen Pferderennbahn als Park so angelegt wurde, dass man sich bildlich vorstellen kann, wie hier früher die Pferde galoppiert sind, oder dass der zwölf Meter hohe Holzturm ›Walkway and Tower‹ am Wasserkreuz von Emscher und Rhein-Herne-Kanal in Castrop-Rauxel im Rahmen der ›Emscherkunst 2010‹ von einem japanischen Künstler entworfen wurde.« Insgesamt dauerte es zehn Monate, um die Wanderlektüre mit Leben zu füllen. Zehn Monate aufwendiger Recherche und intensiven Textefeilens, zehn Monate voller Erkundungstouren und banger Blicke gen Himmel: Würde das Wetter halten? »Das alles unter einen Hut zu bekommen, war eine echte Herausforderung: Wenn es regnete, konnte ich keine Fotos vor Ort machen, ebenso in den grauen Herbst- und Wintermonaten.« Seit dem Sommer ist der grüne Band im Handel erhältlich.

»Geht mal rauf auf eine Halde, dann seht ihr, wie grün der Pott ist!«

»Inzwischen werde ich ständig von Verwandten und Bekannten angesprochen«, berichtet der Autor mit einem Schmunzeln. »Meine Schwiegereltern sind bereits mit dem Pedelec bis nach Datteln gefahren, die Nachbarn haben sie gleich mitgenommen. Viele Glücksorte liegen ja nah zusammen, es gibt gute Verbindungsstrecken.« Seine Favoriten: »Besonders faszinierend fand ich die Kormoraninsel in Holzwickede. Als ich so durch den Wald stiefelte, habe ich mich kurz gefragt: ›Bist du hier richtig?‹ Doch dann zogen sich die Bäume auf wie ein Vorhang und gaben einen unglaublichen Blick frei. Die Aussicht von der Halde Schwerin mit der Sonnenuhr als Landmarke hat mich ebenfalls sehr beeindruckt. Hier entfaltet sich zu Sonnenuntergang ein mystisches, geradezu magisches Panorama. Das Wildgehege im Waldgebiet Grutholz eignet sich super für Ausflüge mit Kindern. Und auch die Halde Großes Holz in Bergkamen werde ich sicher noch mal ansteuern, denn von dort oben hat man eine super Sicht und kann beobachten, wie sich das Umfeld entwickelt. Ich rate jedem: Geht mal rauf auf eine Halde, dann seht ihr, wie grün der Pott ist!«

Thomas Dörmann: ›Grüne Glücksorte im Ruhrgebiet: Geh raus & blüh auf‹
Droste
14,99 Euro
ruhrpottblick.de

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