Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Dies und Das

Osterzeit – Eierzeit

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Jedes Jahr zu Ostern geht in Deutschland der Eierverbrauch in die Höhe. Grund genug, das eigene Einkaufsverhalten einmal kritisch zu hinterfragen. »Die Haltungsformen für Legehennen haben sich in Deutschland in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt und insgesamt deutlich verbessert: Einer der Hauptgründe ist, dass seit dem 1. Januar 2012 die Haltung in konventionellen Käfigen europaweit verboten ist. Legehennen werden seitdem nur noch in so genannten ausgestalteten Käfigen, in Boden- und Freilandhaltung sowie in ökologischer Erzeugung gehalten […] Die Stallkapazität liegt derzeit in den 1355 Betrieben bei rund 44,5 Millionen Haltungsplätzen. 26,6 Millionen Plätze (60 Prozent) entfallen auf die Bodenhaltung.« So heißt es in einer Verlautbarung des Bundesministeriums für Ernährung und Wirtschaft. Was aber sagten die Mitglieder des Teams für Tiere Castrop-Rauxel e.V. dazu, möchten wir wissen.

»Da bleibt einem das so liebgewonnene Osterei schnell im Halse stecken«

»Auf den ersten Blick klingt das insgesamt durchaus positiv, aber leider nur auf den ersten Blick«, sagt der erste Vorsitzende Nils Bettinger. »Den aktuell größten Bestand in der Legehennenhaltung macht die Bodenhaltung aus. Genauso sieht es beim Eierkauf aus. Etwa 61 Prozent der verkauften Eier stammen in Deutschland aus Bodenhaltung. Bodenhaltung? Klingt doch nicht verkehrt, sollte man meinen. Sieht man jedoch, was das für die Tiere bedeutet, bleibt einem das so liebgewonnene Osterei schnell im Halse stecken: Jährlich ›leben‹ circa 45 Millionen Legehennen in der Massentierhaltung – nein, sie vegetieren! Ihr einziger Lebensgrund sind Eier und das so viel wie möglich. Waren es 1950 noch um die 120 Eier pro Jahr, die eine Henne legte, hat sich die Legeleistung im Laufe der Zeit auf circa 300 pro Jahr mehr als verdoppelt. Das bedeutet, die so genannten Legehybriden müssen fast jeden Tag ein Ei loswerden. Die Folgen dieser extremen Legeleistung sind meist Knochendeformierungen, Osteoporose, Arthrose oder mehrfache Knochenbrüche. Weiterhin wird die Muskulatur stark beansprucht, was sich nicht selten in Legedarmvorfällen äußert.«

Artgerechter Lebensabend für Patenhühner

Auch Natascha Geesmann weiß um die Nöte der Hühner. »Die Tiere sind bei einer Haltung von bis zu neun Tieren pro Quadratmeter extremem Stress ausgesetzt und sterben auch häufig einfach an Schwäche oder Kreislaufversagen. Die Hennen, die ihren ersten Geburtstag erleben, werden aufgrund eines Abfalls der Legeleistung und der damit abnehmenden Rentabilität entsorgt. Ein Kostenfaktor, der ausgestallt werden muss, um Platz für neue, rentable Eierautomaten zu machen. Zu Millionen geschlachtet, um als Tierfutter, Leim oder einfach als Abfall zu enden.« Ein geringer Teil der ausgestallten Hennen hat das Glück, über den Verein ›Rettet das Huhn e.V.‹ diesem Schicksal zu entgehen. In Anbetracht der gewaltigen Menge aber leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für den Castrop-Rauxeler Verein war klar: Hier muss etwas getan werden! Also übernahm das ›Team für Tiere‹ ebenfalls über diesen Weg Patenhühner. »Es waren zunächst 26 Hühner, die sich in einem teils erbärmlichen Zustand befanden«, berichtet Falk Picton. Aufgepäppelt und mit viel Auslauf und Zuwendung bedacht, hatten 18 von den geretteten Hühnern einen artgerechten Lebensabend und weitere acht genießen ihn noch in ihrem eigens für sie gebauten ›Hühnerhotel‹, einem früheren Bauwagen, auf dem Ponyhof von Natascha Geesmann.

Augen auf beim Einkauf!

Doch welche Möglichkeit haben wir denn als ›normale‹ Verbraucher, zu einer artgerechten Tierhaltung beizutragen, fragen wir. Nils Bettinger: »Wir haben die Möglichkeit, diesen Wahnsinn zumindest zum Teil zu boykottieren, indem wir beim Eierkauf darauf achten, wo sie herkommen. Aufgrund der Kennzeichnungspflicht sollte man Produkte kaufen, die aus Bio- oder Freilandhaltung stammen. Diese erkennt man an der führenden Zahl des Legestempels, die immer eine 0 oder 1 sein sollte. Diesen Beitrag zum Tierschutz kann jeder leisten.«

Übrigens: Das Team für Tiere sucht derzeit wieder aktive Mitstreiter, die sich bei der Hühnerversorgung engagieren. Dann nämlich könnten auch dieses Jahr wieder Hühner vom Verein ›Rettet das Huhn‹ übernommen und nach Castrop-Rauxel geholt werden. Informationen dazu gibt es beim Team für Tiere Castrop-Rauxel e.V.
www.tftcr.de

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