Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Gesundheit und Wellness

Von der Kranken-Pflege-Anstalt im Königreich Preußen zur gemeinnützigen katholischen Klinikgesellschaft im 21. Jahrhundert

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150 Jahre St. Rochus-Hospital (1868 bis 2018)

Die Sitzung des Castroper Gemeinderats vom 28. Januar 1868 war die verwaltungstechnische Geburtsstunde des St. Rochus-Hospitals. An diesem Tag wurde ein für den frisch gebackenen Industriestandort richtungweisender Beschluss gefällt, auf den der damalige Gemeindepfarrer Heinrich Lohmann lange hingearbeitet hatte: Die Stadt stellte per Pachtvertrag ein Gebäude nebst Grundstück für die Einrichtung einer ›Kranken-Pflege-Anstalt für Kranke ohne Unterschied der Confession‹ zur Verfügung. Ein halbes Jahr später begann mit der Ankunft von Oberin Mutter Clara Pfänder und vier Franziskaner-Schwestern aus Salzkotten am 16. Juni 1868 offiziell die Geschichte des Rochus-Hospitals in Castrop. Der erste Patient war ein Wilhelm Klein, der mit der Diagnose ›Lungenentzündung‹ aufgenommen und nach rund drei Wochen als genesen wieder entlassen wurde.

Ein Krankenhaus für alle Bevölkerungsschichten war in Castrop spätestens mit der Abteufung der Schächte I und II der Zeche Erin im Jahr 1866 überfällig. »Der Beginn des Steinkohleabbaus hatte einen massenhaften Zuzug von Arbeitskräften zur Folge, der das bis dahin eher beschauliche und ruhige Ackerbürger- und Handwerkerstädtchen Castrop vor gänzlich neue, gewaltige gesellschaftliche und soziale Herausforderungen stellte«, schreibt der Chronist Michael Fritsch in der Festschrift, die anlässlich des Festaktes zum 150-jährigen Bestehen der Klinik von der Kath. St. Lukas Gesellschaft herausgegeben wird.

Der Gemeindepastor von St. Lambertus, Winfried Grohsmann, weist in seinem Grußwort zum Jubiläum darauf hin, dass bei der Namensgebung das religiöse Grundmotiv zum Tragen kam. Grohsmann betont: »[...] ein Hospital ist ein Gasthaus […], indem man Menschen, egal ob Freund oder Feind, die durch ihr Unterwegssein, durch Krankheit, Alter oder Armut gefährdet waren, Hilfe, Schutz und Pflege zuteilwerden ließ.« Der Namenspatron Rochus verweise auf die Pestepidemie in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in deren Folge viele Überlebende dem heiligen Rochus zu Ehren reich dotierte Gelübde ablegten. Auf dieser Basis wurde 1868 der Kapitalstock des St. Rochus Hospitals gebildet.

1886 wurde ein erster Neubau fällig, 1910 ein Erweiterungsbau fertiggestellt. 1890 wurde der erste Operateur eingestellt. Nach der Jahrhundertwende wurden bereits mehr als 1.600 Patienten im Jahr versorgt, eine Zahl die in den nächsten Jahren stetig auf über 2.000 anstieg. Die beiden Weltkriege haben die Arbeit im Krankenhaus erheblich beeinträchtigt und große Herausforderungen mit sich gebracht. In den 1950er-Jahren gab es erneut bauliche Erweiterungen. 1975 entstand die Abteilung für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerzmedizin, 1981 die Abteilung für Radiologie und Nuklearmedizin. Neben der Inneren Medizin und der Chirurgie bildeten die Geburtshilfe und die sich immer stärker emanzipierende Frauenheilkunde wichtige Pfeiler für die Gesundheitsversorgung der Castroper Bevölkerung.

1977 wurde die Leitung der Krankenhausverwaltung auf Beschluss des Kirchen­vorstandes aus den Händen der Franziskanerinnen auf einen volkswirtschaftlich ausgebildeten Verwaltungsdirektor übertragen. Es war eine Zeit der Krise, in der nach langen Jahren des bautechnischen Stillstandes im Zuge einer Vor-Ort-Besichtigung durch Mitarbeiter des Dezernats für das Gesundheits-, Bau- und Finanzwesen im Regierungsbezirk Münster der marode Zustand des St. Rochus-Hospitals amtlich festgestellt wurde. Das Krankenhaus genügte nicht mehr zeitgemäßen Ansprüchen. Bis 1993 folgte eine Phase intensiver Bautätigkeit, in der die Klinik in drei Abschnitten auf den aktuellen Standard der frühen 1990er-Jahre modernisiert worden ist.

Einen schwerwiegenden Umbruch brachte das Jahr 1983, als die Ordensschwestern das St. Rochus-Hospital nach mehr als 115 Jahren endgültig verlassen haben. Die Salzkottener Franziskanerinnen waren gerufen worden, als und weil die Kohle kam. Sie nahmen Abschied, als die Kohle ging, denn Ende 1983 schloss mit der Zeche Erin auch das letzte Steinkohlenbergwerk in Castrop-Rauxel. Auch wenn das Zusammentreffen dieser Ereignisse nur ein zufälliges gewesen sein mag, war es dennoch bezeichnend. Seelsorge, Pflege und Sozialdienst gingen in professionelle hauptamtliche Hände über.
Ende der 1990er-Jahre kam langsam der Druck einer Fusionswelle auf die Krankenhäuser zu, weil zunehmend Kliniken wegen Unwirtschaftlichkeit nicht allein überleben konnten. Das Erzbistum Paderborn reagierte frühzeitig und beförderte die Überführung der Trägerschaft in eine GmbH und den organisatorischen Zusammenschluss einzelner Häuser zu größeren Einheiten. In diesem Zuge ging das St. Rochus-Hospital 1998 eine Partnerschaft mit dem Kirchlinder Krankenhaus ein und fusionierte zunächst zur Katholischen Krankenhausgemeinschaft Castrop/Dortmund-West. In einem zweiten Schritt folgte dann 2004 der Zusammenschluss mit dem Hörder St.-Josefs-Hospital zur Katholischen St. Lukas Gesellschaft. Damals verfügte der neu entstandene Verbund über rund 860 Planbetten, jährlich wurden rund 27.000 Patienten versorgt.

Markante Schritte im Rahmen der medizinischen Weiterentwicklung des Hauses nach der Millenniumwende waren 2004 die Einrichtung der interdisziplinären Bauchstation und die Mitgliedschaft im Westdeutschen Brustcentrum, 2006 die Einrichtung der Chest-Pain-Unit und die Gründungsmitgliedschaft im Darmzentrum Ruhr, 2010 wurde die Dialyse-Behandlung etabliert und 2012 hob das MVZ von Prof. Uhlenbrock die radiologische und nuklearmedizinische Versorgung auf zeitgemäße Standards.

2008 endete die Ära der Allrounder in der Chirurgie. Die Ausdifferenzierung der operativen Fächer nahm ihren Lauf mit der Umstrukturierung der chirurgischen Abteilung: Es entstanden eine Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie sowie eine Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie. 2016 folgte die Etablierung der Klinik für Plastische Chirurgie und 2017 der Start des fußchirurgischen Schwerpunkts.

Mit dem Neubau der Zentralen Aufnahme- und Diagnostikabteilung (ZAD) 2013, dem Neubau der Kreißsäle 2014 und dem Ausbau der neuen Operationssäle 2017 erfüllt das Krankenhaus heute medizinisch, baulich und organisatorisch alle Voraussetzungen für eine optimale Versorgung der Castrop-Rauxeler Bevölkerung, was Bürgermeister Rajko Kravanja mit seinem Grußwort in der Festschrift bestätigt: »Es ist erfreulich, dass Castrop-Rauxel über ein so gut geführtes Krankenhaus verfügt, um seinen Bürgerinnen und Bürgern nicht nur eine qualitativ hochstehende, sondern auch eine ortsnahe medizinische Versorgung zu gewährleisten.«

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