Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Soziales

Beistand für junge Mütter

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Im Gespräch mit Castrop-Rauxels Familienhebamme

Im Leben läuft nicht immer alles wie geplant. Und plötzlich steht sie da, mit 17, allein, schwanger. Die eigenen Eltern machen Stress, der Vater des Kindes ist längst über alle Berge, und in der Berufsschule lief es auch schon mal besser … Doch wie soll sie ein Kind großziehen, wo sie nicht einmal eine abgeschlossene Ausbildung hat? In dieser Situation erfährt die junge Frau durch eine Freundin von Sarah Janek, Familienhebamme bei der Stadt Castrop-Rauxel. Und weil sie absolut nicht weiter weiß, nimmt sie allen Mut zusammen, greift zum Telefonhörer und wählt die Nummer 01 52 / 22 52 71 66.

Freiwillig, niederschwellig und unkompliziert

»Ich berate und unterstütze junge Mütter bis 25 in allen Fragen rund ums Kind sowie bei persönlichen Problemen, von den ersten Schwangerschaftswochen bis zu einem Jahr nach der Geburt«, berichtet Sarah Janek. »Wenn sie beispielsweise Schwierigkeiten mit dem Partner hat, nicht weiß, wie sie ihren Kinderwagen bezahlen soll oder sich einfach fürchtet, dann stehe ich ihr mit Rat und Tat zur Seite.« Die Familienhebamme ist eine Säule innerhalb des 2009 gestarteten Netzwerks ›Frühe Hilfen‹, das vielfältige Angebote zur Förderung junger Familien in Castrop-Rauxel organisiert, etwa auch die beliebten Willkommensbesuche und Erste-Hilfe-Kurse. »Wichtig ist, dass es sich um rein freiwillige Leistungen handelt«, betont Teammitglied Matthias Fritsch. »Wir bieten allen Eltern Informationen zur gesunden Entwicklung ihres Babys und Kleinkindes, zu Krabbelgruppen, Kindergärten und zu den verschiedensten Möglichkeiten, die für Familien in Castrop-Rauxel bereitstehen.«

Im Café, zu Hause oder per WhatsApp

Wo kann ich welche Gelder beantragen? Muss ich während der Schwangerschaft meine Ernährung umstellen? Wie schaffe ich es, mit dem Rauchen aufzuhören? Warum ist ein Geburtsvorbereitungskurs so wichtig? Wo finde ich eine geeignete Krabbelgruppe? Und was ist eigentlich mit dem Sorgerecht? Sarah Janek begleitet zu Behördengängen, Einkäufen und Arztterminen, gibt praktische Tipps, vermittelt Kontakte und weiterführende Hilfen oder spricht den jungen Frauen einfach nur Mut zu. Und zwar ganz unkompliziert und flexibel: Dringende Fragen werden dann auch schon mal per WhatsApp beantwortet. »Der allererste Termin findet auf Wunsch häufig nicht bei den Schwangeren zu Hause statt, sondern an einem neutralen Ort, etwa im Café. Dann klären wir erst einmal den jeweiligen Bedarf.«

»Vieles bekommt man mit, wenn man Zeit in der Familie verbringt«

Das Engagement von Sarah Janek schließt den Einsatz einer ›normalen‹, über die Krankenkasse finanzierten Hebamme übrigens nicht aus. »Es ist mir sogar wichtig, so jemanden mit ins Boot zu holen. Allerdings kann ich einiges tun, für das die normale Hebamme keine Zeit hat! Und vieles bekommt man erst mit, wenn man Zeit in der Familie verbringt: Wie die jungen Eltern miteinander und mit ihrem Kind umgehen, was sie essen und trinken. Natürlich ist es nicht meine Aufgabe, zu beeinflussen. Aber ich bringe Dinge zur Sprache, die geklärt werden müssen. Dinge, die die werdende oder frischgebackene Mutter aufgrund ihrer Unerfahrenheit vielleicht gar nicht auf dem Schirm hat.« Gerade sehr jungen Frauen falle es zunächst oft schwer, sich an die Veränderungen ihres Körpers zu gewöhnen. »Auch hier kann ich helfen. Zum Beispiel kann man den Bauch abtasten und die Lage des Kindes im Mutterleib mit einem Kajalstift von außen nachzeichnen. Gemeinsam beobachten wir dann die Entwicklung. Das schafft Vertrauen!«

»Das erste Kind ist für alle Neuland«

Erreichbar ist die Familienhebamme der Stadt Castrop-Rauxel im neuen Familienbüro im Bürgerhaus an der Leonhardstraße 6. Daneben arbeitet Sarah Janek, die übrigens selbst Mutter zweier Kinder ist, als Beleghebamme im Dattelner  Krankenhaus. »Wobei mein Erfahrungsschatz als Mutter oft sogar eher angenommen wird als meine fachlichen Empfehlungen«, verrät sie schmunzelnd. Um auch Frauen über 25 unterstützen zu können, würde das Team der ›Frühen Hilfen‹ das Hebammen-Angebot gerne ausweiten. »Das erste Kind ist für alle Neuland», so Matthias Fritsch. »Wir helfen, dieses Neuland zu erschließen. Und dabei gibt es nicht nur einen Weg.«

Mut zur Selbsthilfe

»Ich kann die Welt nicht ändern, aber wenn ich ›meine Frauen‹ in die richtige Richtung lenke, habe ich schon gewonnen«, lächelt Sarah Janek. »Dadurch, dass wir ein sicheres Netz schaffen, merken sie, was sie können. Ich nehme den Schwangeren ja nichts ab, sondern leiste vielmehr Hilfe zur Selbsthilfe. Es gibt viele Angebote in Castrop-Rauxel. Man muss sie nur finden und den Mut haben, sie zu nutzen. Und wenn die ersten Probleme mit dem Job, der Familie oder den Behörden geregelt sind, geht es oft schnell bergauf. Denn dann können sie sich auf das Wesentliche konzentrieren: das Kind.«

Termine im Herbst

Treffpunkt für Schwangere und werdende Väter
19.09.+21.11., je 10–13 Uhr · Bürgerhaus
›Familienbande‹
Gruppe für werdende/junge Eltern
12.+26.09., 10.10., 14.+28.11., je 10–12 Uhr

Kontakt:

Sarah Janek
Tel. 01 52 / 22 52 71 66
familienhebammejanek [at] googlemail.com

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