IN DER STADT

Zur neu-gestalteten Stadtmagazin-Webseite
(seit 2010 erscheinen dort alle neuen Inhalte)

Wer sich von Ernst Bortscheller per Auto ,mal eben ein Stückchen’ mitnehmen lässt, erlebt schnell eine Reise zurück in die Vergangenheit. Mit ihm erkundet man Ecken Stockums, die deutlich zeigen, wie viele interessante Plätze vom Ortskern Hörder Straße abgehen.

Stockumer Geschichte(n) mit Ernst Bortscheller
Heimatfreunde Stockum-Düren e.V.

Wer sich von Ernst Bortscheller per Auto ,mal eben ein Stückchen’ mitnehmen lässt, erlebt schnell eine Reise zurück in die Vergangenheit. Mit ihm erkundet man Ecken Stockums, die deutlich zeigen, wie viele interessante Plätze vom Ortskern Hörder Straße abgehen.

„Da hinten ist das älteste Haus Stockums, es stammt aus 1717 und war früher eine Bäckerei.“, erzählt er wie selbstverständlich. Doch Ihr Schreiberling vom Stadtmagazin muss schlucken. ,1717, da pass ich ja vom Alter her fast ein Dutzend mal rein’, kommt es mir in den Sinn. Ich sollte mich in diesen Stunden noch des öfteren wundern.

Ernst Bortscheller ist Vorsitzender der Heimatfreunde Stockum-Düren e. V. und – mit Verlaub – wohl auch ein ewiger Detektiv. „Erzähl nicht soviel, bald weiß er mehr über uns als wir selbst.“, solche Sätze dringen schon mal mit einem Augenzwinkern an sein Ohr.

„Für viele ist es nur unbedeutender Kram, der in der Truhe vor sich hin schlummert.“, weiß der Pfarrer im Ruhestand. Alte Fotos, Pacht-Urkunden legt er nicht achtlos ,zu den Akten’, sondern durchstöbert ihre Details, um den Zeitpunkt der Entstehung solcher Dokumente einzuordnen.

Wissen Sie, was das Spannende an Stockum ist? Auch hier gibt es Geschichte, wie sie manch einer nur aus Western mit Clint Eastwood und Co. oder Ritter-Filmen kennt.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts zog ein Herzog mit seinem Gefolge gegen Nimwegen, Stockum sollte einen Heerwagen und vier Knechte stellen. Doch die Bauern waren das Krieg spielen leid und schickten nur zwei Knechte.

Preußische Landherren bestimmten, dass Brautpaare vor der Trauung sechs Obstbäume und sechs Eichen zu pflanzen haben. So wollte man um 1650 für eine Erholung des verwüsteten Landes nach Plündereien und Pest sorgen.

Von diesen gepflanzten Riesen sollten die Bewohner Stockums allerdings nicht lange etwas haben. Der siebenjährige Krieg von 1756–1763 brachte wieder Kriegselend über die Region und vor allem über Stockum, weil am 25. April 1755 1.400 französische Soldaten auf dem Weg nach Dortmund waren.

Solche Details zeigen, wie sorgfältig der Heimatfreunde-Verein jede noch so knappe Information in den richtigen Zusammenhang rückt.

Auch wissen sie anhand von Aufzeichnungen aus dem Jahre 1667, wie es in jenen Tagen um das Schulwesen bestellt war. Ist es heute zwar vielerorts der Fall, dass die Klassen überfüllt sind, hatten Henricus Ebelius und danach Mathias Dörhof damals weniger Schüler, als es ihnen lieb war. Nur wenige Bauern sahen die Notwendigkeit ein, ihren Nachwuchs die Schulbank drücken zu lassen. Vielmehr wünschten sie sich ihre Sprösslinge als Hilfen auf dem eigenen Hof.

Vor mehr als 250 Jahren, seit 1752, wurde in Stockumer Zechen Kohle abgebaut. Das Geschäft mit dem schwarzen Grubenfund lief allerdings nur rund 150 Jahre. Bereits 1904 wurde mit dem Schacht Düren der Zeche Franziska die letzte Förderungsstätte Stockums zunächst geschlossen.

Heute würden bauliche Maßnahmen viele Beteiligte auf den Plan rufen, schon allein in der Phase der Ausschreibung. 1790 war das noch anders. Stockum und Düren zählten zusammen knapp über 400 Einwohner. Als die heutige Hörder Straße zur Chaussee gepflastert wurde, legten die Anwohner noch selbst Hand an.

Irgendwie sprengt es doch unsere Vorstellungskraft, sich Postkutschen nicht nur in Lucky Luke-Comics und auf Michael Landonis ,kleiner Farm’ im Fernsehen vorzustellen, oder? Doch ein ganzes Jahrhundert lang, von 1803 bis 1905 fuhren eben solche Postkutschen über Stockum nach Hörde. An der Gastwirtschaft ,Zum Fuhrmann’ hatte man seinerzeit einen Schlagbaum installiert. Hier wurde der Wegezoll entrichtet. Die Pferde konnten für manchen Güterverkehr aber schon bald im Stall bleiben. Der Stockumer Bahnhof tat seinen Dienst zwischen den Jahren 1877 und 1971.

Zu Witten gehört der Stadtteil erst seit 1928. Dann gab es eine Eingemeindung, die zunächst zur Folge hatte, dass einige Straßen umbenannt werden mussten. Der Zweite Weltkrieg bewirkte zwischen den Gemeindemitgliedern, dass sie sich in zwei Gruppen aufteilten. Einige schlossen sich dem eingesessenen Pfarrer an, der der Politik Hitlers folgte, andere wiederum wechselten zu den freien Christen der ,Bekennenden Kirche’. Durch den Krieg wurden 37 Kinder in das badische Lauda verschickt, 500 Stockum-Dürener zogen als Soldaten und Flakhelfer in den Krieg. 55 Räume, gelegen in der Himmelohstraße und der Hörder Straße, machten die Besatzungsmächte schließlich im April 1945 frei. „Was mit einer Ausstellung begann, wollte ich gerne regelmäßig etablieren. Die Leute hatten alle was zu erzählen.“, weiß Ernst Bortscheller. „Alle paar Wochen saßen wir in einem Gemeindesaal zusammen, um zu klönen. Es gab so viele Dinge, die sich ordnen ließen, Stammbäume zu vervollständigen, Vereinsgeschichte aufzuschreiben. Jedem konnte man nahe bringen, wo er eigentlich wohnte, was dort früher mal stand und worauf er blickt, wenn er aus dem Fenster schaut.“

Doch einfach nur so im Paul-Gerhardt-Haus zusammensitzen das reichte kaum. Struktur musste her, und die am besten mit einem Verein. Mit einem ernsten und lachenden Blick in die Runde ließen sich aber schnell die Gründungsmitglieder finden. Hätte ihn auch gewundert. „Hier in Stockum hat jeder seinen Verein. Nehmen Sie sieben Leute und sie haben 14 Vereine...“, lacht der 79-Jährige.

Irgendwie sprengt es doch unsere Vorstellungskraft, sich Postkutschen nicht nur in Lucky Luke-Comics und auf Michael Landonis ,kleiner Farm’ im Fernsehen vorzustellen, oder? Doch ein ganzes Jahrhundert lang, von 1803 bis 1905 fuhren eben solche Postkutschen über Stockum nach Hörde. An der Gastwirtschaft ,Zum Fuhrmann’ hatte man seinerzeit einen Schlagbaum installiert. Hier wurde der Wegezoll entrichtet. Die Pferde konnten für manchen Güterverkehr aber schon bald im Stall bleiben. Der Stockumer Bahnhof tat seinen Dienst zwischen den Jahren 1877 und 1971.

Zu Witten gehört der Stadtteil erst seit 1928. Dann gab es eine Eingemeindung, die zunächst zur Folge hatte, dass einige Straßen umbenannt werden mussten. Der Zweite Weltkrieg bewirkte zwischen den Gemeindemitgliedern, dass sie sich in zwei Gruppen aufteilten. Einige schlossen sich dem eingesessenen Pfarrer an, der der Politik Hitlers folgte, andere wiederum wechselten zu den freien Christen der ,Bekennenden Kirche’. Durch den Krieg wurden 37 Kinder in das badische Lauda verschickt, 500 Stockum-Dürener zogen als Soldaten und Flakhelfer in den Krieg. 55 Räume, gelegen in der Himmelohstraße und der Hörder Straße, machten die Besatzungsmächte schließlich im April 1945 frei. „Was mit einer Ausstellung begann, wollte ich gerne regelmäßig etablieren. Die Leute hatten alle was zu erzählen.“, weiß Ernst Bortscheller. „Alle paar Wochen saßen wir in einem Gemeindesaal zusammen, um zu klönen. Es gab so viele Dinge, die sich ordnen ließen, Stammbäume zu vervollständigen, Vereinsgeschichte aufzuschreiben. Jedem konnte man nahe bringen, wo er eigentlich wohnte, was dort früher mal stand und worauf er blickt, wenn er aus dem Fenster schaut.“

Doch einfach nur so im Paul-Gerhardt-Haus zusammensitzen das reichte kaum. Struktur musste her, und die am besten mit einem Verein. Mit einem ernsten und lachenden Blick in die Runde ließen sich aber schnell die Gründungsmitglieder finden. Hätte ihn auch gewundert. „Hier in Stockum hat jeder seinen Verein. Nehmen Sie sieben Leute und sie haben 14 Vereine...“, lacht der 79-Jährige.

Artikel von S. 53 in Ausgabe 15 (10.2001)

zum Seitenanfang | Inhaltsverzeichnis | andere Stadt / Home | Impressum

Archivierte Beiträge
Rubrik: In der StadtKulturKulinarischesSport & Freizeit
Bauen & WohnenHeiteres & BesinnlichesWissenswertes