KULTUR

Zur neu-gestalteten Stadtmagazin-Webseite
(seit 2010 erscheinen dort alle neuen Inhalte)

oben: Cymontkowski sucht mit seiner Kunst ein Gegengewicht zur Schnelllebigkeit der Zeit

unten: Akte sind eines von Cymontkowskis Motiven

„Bilder aus dem Rucksack – Bilder ohne Skizzen“
Ausstellung der Ateliergruppe Lünen

Der Streifzug durch die Räume des Lüner Künstlers Heinz Cymontkowski ist ein Weg durch eine Welt voller Lebendigkeit und Kreativität. Werkstatt und Atelier zugleich, tummeln sich hier unzählige Ölbilder und Skizzen, kleine Objekte und vieles mehr, was den Künstler beschäftigt. „Meine Inspirationen bekomme ich auf meinen Reisen, unterwegs, in der mystischen Atmosphäre der Worpsweder Landschaft, im Umland von Bremen, an der Nordsee oder auch im Süden. Impressionen, die ich aufnehme, um sie dann in meinem Lüner Atelier in meine Bilder einfließen zu lassen“, erklärt Heinz Cymontkowski.

Viele seiner Arbeiten zeigen diese Stimmung der Moorlandschaften, die Melancholie der Wolken, die den Künstler schon seit jeher faszinieren. Aus anderen blicken dem Betrachter nahezu unheimlich verzerrte Gesichter entgegen. Fratzen, die ein weiteres wichtiges Thema seines Schaffens dokumentieren: den Versuch der Verbindung zwischen gestern und heute. Es handelt sich bei diesen Bildern um die gemalte Vergrößerung derjenigen Köpfe, die das vor 500 Jahren entstandene Chorgestühl der Cappenberger Stiftskirche zieren. Und während das hölzerne Original im Kontext des Gesamten nahezu verschwindet, legt Cymontkowski seinen Fokus genau auf die Dinge, die vom Betrachter sonst kaum wahrgenommen werden.

Er legt diese Relikte aus alten Zeiten gewissermaßen unter die Lupe, macht sie erkennbar, indem er sie in unsere heutige Zeit transportiert und in ihrem Abbild vielfach vergrößert. So werden sie deutlich, diese nur selten wahrgenommenen Motive aus dem Bereich des Biblischen oder der Mystik, fast schon überdeutlich, denn indem er sie malt, interpretiert er zugleich, überzeichnet und arbeitet manche Partien heraus, denen er so zu einem besonderen Ausdruck verhilft. „Ich finde es einfach faszinierend, dass viele dieser historischen Dinge auch heute noch Bedeutung haben“, erklärt Cymontkowski, dem es in seinem Schaffensprozess vor allem auch darum geht, der Schnelllebigkeit einen Kontrapunkt entgegen zu setzen: „Man muss die Verbindung nur sehen wollen und sichtbar machen.“

Ein Gegengewicht hierzu stellen die Elementarzeichnungen, unzählige mit schnellem Strich gemachte Skizzen, die mit nur wenigen Linien und Umrissen eine Stimmung fangen, sie transportieren und so auf reduzierte Weise zu starkem Ausdruck gelangen. „Diese Skizzen sind für mich ein Ausgleich. In ihnen möchte ich vor allem die Leichtigkeit spüren“, so der Künstler.

Und nun lädt Heinz Cymontkowski, der durch besondere Projekte mit anderen Künstlern oder speziellen Aktionen immer wieder den Kontakt zu den Betrachtern – den Menschen – sucht, wieder zu einer Ausstellung: In seinem Lüner Atelier in der Steinstraße zeigt er Bilder der Künstlerin Clara Vogedes (1892–1983) und kontrastiert sie mit eigenen Bildern, die ab 2000 entstanden sind. Vogedes studierte an der Kunstgewerbeschule Krefeld bei Professor van der Velde. Sie reiste durch Europa und hielt ihre Eindrücke in Skizzenbüchern und Bildern fest, die auch heute noch in Museen zu sehen sind. Es ist eine Ausstellung unterschiedlicher Sichtweisen zweier Künstler. Ein Spannungsfeld ohne museales Umfeld, in einem Atelier, einer Werkstatt. CvO

Artikel von S. 6 in Ausgabe 22 (04.2005)

zum Seitenanfang | Inhaltsverzeichnis | andere Stadt / Home | Impressum

Archivierte Beiträge
Rubrik: In der StadtKulturKulinarischesSport & Freizeit
Bauen & WohnenHeiteres & BesinnlichesWissenswertes