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Das Wahrzeichen von Bommern: Der Wasserturm
Das Wahrzeichen von Bommern: Der Wasserturm

Selbstverständlich werden auch in diesem Jahr in Bommern wieder die allermeisten Geschäfte ihre wunderschöne Weihnachtsdekoration und -beleuchtung herausholen und damit auf das große Fest hinweisen. Aber die Konkurrenz ist groß. Und das nicht nur für ein paar Wochen um Weihnachten herum. Etwas leuchtet in Bommern das ganz Jahr über: der Wasserturm.

Im Baujahr 1910 hatte die Architektur des Bommeraner Wasserturms sicher noch eine futuristische, hochmoderne Bedeutung. Einen Wert von 300 Goldmark soll er damals betragen haben, so ist es in einer 1997er Ausgabe des BOMMERANERs zu lesen. 300 Goldmark? Was das in Mark ausmacht, kann der Verfasser dieser Zeilen noch nicht einmal schätzen, versucht er sich gerade daran, die Zahl 1,95583 in sein Langzeitgedächtnis aufzunehmen.

Es gibt einen Mann in Bommern, der von Berufswegen oft die Strecke Witten-Gelsenkirchen hin und zurück, mit und ohne Stau, im Sommer und im Winter fahren musste. Besonders im Winter wurmte ihn etwas auf der täglichen Reise über die Autobahn: Alle Städte, an denen Wolfgang Kreischer vorbeifuhr, tauchten ihre schönsten Bauten auch zu nachtschlafender Zeit in helles Licht. Selbst das kleinste Kreuz auf der Kirchturmspitze sah er mit einer kleinen Funzel angestrahlt. „Die wissen hier alle immer gleich, wann sie zu Hause sind“, kam Wolfgang Kreischer der Gedanke an seine abfahrenden Autobahn-Kollegen in den Sinn. Jeder kennt diesen ,Noch bis dahinten, dann haben wir es geschafft‘-Gedanken voller Hoffnung und Vorfreude auf den gemütlichen Feierabend.

Für die Beleuchtung des Bommeraner Wasserturms zu sorgen, war Wolfgang Kreischer ein Anliegen, in das er viel Engagement investierte. Von dem Reiz und dem Gewinn für das Stadtbild musste er dabei kaum jemanden überzeugen. Als Vorsitzender des Bommeraner Heimat- und Geschichtsvereins wurde sein Vorschlag von Anfang an von den Mitgliedern unterstützt und das noch weit über den 16. Dezember 1997 hinaus. An diesem späten Nachmittag, punkt 17.30 Uhr, wurde das erste Mal das Licht eingeschaltet. „Damals stand ich mit meinem Bruder Hartmut ganz oben auf dem Turm und habe mit ihm ,So ein Tag, so wunderschön wie heute‘ auf der Trompete gespielt. Keine Selbstverständlichkeit, denn die gut 28 Meter Höhe überwanden die Brüder über das Innere des Turmes. Also musste das Wasser abgelassen werden, was nur noch selten passiert.

Der Wasserturm ist nicht nur ein Monument der Zeitgeschichte und der industriellen Entwicklung. Er ist vor allem immer noch für die Wasserversorgung in Bommern und Wengern mitverantwortlich, auch heute. Durch die zweimal 150 Kubikmeter großen Tanks ist schon vieles geflossen, was bei uns zu Hause einfach herausläuft, sobald wir den blauen oder roten Hahn aufdrehen.

Eine lange Zeit hat Wolfgang Kreischer aber schon vor der offiziellen Einweihung der Beleuchtungsanlage am Turm verbracht. Mit einem Hubwagen. Dreimal 400 Watt beleuchten ihn, aber nicht irgendwie. „Wir mussten ja vorher schauen, wie die Beleuchtung am besten ausfällt, wo viel Schatten fällt und so weiter. Also stiegen wir in einen Hubwagen.“, erinnert sich der 67-Jährige. Und dann musste er mit einer Wahrheit herausrücken: „Wissen Sie, mit dem Bommeraner Wasserturm und Bommerholz ist das so eine Sache, er steht zwar in Bommerholz, wurde aber für Bommern gebaut“. Die Frage, in welchen Kreis er nun gehört, kommt mittlerweile nicht mehr oft auf den Tisch.

Wichtig ist heute nur eines: Er soll allen gefallen und niemandem ein Dorn im Auge sein. Das ist er, zumindest in der unmittelbaren Nachbarschaft, auch anscheinend nicht. Ganz im Gegenteil. „Oft rufen die Leute bei mir ganz entsetzt an. „Eine Lampe ist kaputt“, beklagen sie“, erzählt Kreischer. Also ist er auch für die Leute, die mit Aussicht auf den Turm wohnen, stets ein Blickfang und nicht mehr aus der Landschaft wegzudenken.

Die Stadtwerke sind über alles zu verständigen, was um und am Turm zu tun und zu pflegen ist. Ihnen richtet er es dann aus, wenn mal wieder jemand eine defekte Lampe entdeckt hat.

Eine Erwähnung des Wasserturms schätzt Wolfgang Kreischer besonders: 1985 erschien im Düsseldorfer VDI-Verlag das Buch ,Die Industriegeschichte des Wassers‘ mit allen wichtigen Wassertürmen Europas. Direkt auf dem Umschlagfoto – und nicht auf der Rückseite versteckt – ist das ,gute Stück‘ aus Bommern zu sehen.

Artikel von S. 44 in Ausgabe 16 (12.2001)

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