Stadtmagazin Witten: Kirche aktuell

Mein Gott, äj.

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Text Jürgen Kroll

Kennen Sie das: Mein Gott plus kreative Erweiterungen.

Unerwartet hören Sie mitten im Alltag diese Worte.

Irgendein Mensch formuliert so seine Überraschung oder seinen Ärger.

Ich habe mir angewöhnt, sofort zu gratulieren.

»Herzlichen Glückwunsch, erstaunlich dass Sie öffentlich laut beten«.

Sie müssten dann mal das Gesicht des/r ›Beters/in‹ sehen.

Irritation pur: »Hä, wieso beten?«

»Aber Sie haben doch eben deutlich hörbar Gott angesprochen…«.

Kurzes Aha-Erlebnis und schon wird die gedankenlose Floskel durchsichtig.

Manchmal rötet sich sogar das Gesicht und es wird etwas Verlegenes gemurmelt.

Aber mal im Ernst, wie viele Gebete braucht der Mensch im Laufe seines Lebens?

Juden würden auf das Alte Testament hinweisen: 150 Psalmen plus ein paar andere.

Jesus hat uns ein geniales Allround-Gebet überlassen: das Vater unser.

Ich denke, dass wir mindestens 3 Gebete brauchen.

Als Kind haben viele früher gelernt:

Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.

Ich denke, dass man es nicht frömmelnd verstehen darf, sondern inhaltlich.

Es hat m. E. drei geniale Teile:

1. Einen guten Ansprechpartner in einer liebevollen Beziehung.

2. Den Wunsch nach einer Glaubens-Verbesserung, die ich nicht alleine hinbekomme.

3. Die Bitte, mich (ohne dass ich mein Leben kenne) an mein größtes Ziel gelangen zu lassen.
Sie denken, dass das nicht nötig ist, weil sie ja jetzt ›erwachsen‹ sind?

In einem ernsten Gespräch mit einem Freund ist mir mal die erwachsene Version eingefallen:

Lieber Gott, mach mich schlau, denn ich mach mich selbst zur Sau.

Es hat drei ehrliche Teile:

1. Ich wähle bewusst den positivsten Ansprechpartner, den Menschen kennen.

2. Ich bitte um eine umfassende Verbesserung meiner Denk- bzw. Gestaltungsmöglichkeiten.

3. Ich gestehe, dass ich Verursacher, nicht bemitleidenswertes Opfer, meiner eigenen Situation bin.

Meinem Freund habe ich dieses Gebet als morgendliche Übung verordnet.
Es hat ihm effektiv geholfen.

Ich habe ihm damals gesagt:

»In die Wahrheit deines Lebens, also in die nötigen Problemlösungen, führt am besten der Geist Gottes und nicht ich.

Nicht der ›eilige‹, bzw. eigene, sondern der Heilige Geist führt dort hin, sagt Jesus Christus«.

Wenn das Leben zu Ende geht, wenn es beklemmend eng wird, wenn alles verlegene Gequatsche hohl klingt, wenn intellektuelle Spielchen nur noch Worthülsen sind, mit wem reden Sie dann und was sagen Sie dann?
Letzten Endes benötigen wir noch ein drittes Gebet:

Lieber Gott, halt mich fest, denn hier geben sie mir nur den Rest.

Drei starke seelsorgerliche Teile:

1. Sie wenden sich (endlich!) froh und kindlich (persönlich!) an Ihren Schöpfer.

2. Sie bitten um den – unter Menschen unmöglichen – letzten Halt.

3. Sie realisieren, dass menschliche, technische, medizinische Hilfe leider sehr begrenzt ist.

Ein guter Arzt hat mir mal offen gesagt: Nur Jesus kann heilen, wir können nur etwas versuchen!

Diese starke Antwort war mir vor 22 Jahren in einer tödlichen Situation äußerst hilfreich.

Wie viele Gebete brauchen Sie ohne dass Sie gedankenlos den Namen Gottes missbrauchen?

Alle guten Dinge sind vielleicht doch drei.