Als in Heven der Lichtmann durchs Kirchenfenster blickte
Vor 17 Jahren tönten Klänge von Günter Müller am Steinhügel
›Momenta transeunt, memoriae manent‹ versichert das lateinische Sprichwort und meint: Momente vergehen, Erinnerungen bleiben. Und genauso erging es dem Autor dieser Zeilen, als er unlängst zwei Fotos von der vor drei Jahren verstorbenen Fotografin Barbara Zabka in seinem Archiv fand. Gemeinsam mit ihr war er 2009 zu einer Recherche in die evangelische Hevener Kirche gekommen.
Der Grund: Dort ließ regelmäßig montags (und kostenlos!) ein ganz besonderer Musiker ganz besondere Instrumente erklingen: Günter Müller aus Schwerte spielte nicht etwa auf der Kirchenorgel, sondern fremde Blasinstrumente aus fernen Ländern. »Diese Musik wird durchzogen von harmonischen Klängen, die die Fantasie auf Reisen in ferne Länder und exotische Landschaften entführen. Günter Müller spielt Traversflöte, australisches Didgeridoo, indische Bambusflöte, japanische Shakuhachi-Flöte, Obertonflöte, Fujara, Sansula, Kalimba und indische Holzquerflöte Bansuri«, heißt es auf seiner Homepage.
Doch wie kam es damals zu seinen meditativen Klangkonzerten? Auf Nachfrage erzählt der heute 76-Jährige: »Ich weiß es nicht mehr genau. Irgendwo in Deutschland sprach mich mal irgendein Diakon an, ob ich nicht mal in einer bestimmten Wittener Kirche eine Klangreise veranstalten könnte. Ich sollte mich mal bei der zuständigen Pfarrerin melden.« Diese Pfarrerin war Heike Bundt, die natürlich neugierig zusagte.
So kam es, dass Günter Müller – bepackt mit seinen Instrumenten und einem technischen Equipment – regelmäßig am Montagnachmittag nach Witten kam. »Das war immer für eine gute Stunde über einige Wochen«, erinnert sich der Musiker, der im Hauptberuf Bau-Ingenieur ist. Und Heike Bundt ergänzt: »Ich glaube, das war sogar ein halbes Jahr lang.« Im Kirchraum hatte sich dann eine kleine Fangemeinde versammelt, die stumm und bewegt den Tönen und Klängen im Kirchenschiff zuhörte. »Die Akustik in dieser Kirche ist so außergewöhnlich und einzigartig«, erinnert sich Müller. »Nach dem Ende der Musik blieb der Hall noch fast 30 Minuten in dem Kirchenschiff, sodass erst dann die Zuhörer mit mir sprechen konnten.«
Erbaut wurde die Kirche 1901 im neugotischen Stil nach Plänen des Kirchbaumeisters G.A. Fischer aus Barmen. Restauriert wurde sie 1956 und von 1986 bis 1991. »Auf dem höchsten Punkt des Hevener Landrückens ragt die Evangelische Kirche in Heven seit über 100 Jahren empor. Seit 2018 wird die Kirche am Steinhügel in Witten jetzt umweltfreundlich mit Erdwärme beheizt. Das macht sie zur ersten denkmalgeschützten CO2-freien Kirche in Deutschland«, heißt es auf der Homepage von www.energie-experten.org. Darauf ist die Hevener Gemeinde – und ihre Pfarrerin – noch heute mächtig stolz.
Doch zurück zu dem genialen Musiker, der regelmäßig auch Konzerte in Tropfsteinhöhlen spielt – manchmal sogar in fast vollkommener Dunkelheit. Da ist zunächst die Dechenhöhle in Iserlohn zu nennen, aber auch das Schulerloch im Altmühltal beim bayrischen Essing. Das nächste Konzert in NRW gibt Günter Müller am 26. Juni um 19.30 Uhr im Planetarium Recklinghausen – wie immer lebendige und fesselnde Livemusik voll akustischer Leckerbissen. Dabei bringt er die Erfahrung aus ca. 1.500 Bühnenauftritten mit. Das garantiert ungetrübtes, spannendes Hörvergnügen! Nach dem Konzert erklärt er gerne die exotischen Instrumente, deren Spielweise und die kulturelle Herkunft der handgefertigten Naturklanginstrumente.
Dieser Bericht hat allerdings leider ein trauriges Ende: Barbara Zabka, die die zwei Fotos von einem Klangkonzert in Heven machte, starb am 19. Juni 2023. Am 7. Juli darauf fand ihre Trauerfeier genau in dieser Kirche statt. Redner war der katholische Pfarrer Friedrich Barkey.
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