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Tradition in Obercastrop

Das ›Bookenkreuz‹

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Das ›Bookenkreuz‹

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Seit 373 Jahren hat es seinen Platz auf dem Obercastroper Eselsberg: das Bookenkreuz. Für Uneingeweihte scheint es nicht mehr als ein christliches Symbol am Wegesrand. Fragt man aber den alt eingesessenen Obercastroper, hört man viele Geschichten. Sie handeln von den Schrecken der Pest und des Krieges, aber auch von Gastfreundschaft, Lebensfreude und einer bis heute andauernden geliebten Tradition.

Wandern wir zurück ins 17. Jahrhundert, in die Zeit des Dreißig-jährigen Krieges. In Mitteleuropa wütete die Pest mit unbarmherziger Macht. Besonders schlimm traf es unsere Region im Jahr 1636. Ganze Familien sollen dem schwarzen Tod zum Opfer gefallen sein. Als der Spuk ein Jahr später endlich vorüber war, errichteten die Bauern aus Dankbarkeit so genannte Bookenkreuze. Der Begriff Booken stammt aus dem Plattdeutschen und bedeutet Pocken, es handelte sich also um Pestkreuze. Wie eine Abschrift aus dem Obercastroper Bookenbuch von 1732 zeigt, gelobten die Menschen der Gemeinde, »zur Abwendung künftiger Gefahren« alljährliche Prozessionen zu ihrem Bookenkreuz zu unternehmen. Bei dieser Gelegenheit sollten auch milde Gaben (Geld, Brot, Butter, Eier, Fleisch etc.) an die Armen verteilt werden. Bis heute hat dieser Brauch Bestand, wie am 22. August wieder zu erleben war.

»Traditionell findet die Bookenfeier mit Musik und Gottesdienst am ersten Sonntag nach dem Rochusfest statt, und zwar hochfeierlich, wie es das Gelübde von 1637 vorsieht, als Zeichen der Dankbarkeit und Lebensfreude und im Vertrauen auf Gott«, erzählt Franz Josef Eckert, Pfarrer der Gemeinde St. Elisabeth. Seit dreißig Jahren organisiert er die Veranstaltung, bei der schönes Wetter ebenso Tradition hat wie die Kollekte und das anschließende gemeinsame Pflaumenkuchenessen – bisher musste die Prozession nur ein einziges Mal wegen heftigen Regens abgesagt werden. »Ausgerechnet in jenem Jahr hatten wir eine Jugendgruppe aus Frankreich zu Gast. Obwohl wir die Feier wegen des Wetters ganz in die Kirche verlegen mussten, war es eine der schönsten Begegnungen rund um das Bookenkreuz und die Jugendlichen schreiben uns noch heute jedes Jahr eine Karte.«
Mildtätigkeit und Gastfreundschaft – am Bookensonntag hatten Reisende das Recht, in jedes Haus einzukehren und sich dort nach Herzenslust satt essen zu können. Heute gibt es für die Teilnehmer der Prozession Kaffee und Kuchen. Die Spenden kommen Bedürftigen in Indien zugute. »Gesammelt wird das ganze Jahr, aber zur Bookenfeier sind die Menschen besonders freigebig«, weiß Pfarrer Eckert. »Der Bookensonntag ist als Tag des geschwisterlichen Teilens im Bewusstsein der Gemeinde verankert.« Mit dem Geld wurde bereits viel erreicht, von der Schenkung einer Kuh über den Bau diverser Brunnen, Krankenstationen, Schulen und Kindergärten bis hin zur Einrichtung eines Leprakrankenhauses. Pfarrer Eckert hat gute Kontakte zum Erzbischof von Trivandrun, war selbst dreimal vor Ort. »Die Gaben werden immer persönlich überreicht, jeder Euro geht direkt an die Menschen, ohne Verwaltungskosten.«

Gepflegt wird die historische Stätte auf dem Eselsberg übrigens durch die Kolpingfamilie. »Es handelt sich nicht um eine formelle Angelegenheit, wir sind mit dem Herzen dabei«, betont der Pfarrer. »In unserer Gemeinde kennt jeder die alte Geschichte und sogar Neueinwohner halten die Tradition hoch.« Er ist zuversichtlich, dass die Sonne auch in den  nächsten 373 Jahren scheinen wird.

Artikel von S. 9 in Ausgabe 74 (8/2010)

Andacht am BookenkreuzPfarrer Eckert in Südindien