Stadtmagazin Castrop-Rauxel: In der Stadt

Wenn die Seele ›Schnupfen‹ hat

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Kaskade-Gruppe hilft Kindern aus seelisch belasteten Familien

Schätzungen zufolge wachsen in Deutschland bis zu drei Millionen Kinder in sogenannten ›seelisch belasteten Familien‹ auf. Das bedeutet, dass ein Elternteil von einer psychischen Erkrankung oder einer Suchterkrankung betroffen ist. Einen sicheren Hafen und wertvolle Unterstützung finden sie in der Kaskade-Gruppe der Caritas.

»Problem wird nicht nach außen getragen«

»Mit Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen oder Alkoholabhängigkeit geht häufig eine Tabuisierung einher«, weiß Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Sozialpädagogin Anja Zielinski, die die Leitung der Gruppe vor acht Jahren übernommen hat. »Das Problem wird nicht nach außen getragen. Die Betreffenden scheinen sogar im Alltag zu funktionieren. Dieser Eindruck kommt aber vor allem deshalb zustande, weil die Kinder viele Aufgaben übernehmen, für die sie eigentlich zu jung sind: den Haushalt schmeißen, kleinere Geschwister betreuen, sich um Organisatorisches kümmern. In der Folge entwickeln sie oft Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressionen oder eine eigene Traurigkeit, die sie dann an anderer Stelle herauslassen.«

»… damit die Kinder verstehen, dass sie nicht schuld sind, wenn Mama traurig ist«

Die Kaskade-Gruppe soll die Kids in dieser schwierigen Situation auffangen, ihnen ein Stück Leichtigkeit zurückgeben und Gelegenheit zum Austausch mit anderen Betroffenen bieten. Das kostenfreie Angebot richtet sich an junge Menschen im Alter zwischen sieben und vierzehn Jahren und findet fortlaufend einmal pro Woche statt. Die Anmeldung erfolgt über die Beratungsstelle der Caritas am Lambertusplatz. »Eine Warteliste gibt es bei uns in der Regel nicht«, so Anja Zielinski. »Wir sind bemüht, dass jeder, der Hilfe braucht, schnell einen Platz bekommt.« Das Erstgespräch wird immer im Beisein der Eltern geführt. »Es geht darum, die Sprachlosigkeit zu überwinden, damit die Kinder verstehen, dass sie nicht schuld sind, wenn Mama traurig ist.«

»Gemeinsam gegen das Kartenspiel«

Ein wichtiger Teil der späteren Gruppenarbeit ist daher auch die Wissensvermittlung. »Eine Erkältung kann man sehen, seelische Erkrankungen sind unsichtbar. Wenn man offen mit den Kindern spricht, verstehen sie aber sehr rasch, dass auch die Seele ›Schnupfen‹ haben kann.« So wird das Problem zwar nicht aus der Welt geschafft – die Kinder und Jugendlichen lernen jedoch, besser damit umzugehen. Wertvolle Lebensfreude gibt es obendrauf. »Wir haben in der Gruppe viel Spaß«, berichtet Praktikant Theodor Schröder. »Vor allem bei Bewegungs- und Strategiespielen, bei denen es keine Verlierer gibt, weil alle kooperieren müssen, um zu gewinnen. Dann heißt es zum Beispiel: gemeinsam gegen das Kartenspiel! Im Sommer sind Ausflüge und Eisessen sehr beliebt.« Er stellt einen weiteren wichtigen Punkt heraus: »Die Kinder haben in ihren Familien oft keinen Ansprechpartner, an den sie sich mit ihren Sorgen wenden können. Durch den regelmäßigen Kontakt merken wir schnell, wenn es einem von ihnen nicht gut geht, und können intervenieren.«

Neue Gruppe: ›Mütter stärken‹

Ältere Jugendliche, die aus der Gruppe hinauswachsen, sich aber weiterhin Unterstützung wünschen, werden mit ihren Nöten natürlich nicht alleingelassen. Für sie gibt es weiterführende Hilfsangebote, die die Mitarbeitenden der Caritas-Beratungsstelle gerne vermitteln. Ganz neu ins Leben gerufen wurde beispielsweise die Gesprächsgruppe ›Mütter stärken‹, ein kostenfreies Angebot für seelische belastete Frauen, das einmal pro Woche ebenfalls unter Leitung von Anja Zielinski stattfindet. »Hier gibt es keine Spiele«, lächelt sie, »dafür jede Menge Kaffee und offene Ohren.«

Caritasverband für die Stadt Castrop-Rauxel e. V.

Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche
Lambertusplatz 16
44575 Castrop-Rauxel
Tel. 0 23 05 / 9 23 55 22
www.caritas-castrop-rauxel.de

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