Stadtmagazin Witten: In der Stadt

1945 bis heute

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Die unruhige Geschichte des Wittener Rathauses.

Das Wittener Rathaus wurde 1926 fertiggestellt, der Turm wurde errichtet, die Stadt Witten konnte ihre industrielle und kulturelle Entwicklung fortsetzen. Die Zeitgeschichte wurde nicht ruhiger, nur 19 Jahre blieben dem Rathaus, um unbeschädigt seinen dominanten Platz im Wittener Stadtbild zu behaupten.

Am 12. Dezember 1944 wurde das Stadtzentrum durch einen heftigen Bombenangriff zu 80 Prozent zerstört. Auch das Rathaus wurde schwer getroffen. Der Flügel an der Gedächtniskirche und Teile der Fassade an der Hauptstraße brachen zusammen. Der Turm überstand die Bombardierung unbeschädigt.

Die Nachkriegsjahre waren durch einen allgemeinen, relativ hastigen Wiederaufbau gekennzeichnet. Viele Gebäude in der Innenstadt, in der Bahnhofstraße, Heilenstraße, Ruhrstraße und Hauptstraße zeugen von diesen architektonischen Versuchen, dem veränderten Zeitgeschmack Ausdruck zu geben. Das Rathaus konnte diesen Tendenzen nicht ausweichen. Zügig begann der Wiederaufbau der zerstörten Bauteile. Der gesamte Nordflügel Richtung Gedächtniskirche wurde im Geiste des Originalgebäudes wieder errichtet. Dieser Neubau entstand ganz im Stile von 1925.

Entlang der Hauptstraße allerdings wurde ein gänzlich neuer Gebäudeteil hinzugefügt, wie er heute noch zu sehen ist. Die Ladenzeile entsprach dem Bedürfnis, in das Verwaltungsgebäude auch kommerzielle Nutzungen zu integrieren. Allerdings konnten die drei Phasen der Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen nicht ohne Folgen für den originalen Bauschmuck bleiben. So verschwanden 1963 im Foyer vor dem Sitzungszimmer die Deckenmalereien des Düsseldorfer Künstlers Rüter. Sie waren nach dem Urteil des Stadtbaurats Bewig von ›edler Schlichtheit‹. Die Kassettenmalereien im großen Sitzungszimmer verschwanden ebenso unter einer neuen, abgehängten Decke mit integrierter Beleuchtung.

Das Wandfresko zum Eingang des früheren Standesamtes wurde leider grob zugespachtelt, der Namenszug verschwand. Vor einigen Jahren wurden die Reliefs am Haupteingang gesäubert, das Portal selber ist im Originalzustand erhalten.

Die zwei Renovierungsphasen von 1963 und 1978 dienten eher kosmetischen Neuerungen als grundlegenden Neubauten. 1978 wurde ein für die Besucher verständliches Leitsystem entwickelt, um es den Bürgern leichter zu machen, die jeweiligen Büros im verschachtelten Gebäude zu finden. Gegen Ende der 80er-Jahre wurde der Ruf nach einem Neu- oder Anbau lauter. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben. Der Berliner Architekt Axel Schultes, der den Auftrag für das Bundeskanzleramt erhalten hatte, ging als Sieger daraus hervor.

Da dieser Neubau entlang der Hauptstraße bis hinunter zur Ecke Bahnhofstraße reichen sollte, wirkte er sehr dominant. Die Wellen der öffentlichen Meinung schlugen hoch. In einem Bürgerentscheid wurde der Anbau verworfen. Der Schultes-Entwurf war von großer Eleganz und hätte der Stadt Witten ein sehenswertes Gebäude beschert. Stattdessen entstand auf dem unteren Marktplatz kurz danach der bis heute ebenso umstrittene Celestian-Bau.

In Abständen von 20 Jahren scheint das Rathaus regelmäßig nach Veränderungen zu rufen. Gegenwärtig dreht sich alles um die anstehende Instandsetzung sämtlicher Bauteile. Eine gewaltige Aufgabe für die Stadt, nicht nur finanziell, auch parteipolitisch, konservatorisch, energetisch. Der neue Denkmalspfleger und das Planungsamt stehen vor großen Herausforderungen. Wie soll der Spagat zwischen Restaurierung, Erneuerung, technischer Bewältigung der Energie-Effizienz, der Verlegung neuer Kommunikationsanlagen, der Freilegung künstlerischer Werke bewältigt werden? Zwischen gewachsenem historischem Bewusstsein und den Anforderungen der modernsten Technik liegen nicht nur ideologische, sondern auch finanzielle Welten. Die Denkmalspflege verlangt, mindestens einen Teil der übermalten Deckengemälde im Sitzungssaal und im Foyer freizulegen. Das sollte bei den heute veranschlagten Summen von über 22 Millionen Euro kein zu großer Betrag sein.
Die Planungen laufen auf Hochtouren. Das Rathaus geht mit seiner unruhigen Geschichte in eine neue Phase der erwartungsvollen Unwägbarkeiten. Wie kann die Renovierung gelingen? In 20 Jahren wissen wir mehr.

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