Stadtmagazin Witten: Gesundheit und Wellness

Bin ich schön?

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Im Auge des Betrachters

Gesichtsmasken und Haarkuren, Make-up, Fasten, Joggen … Wir stecken viel Zeit und Mühen in unser Aussehen. Doch was ist Schönheit überhaupt? Inwiefern unterscheidet sich ein attraktiver Mensch von einem weniger attraktiven? Gelten die klassischen ästhetischen Ideale überhaupt noch? Wie wirken sich die modernen Medien auf unsere Vorlieben aus? Welchen Einfluss nimmt die Evolutionsbiologie? Und kann Schönheit tatsächlich auch von innen kommen?

Über Geschmack lässt sich streiten, erst recht weltweit: So finden sich in unterschiedlichen Kulturen und Zeitaltern ganz unterschiedliche Schönheitskriterien. Was in Europa angesagt ist, kann in Asien oder Afrika für Befremden sorgen – und andersherum. Man denke etwa an bestimmte Volksstämme, die ihre Körper mit extremen Tätowierungen oder riesigen Nasenringen ›verzieren‹. Im Barock galten weibliche XXL-Kurven als Statussymbol, heute stehen die Zeichen dagegen eher auf superschlank – zumindest in den wohlhabenden, durch Modeindustrie und TV-Werbung geprägten Gefilden des mittleren Westens. In ärmeren Ländern wird das ›rubeneske‹ Hüftgold noch immer als Zeichen für Wohlstand, Gesundheit und Fruchtbarkeit geschätzt. Kate Moss mit ihren knabenhaften Hüften würde dort wohl kaum die Blicke auf sich ziehen.

Gleichwohl existieren aber auch einige kulturübergreifende Schönheitsmerkmale, allen voran frische Haut und gesundes, volles Haar. Frauen gefallen auf dem gesamten Globus durch – Überraschung – große, runde Augen, kleine Stupsnasen und volle Lippen. Dass solche dem ›Kindchenschema‹ entsprechenden Eigenschaften die Hormone des Mannes gehörig in Wallung bringen, wird von Forschern biologisch erklärt: Jüngere Frauen sind länger fruchtbar und können mehr Nachwuchs gebären. Die Damen, so heißt es, bevorzugen bei ihrem männlichen Partner hingegen ein kantiges (weil durchsetzungsstarkes?) Kinn und einen kräftigen Kiefer. Darüber hinaus zeigen Experimente, dass vornehmlich durchschnittliche und symmetrische Gesichter im Allgemeinen als attraktiv beurteilt werden: Je mehr sich beide Gesichtshälften ähneln, desto ›schöner‹ ist Mann oder Frau.

Nun lässt sich Schönheit aber natürlich nicht wissenschaftlich messen, geschweige denn in eine Formel pressen. Denn unabhängig davon, wie wir biologisch ticken, hat jeder Mensch ein individuelles, durch persönliche Erlebnisse geprägtes Schönheitsempfinden. Und das ist auch gut so! Wer die erste große Liebe mit einer Hakennase, schiefen Zähnen oder Segelohren verbindet, kann solche Attribute unbewusst auch an zukünftigen Bekanntschaften mögen. Fragt man Maler oder Fotografen, ist es gerade der kleine Makel, der ein Gesicht erst lebendig und spannend gestaltet. Perfekt ist eben oft auch ein bisschen langweilig. Oder es jagt den Unperfekten Angst ein. Mal ehrlich: Würden Sie George Clooney oder Angelina Jolie spontan auf einen Kaffee einladen?
Bei Letzteren kommt dazu, dass sie nicht nur schön, sondern auch ausgesprochen erfolgreich sind, was Experten zufolge irgendwie zusammenhängt. Untersuchungen belegen, dass ein Mensch umso positiver (= zufriedener, selbstsicherer, intelligenter, geselliger, fleißiger) eingeschätzt wird, je attraktiver er aussieht. Ob beim Bewerbungsgespräch, im mündlichen Examen oder an der Bar: Schöne Menschen haben es in vielen Situationen leichter, heißt es. Zum Glück ist schön aber eben nicht gleich schön. Vieles liegt im Auge des Betrachters, und manches können wir selbst beeinflussen – wenn wir das wollen. Darüber hinaus kommt wahre Schönheit tatsächlich auch von innen: Ein strahlendes, einnehmendes Lächeln und leuchtende Augen machen sympathisch – und somit schön.

Weiß wie Schnee ...

... rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz – so sah unser Schneewittchen aus, das zum Leidwesen der bösen Schwiegermutter bald zur Schönsten im ganzen Land avancierte. Ob die holde Maid es auch heute mit diesen Attributen zum Krönchen bei diversen Beauty-Contests bringen würde? Wir wissen es nicht.

Zumindest im Mittelalter war der blasse, schneegleiche Teint unserer Märchenprinzessin hoch angesehen: als Sinnbild von Reinheit und Unschuld, aber nicht zuletzt auch Zeichen von Wohlstand und Adel. Die kernige Bauerstochter mit roten Wangen und sonnengebräunter Haut vermochte hingegen weniger zu punkten. Dies sollte sich erst Mitte des 20. Jahrhunderts ändern. War es vormals ein Zeichen von Luxus, heiße Sommertage träge auf der Chaiselongue im abgedunkelten Boudoir liegend verbringen zu können, so hieß es in den 50er-Jahren: Rauf auf die Vespa, O sole mio – Italien ich komme. Wer es sich leisten konnte, reiste so oft wie möglich in den sonnigen Süden, um im Anschluss stolz den gebräunten Teint zu präsentieren. Im Laufe der Zeit nahm dieser Trend immer absurdere Ausmaße an. Heute wissen wir, dass die Sonnenbankbräune XXL auch ihre Schattenseiten hat, den Hautalterungsprozess und nicht zuletzt auch das Hautkrebsrisiko immens erhöht. Und so ist auch bei den Beautytrends inzwischen eher eine leichtere, gesunde Bräune angesagt: Weniger ist mehr!

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen