Stadtmagazin Witten: Sport und Freizeit

Abenteuer ›Freeriding‹

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Über Stock und Stein

Blätter fliegen und Schlamm spritzt in alle Richtungen, als sich Aarons Dirt-Bike nach einem eleganten Satz von der Schanze mit anschließender Vollbremsung in den matschigen Waldboden gräbt. Nur wenige Sekunden später kommt Kumpel Jonas den Hang hinab gesaust. Ein waghalsiger Anblick, bei dem unbedarften Zuschauern das Herz in die Hose rutscht – zum Glück tragen die beiden 11- und 14-jährigen Jungs Helm und Knieschoner. »Wir haben uns schon oft lang gemacht, aber außer ein paar blauen Flecken ist nichts passiert«, grinst Aaron.

Seit die Freunde auf dem Gelände an der Bockkampstraße ihren eigenen Bikepark errichtet haben, dient das Waldstück als beliebter Treffpunkt und Trainingsplatz für jugendliche BMX-Fans. Von den bis zu dreißig Hobby-Freeridern, die sich hier in den letzten Sommerferien tummelten, gibt es heute nur den harten Kern zu sehen. »Bei Nässe und Schneematsch legt man sich halt schneller auf die Nase«, weiß Jonas und zuckt mit den Schultern, »aber das stecken wir weg. Außerdem fällt man im Schnee ja auch recht weich.« Vier selbstgebaute Sprungstrecken schlängeln sich derzeit durch den Wald am Rande des Muttentals. Beim ›Tricks-Parcours‹ handelt es sich um eine relativ ebenerdige Anfängerstrecke, »ideal für Einsteiger und um die verschiedenen Stunts zu üben.« ›Double M‹ heißt die mit ›North Shores‹ (Holzstegen) und ›Drops‹ (kleinen Sprüngen) ausgestattete Freeride-Strecke. Für Fortgeschrittene gibt es einen extrem abschüssigen Parcours namens    ›Downhill JA‹. Noch im Aufbau befindet sich die ›North Shore‹-Strecke mit zahlreichen Holzrampen, die wegen der Nässe teils mit Maschendraht überzogen werden – für den besseren ›Grip‹. Als Höhepunkt ist ein 2 Meter hoher Absprung geplant. »Die Konstruktion war so gut wie fertig, aber einigen Nachbarn ein Dorn im Auge, jetzt müssen wir alles neu machen«, bedauert Aaron.

Wenn sie 16 sind, wollen die jungen Wittener richtige Conteste fahren. Bis dahin heißt es üben, üben, üben: ›Cross-Ups‹, ›X-Ups‹, ›Whips‹ und andere Manöver, die meist in der Luft bei hoher Geschwindigkeit stattfinden und für Außenstehende ziemlich riskant wirken. »Aber niemals ohne Schutzausrüstung!«, beteuern die Nachwuchssportler. So viel Vernunft muss sein – Aaron kann mit seinem speziell gefederten Dirt-Bike von einer 1 Meter hohen Rampe immerhin 3 Meter weit springen. Jonas fährt ein Freeride-Bike, super für schnelle ›Downhills‹. Doch erst einmal müssen die begonnenen Strecken fertig werden. »Wir suchen dringend Leute, die uns beim Bau helfen und mitfahren wollen! Auch Anfänger können sich gerne melden, wir zeigen euch wie es geht!«

Für Normalsterbliche:
Das kleine Alphabet des Freeride-Sports

Freeride: Das technisch anspruchsvolle Fahren auf einem Mountainbike. Kann steile Bergab-Passagen, Sprünge von bis zu zehn Metern und sportliche Manöver enthalten. Die Geburtsstätte des Freeridens liegt in Kanada an der so genannten North Shore.
Downhill: Steile Abfahrt, die im Wettkampf in möglichst kurzer Zeit bewältigt werden muss.
North Shore-Trails: Befahrbare Holzkonstruktionen, die in einer Höhe von bis zu 4 Metern angebracht sein können. Benannt nach den kanadischen North Shore Mountains.

Drop:
Kleiner Sprung mit gerader Anfahrt, die zum freien Fall überleitet.

Road Gap:
Hoher Absprung

Whip:
Cooler Einsteigertrick. Durch das Fahren einer leichten Kurve direkt vor dem Absprung dreht sich der Hinterbau, während das Vorderrad in Fahrtrichtung bleibt.

Cross-Up:
Der Lenker wird während des Fluges um 90 Grad gedreht.

X-Up:
Während des Sprungs bilden die Arme ein X.

Kontakt:
aaronleon [at] web.de

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