Stadtmagazin Witten: Termine und Veranstaltungen

Vom Rheinland über Rio bis Witten

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Wir befinden uns im Jahre 2010 n. Chr. Ganz Germanien ist von Narren besetzt ... Ganz Germanien? Nein! Ein von unbeugsamen Ruhrstädtern bevölkertes Örtchen hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Kurz gesagt: Der Wittener als solcher hat mit Karneval eigentlich so gar nichts an der Narrenkappe. Das heißt, Moment mal, da gibt es doch … Richtig! In manchen Stadtteilen wird verzweifelten Jecken Asyl gewährt. Herbede Helau, Stockum Helau, Werk°Stadt RatzFatz – wer suchet, der findet. Wir stellen Ihnen heute einige karnevalistische Enklaven vor und erzählen das ein oder andere interessante Detail zur fünften Jahreszeit. Büttenmarsch!

Die Ursprünge

Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor 5000 Jahren in allen großen Kulturen des Mittelmeerraumes gefeiert, wie z.B. die ›Saturnalien‹ im alten Rom. Das Fest war verbunden mit farbenprächtigen Umzügen und einem öffentlichen Gelage. Dabei war es üblich, dass sich die Feiernden mit kleinen Rosen überschütteten – aus diesem Usus könnte unser Konfetti entstanden sein. Andere Bräuche gehen auf den keltischen Ritus zurück, der darauf abzielte, den Wechsel von der Winter- in die Sommerzeit durch schreckliche Verkleidungen und größtmöglichen Lärm zu beschleunigen. Im mittelalterlichen Europa feierte man vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts Narrenfeste. Dabei wurden kirchliche Rituale parodiert, untere Kleriker übernahmen vorübergehend Rang und Privilegien der höheren Geistlichkeit, sogar ein Pseudopapst und ein Kinderbischof wurden gekürt. Die Kirche duldete das ›teuflische‹ Treiben als didaktisches Beispiel, um die Übermacht Gottes über das Böse zu zeigen. Das barocke Zeitalter ist berühmt für seine rauschenden Feste, die auf Schlössern und an den Fürstenhöfen mit Masken im Stile der italienischen Commedia dell'Arte gefeiert wurden. In den rheinländischen Städten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts richteten die Handwerkszünfte den Karneval im Sinne einer Straßenfastnacht aus, was dem Bürgertum der preußischen Zeit ein Dorn im Auge war. Mit der Gründung der ersten Karnevalsgesellschaften und des Festkomitees Kölner Karneval 1823 lenkte es die Veranstaltung in geregeltere Bahnen.

Andere Länder, andere Sitten

Karnevaleske Strukturen des Maskierens, Verkleidens und der ritualisierten Ausgelassenheit finden sich in allen Kulturen. Italien: Neben dem pittoresken Karneval in Venedig gibt es auch ausgesprochen rüde Sitten wie bei Turin, wo im Jahr 2005 bei einer Orangenschlacht rund 360 Tonnen Obst umhergeworfen und 164 Personen verletzt wurden. Amerika: Weltweite Berühmtheit hat der Karneval in Rio de Janeiro erlangt, der jedes Jahr hunderttausende Besucher anlockt. Auch in den Südstaaten der USA, insbesondere in New Orleans, gibt es eine ausgeprägte Karnevalstradition. Hier verwendet man die französische Bezeichnung Mardi Gras (Fetter Dienstag). Russland: Während der ›Butterwoche‹ werden traditionell große Mengen Blini (Pfannkuchen) vertilgt. Belgien: Einige Ostkantone feiern den Karnevalshöhepunkt mit einem Mittfasten-Umzug. Bekannt ist besonders der Zug der weißen Mönche in Stavelot, der seit 1449 stattfindet.
Familien-Karnevals-Sonntag mit dem
Zirkustheater RatzFatz

Fast 500 bunt fantasievoll geschminkte und kostümierte kleine Narren eroberten letztes Jahr zu Karneval die Werk°Stadt. Und auch heuer ist die gutgelaunte und nervenstarkeWerk°Stadt-Crew für den erwarteten Ansturm bestens gerüstet. Jongleure, Artistinnen, Zauberer und Gleichgewichtskünstler: Im Rahmen des Familienkarnevals präsentiert das Zirkustheater RatzFatz Ausschnitte aus seinem Programm ›RatzFatz anne Bude‹. Im Anschluss locken Partytanz, Drahtseil, Hula-Hoop-Reifen und Jonglierkeulen zu spannenden Mitmachaktionen, bevor eine spektakuläre Licht- und Feuershow kleine und große Narren gleichermaßen in ihren Bann zieht. Kreativ werden können die Kinder im Atelier und in der Holzwerkstatt gemeinsam mit den beiden Kunstpädagogen Simone Sonnentag und Eugen Leuenberger. Die Kinder können sich bei Simone Sonnentag lustige Motive ins Gesicht schminken lassen, oder sich selbst Karnevalsmasken aus Pappe passend zu den Kostümen basteln.
Gut zu wissen: Zum Entspannen und Klönen werden den Eltern frische Waffeln, Kaffee, Kuchen, Berliner und eine Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften angeboten.
Termin: 14.02., 14–18 Uhr

Ein Haus voller Narren

Wenn hunderte Nonnen, Magier, Feen, Cowboys, Indianer, Clowns, Trolle, Piraten, Gespenster und Vampire die Aula der Hardenstein-Schule erstürmen, dann ist eins klar: In Herbede sind die Jecken los!

Am 06. Februar erklingt bei der großen Prunksitzung der Katholischen Arbeiter-Bewegung (KAB) einmal mehr ein dreifaches ›Herbede Helau‹. Die Veranstaltung ist seit rund 40 Jahren ein Garant für bombige Stimmung. Die Regentschaft für die aktuelle ›Session‹ hat das Prinzenpaar Sebastian I. (Sebastian Prange) und Janine I. (Janine Bojara) inne.

»Wie immer dürfen sich die Zuschauer auf ein vielfältig gemischtes Programm mit Büttenrednern, Tanz und Gesang freuen«, verrät Organisatorin Martina Fitzke. So wird die junge Prinzengarde – bestehend aus acht Tanz-Mariechen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren – zu Ehren des Prinzenpaares das Tanzbein schwingen. Schunkellieder sollen auch das Publikum in Bewegung bringen und die Stimmung ordentlich anheizen. Ein Auftritt des beliebten Emma-Balletts darf ebenso wenig fehlen wie eine Präsentation der ›tollen Tanten‹, die  ihre Zuschauer mit einer Parodie von ›Sexbomb‹ bespaßen wollen. Michael Nagel, der im Vorjahr als ›Silberbraut‹ begeisterte, wird sich auch in dieser Session wieder in Frauenkleider hüllen und für nicht geringe Lachsalven sorgen. Darüber hinaus sind verschiedene Büttenredner eingeplant, die dem närrischen Treiben mit spitzer Zunge die Krone aufsetzen werden.

»Das gesamte dreistündige Programm wird von der KAB in Eigenregie konzipiert und einstudiert«, berichtet Martina Fitzke. »Weshalb ›nach dem Karneval‹ für uns immer auch ›vor dem Karneval‹ ist.« Bis zu 300 Zuschauer erwartet sie aus dem ganzen Umkreis. »Alle Akteure sind mit Spaß dabei. Und diese Begeisterung überträgt sich aufs Publikum!«

Termin: Große Prunksitzung der KAB; 06.02., 20 Uhr; Aula der Hardenstein-Schule

Sambatrommeln und Kamelle

De Zoch kütt! Seit vier Jahren entwickelt sich pau à peu eine weitere karnevalistische Tradition im Wittener Stadtgebiet. Die offene Ganztagsschule der Harkortschule zieht mit Maus, Mann und geschmücktem Bollerwagen die Hörder Straße entlang und sorgt für gute Stimmung und ordentlich Radau. Begleitet werden die kleinen Narren nämlich von den ›schlagfertigen‹ Barulheiros, die mit ihren Sambatrommeln für einen temperamentvollen Marschrhythmus sorgen. »Unser Rosenmontagszug stößt bei den jungen, aber auch bei den älteren Stockumern auf riesige Resonanz«, erzählt OGS-Koordinatorin Annedore Blank. »Im letzten Jahr waren rund 250 kleine und große Narren auf den Beinen und haben begeistert mitgemacht.« Das Besondere an diesem Rosenmontagszug: Kamelle einmal andersherum. Die süßen Aufmerksamkeiten werden vom Publikum geworfen, sogar vom Kirchturmfenster regnete eine leckere Ladung auf die karnevalistischen Zugvögel herab. Doch damit nicht genug der süßen Schmauserei. Im Anschluss werden alle Zugteilnehmer in der Harkortschule mit Fastnachtskrapfen (zu gut Deutsch: Berliner Ballen) sessionsgerecht gestärkt.

Termin Rosenmontag, 13 Uhr, Treffpunkt Harkortschule. Dringende Bitte an alle Zuschauer: Kamelle nicht vergessen!

Auf ein Wort
Der Name ›Fastnacht‹ lässt sich ethymologisch von den althochdeutschen Begriffen ›fasta‹ (Fastenzeit) und ›naht‹ (Nacht, Vorabend) herleiten. Ursprünglich bezeichnet er nur den Tag vor Beginn der Fastenzeit. ›Fasching‹ taucht im Hochdeutschen ab dem 13. Jahrhundert zunächst in den Formen ›vaschanc‹ und ›vaschang‹ auf. Hier ist der ›Fastenschank‹, der letzte Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit gemeint. Karneval stammt vom Mittellateinischen carne levale und kann vereinfacht mit ›Fleisch, lebe wohl!‹ übersetzt werden.

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