Stadtmagazin Witten: Dies und Das

Der Naturhof Witten – ein Herzensort

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Von Lämmern, Küken und der Wurst auf dem Brot

Lämmer blöken, Hühner gackern, eine bunte Katze räkelt sich zufrieden im Gras. Und vor dem blauen Frühlingshimmel lässt der riesige, 200 Jahre alte Maronenbaum seine Blätter rascheln.

»Wir wollen Natur erlebbar machen«

Hier an der Durchholzer Straße leben Mensch und Tier noch in harmonischem Einklang miteinander. Im Jahr 2015 erschufen Schäferin Dunja Berendsen und ihr Mann Stefan Schmitz ihren eigenen kleinen Herzensort: ein Biotop abseits des Alltagstrubels. 100 Schafe, 17 Hühner, 1 Hahn, 7 Laufenten, 2 Katzen, 4 Border Collies und 1.200 Bienen haben auf dem 2,5 Hektar großen Gelände ein artgerechtes Zuhause gefunden. Hauptaufgabe des ›Naturhof Witten‹ ist aktiver Naturschutz durch die Zucht vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen und die Bereitstellung ökologischer Lebensräume. »Daneben wollen wir Natur durch unseren gemeinnützigen Verein ›Natur ist Zukunft e.V.‹ und zahlreiche altersgerechte Projekte auch für Besucher erlebbar machen«, so Dunja Berendsen.

Wo das Ei herkommt

Welche Tierarten leben auf einer Streuobstwiese? Wie wird Apfelsaft gemacht? Warum wäre der Schäfer ohne Hütehund aufgeschmissen? Was passiert mit der Wolle? Wo kommen Frühstücksei und Salami eigentlich her? »Wir sehen immer wieder, dass viele Zusammenhänge gerade für die kleineren Kinder unvorstellbar sind: etwa, dass ein Tier geschlachtet werden muss, damit wir uns Wurst aufs Brötchen legen können, oder dass Küken aus Eiern schlüpfen. In interaktiven Projekten wollen wir das Bewusstsein unserer jungen Gäste für all diese Dinge schärfen: beim gemeinsamen Anlegen einer Wildblumenwiese für die Insekten, dem Pflanzen von Obstbäumen, der Apfelernte und dem Saftpressen, bei Bastelaktionen mit Naturmaterialien oder dem Nistkastenbau. Zudem bieten wir auch Tierpatenschaften an. So lernen die Kids Respekt und Achtsamkeit gegenüber dem Leben – allein die Erfahrung, ein winziges, zerbrechliches Küken in der Hand zu halten, ist mehr wert als jede theoretische Erklärung.«

Coburger Füchse grasen am Ruhrufer

Das Thema Natur begleitet Dunja Berendsen seit ihrer Jugend. Schon als junges Mädchen half sie der Oma im Gemüsegarten, liebte es, zwischen Kaninchen und Hühnern auf der Wiese zu sitzen. »Das war für mich damals das Paradies. Heute können wir diese Nähe unseren eigenen Kindern sowie zahlreichen Kita-Gruppen, Schulklassen und natürlich den Vereinsmitgliedern ermöglichen. Es macht einfach Freude, die Leidenschaft mit Gleichgesinnten zu teilen!« Dabei ist die Naturexpertin ursprünglich gelernte Bürokauffrau. »Alles begann vor zehn Jahren mit drei Flaschenlämmern – zu der Zeit haben wir noch in Hattingen gewohnt. Inzwischen beherbergen wir 100 Schafe.« Wobei nur eine Handvoll der ›Coburger Füchse‹, so der Name der seltenen Rasse mit dem goldbraunen Fell, direkt vor Ort auf dem Naturhof in Durchholz untergebracht sind. 70 Tiere grasen derzeit auf dem Lohmann-Gelände am Ruhrufer und betreiben dort ökologische Landschaftspflege.

Wollige ›Landschaftsgärtner‹

»Die Schafe fressen invasive, nicht-heimische Pflanzen wie zum Beispiel den Bärenklau und helfen so der heimischen Natur, sich zu behaupten. Darüber hinaus sind gerade Streuobstwiesen, die durch Schafe beweidet werden, besonders gut geeignet, um den selten gewordenen Steinkauz wieder anzusiedeln.« Die jüngsten Mitglieder ihrer Herde sind gerade einmal wenige Tage alt. Dunja Berendsen hat sie selbst auf die Welt geholt. Um ihren Schafsmüttern bei der Geburt beizustehen, ist sie jetzt im Mai regelmäßig bei Nacht und Nebel auf den Beinen. »Jedes Mal einen Tierarzt kommen zu lassen, wäre wirtschaftlich nicht machbar. Und ich könnte es auch gar nicht ertragen, tatenlos daneben zu sitzen. Für mich sind meine Schafe eben nicht nur ein Geschäft – für eine rentable Zucht müsste man ohnehin mindestens 1.000 Tiere halten – sondern vor allem eine Herzenssache!«

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