Stadtmagazin Witten: Sport und Freizeit

Ein Leben für den Sport

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Turnen – da denken wir doch spontan an Ringe und Reck, an Schwebebalken und Stufenbarren, an Konzentration, Disziplin und extreme Körperbeherrschung. Doch jetzt, im Gespräch mit Ute und Peter Dekowski erleben wir vor allem eines: Begeisterung pur. Die Funken sprühen nur so, wenn die zwei erzählen: von ihrer Liebe zu und ihrem Leben mit dem Turnsport. Unzählige Erinnerungen laufen, springen, hüpfen und schwingen durch den Raum. Erinnerungen an die ersten eigenen Begegnungen mit Turngeräten, an Trainingseinheiten und Wettkämpfe, an zahlreiche Erfolge auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene – insbesondere aber an die vielen, vielen Kinder und Jugendlichen, die die beiden als Trainer und Trainerin betreuten beziehungsweise nach wie vor unter ihren bewegungsfreudigen Fittichen haben.

Gemeinschaft und Freude

Kennengelernt haben sie sich vor rund 50 Jahren. Wo? Im Turnverein, wie soll es anders sein. Damals stand der 13-jährigen Ute der fünf Jahre ältere Peter als Jugendtrainer zur Seite. Irgendwann kam eins zum andern, erwuchs aus der Liebe zum Sport die Liebe zueinander – wobei die gemeinsame Begeisterung für das Turnen wohl von Beginn an eine wesentliche Basis darstellte. »Wir haben immer geturnt«, lächelt Ute Dekowski, »in der Halle oder draußen an der Ruhr. »O ja«, nickt Peter Dekowski, »Sport war für uns immer etwas Besonderes, es ist der Ausdruck von Gemeinschaft und von Freude!« »Und die haben wir heute noch«, so Ute Dekowski, »diese Freude von damals ist so lebendig wie eh und je.«

›Papst‹ Peter und Gattin Ute

Konsequenterweise war das Turnen die ganzen Jahre hindurch aus ihrem Leben nicht ansatzweise wegzudenken. Für Peter Dekowski stand beispielsweise schon als junger Mann schnell fest, dass auch der berufliche Weg eine dementsprechende Richtung nehmen müsse. So war er nicht nur Sport-, Kunst- und Biologielehrer, sondern ab 1979 bei der Sportverwaltung (Gelsensport) der Stadt Gelsenkirchen tätig: als Funktionär und Organisator von zahlreichen Turnieren und sogar Europa- und Weltmeisterschaften, als koordinierender Ansprechpartner für Vereine, als Förderer und Unterstützer des Breiten- und Leistungs-, Jugend- und Behindertensports. Nicht zu vergessen das ehrenamtliche Engagement im heimischen Turnverein wie auch im regionalen Verband. Bald hatte der über alle Maßen agile Wittener seinen Spitznamen weg: der Turnpapst. Und was machte seine Gattin? Ja, dieser besagte Papst Peter hat nun mal eine Ehefrau, und fest steht wohl, dass ohne sie sein Wirken in dieser Dimension kaum möglich (gewesen) wäre. Wer nun aber meint, Ute Dekowski hätte lediglich Trikots gewaschen und Turnierbütterchen geschmiert, liegt völlig daneben. Auch sie turnte und turnte und turnte. Auch sie absolvierte ihren Übungsleiter- und Trainerschein, auch sie übernahm wie er bei der DJK BW Annen, später der ATS und nun beim TuS Stockum einen eigenen Leistungsbereich. Seit Jahren, besser gesagt seit Jahrzehnten bringen sich also Ute und Peter Dekowski gemeinschaftlich und dabei eigenständig für den turnerischen Nachwuchs ein.

Es geht um mehr als Spiel und Spaß

»Wir wollen die Kinder fördern, wollen ihnen dabei helfen, sich weiter zu entwickeln«, berichtet Ute Dekowski. »Dabei geht es uns als erfahrenen Trainern und Wettkampfturnern um weit mehr als nur Spaß und Spiel – so wichtig diese Komponenten natürlich sind. Wir aber verlangen etwas von den jungen Menschen. Einmal körperlich: Es geht um Grundlagen wie Dehnen, Kraft und Ausdauer. Es geht aber auch darum, sich in die Gemeinschaft einzufügen, sich auf Wettkämpfe vorzubereiten, es geht um Konzentration und Motivation, darum wie man sich in der Gruppe verhält, wie man aber auch seine eigenen Fähigkeiten einschätzen und ausbauen kann. Dabei müssen die Kinder ebenfalls durchaus lernen, verlieren zu können – und daraus vielleicht sogar neue Stärken zu ziehen.« Peter Dekowski: »Ja, ab und zu müssen wir schon Grenzen ziehen, müssen – in einem guten, gesunden Maß – einen gewissen Druck erzeugen. Schließlich ist Turnen eine Individualsportart: Ich muss mich allein durchsetzen, muss zeigen, dass ich das kann. Doch das sich daraus entwickelnde Durchsetzungsvermögen ist enorm bedeutsam, nicht nur im Sport, im Verein oder in der Schule. Es ist ein Grundwert fürs Leben.« »Dabei vergessen wir aber nie, menschlich zu bleiben, es steht immer das Kind im Vordergrund«, ergänzt seine Frau.

Respekt, Selbstbewusstsein und Einfühlungsvermögen

Wichtig ist beiden daher bei allem Ehrgeiz, behutsam und mit Bedacht vorzugehen. »Man kann jeden Menschen irgendwo hinführen, es darf aber nicht heißen ›du musst, du musst, du musst‹. Darüber hinaus turnen wir sehr körperschonend«, betont Peter Dekowski. »Hier haben wir heute ganz andere Hilfsmittel als wir damals. Doch auch Aspekte wie Umgangsformen und Respekt spielen eine große Rolle. Mit Erfolg: Wir sehen immer wieder, wie die Größeren sich um die Kleineren kümmern. Überhaupt sind wir sehr daran interessiert, Jungen und Mädchen möglichst schnell in die Übungsleiter- und Helferposition zu bringen. Davon profitieren sie selbst ungemein, sie gewinnen an Selbstbewusstsein und Einfühlungsvermögen. Und insbesondere Kinder, die sportlich eventuell nicht ganz so mithalten können, finden hier eine für sie spannende Aufgabe und Bestätigung. Aber daneben ist es natürlich für uns ausgesprochen schön zu wissen, dass sie unsere Arbeit in unserem Sinne weiterführen.«

Qualität und Optimierung der Turngeräte

Was hat sich verändert in den vergangenen fünfzig Jahren, fragen wir. »Das Geräteturnen ist nach wie vor eine wunderbare, körperlich sehr anspruchsvolle Sportart, leider verliert es seit einiger Zeit gegenüber Fußball & Co. an Wahrnehmung«, bedauert Peter Dekowski. »Dabei hat sich hinsichtlich der Geräte einiges getan, die Qualität hat sich enorm verbessert. Und nicht umsonst schicken viele Ärzte ihre eigenen Sprösslinge in den Turnunterricht, schließlich wissen sie um die großen Vorteile ›unseres‹ Sports: Förderung von Koordinationsfähigkeit, körperlicher Fitness und sogar Intelligenz. Was sich allerdings so gar nicht verändert hat, ist die Begeisterung, mit der unsere Schützlinge dabei sind – heute wie damals. Viele, die wir nach Jahren wiedertreffen, sagen: Uns war die Zeit mit euch so viel wert, die Unternehmungen und Fahrten, aber auch das Training selbst. Das kann uns keiner nehmen!« Ute Dekowski: »Und uns auch nicht!«

Informationen über Sportangebote und Trainingszeiten des TuS Stockum finden sich unter: tus-witten-stockum.de

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