Stadtmagazin Lünen: Kulinarische Reise

Schnaps – ein geistreiches Gesöff

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›Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort‹, so sang Willy Millowitsch schon 1960. Tatsächlich mag manch armer Tropf nach dem Genuss seines hochprozentigen Schlummertrunks frühzeitige Bekanntschaft mit den Engeln im Himmel gemacht haben.

Ursprünglich stammt das umgangssprachliche Wort ›Schnaps‹ übrigens aus dem Niederdeutschen und ist verwandt mit dem Verb ›schnappen‹, was wohl darauf anspielt, dass Spirituosen für gewöhnlich in einem schnellen Schluck aus einem kleinen Glas – Pinnchen – ›geschnappt‹ werden. Der Begriff Spirituose (lat. spiritus = Geist) hingegen bezieht sich eher auf die berauschende Wirkung von Weinbrand, Wodka, Whisky und Co. Edle Destillate eröffnen dem geübten Gaumen heute ein wahres Universum des feinen Geschmacks.

Wir begaben uns auf die Spur des klaren Elixiers und könnten jetzt ganze Romane schreiben: über die alten Ägypter, Griechen und Römer (denen ging es interessanterweise eher um die Herstellung von Medikamenten, Parfüms oder Kosmetika) oder über den legendären Arzt Paracelsus (auch er setzte das Alkoholkonzentrat, den sogenannten Branntwein, als Heilmittel ein). Aus jener Zeit stammt wahrscheinlich auch die lateinische Bezeichnung ›Aqua Vita‹ (= ›Lebenswasser‹), von der sich der Name des nordischen Kümmelschnapses Aquavit sowie die Bezeichnung ›Eau de Vie‹ für die französischen Obst- und Tresterbrände ableitet. Wir könnten des Weiteren berichten von bäuerlichen Destillerien, von Schnaps als Mutmachdroge, die Soldaten vor Schlachtbeginn eingeflößt wurde, von der Prohibition in den USA und Al Capone ...
Doch genug der Theorie, widmen wir uns der Praxis. Dieses Mal haben wir ausschließlich in alten Annalen gewühlt und verraten an dieser Stelle echte, ausgiebigst erprobte Familienrezepte. Wir wünschen gutes Gelingen und gutes Genießen: Stößchen!

Klötenköm (Eierlikör)

1/4 l Vollmilch
1/8 l Sahne
150 g Puderzucker
1 Pck. Vanillezucker
1 Vanilleschote
8 Eigelb
1/4 l Weißer Rum

Milch, Sahne, Puderzucker und Vanillezucker in einen Topf geben, das Mark der ausgeschabten Vanilleschote hinzufügen, alles verrühren, aufkochen und dann abkühlen lassen. Nun wird die Masse schaumig geschlagen, anschließend durch ein Haarsieb passiert. Die Eier vermengen und portionsweise das Milch-Sahne-Gemisch unter ständigem Rühren verquirlen. Schließlich den Rum dazugeben und alles gründlich vermischen.

Bilgenwasser

0,75 l Wodka
30 Salmiak-Lakrizbonbons (Wir empfehlen die Variante ›Türkisch Pfeffer‹ oder dänische Salmiakbonbons, es dürfen auf jeden Fall etwas schärfere ›Bömsken‹ sein)
ca. 100 g Braunen Kandis
1 getr. Chilischote

Eine verschließbare Karaffe oder Flasche mit Wodka und den Lakrizbonbons füllen, Kandis hinzugeben. Das Behältnis nun regelmäßig schütteln, bis sich alle Bestandteile vollständig aufgelöst haben, das kann durchaus einige Stunden in Anspruch nehmen. Wer es scharf mag, fügt noch die Chilischote hinzu.

Ommi Miechens Rumtopf

1 l Rum
ca. 400 g Zucker
Obst, noch mehr Obst, noch mehr Rum, noch mehr Zucker

Zugegeben, Ommi Miechen setzte ihren legendären Rumtopf bereits im späten Frühjahr an. Erdbeeren – je nachdem, wie viel die Familie bei benachbarten Bauern pflücken konnte – machten den Beginn und wurden mit Rum und Zucker in einem großen Keramiktopf gefüllt, wo sie an dunkler Stelle im Keller vor sich hingärten. Doch erstens schmeckt das Endergebnis auch hervorragend, wenn wir saisonaltechnisch mit anderen Fruchtsorten etwas später starten, und zweitens sind wir heute hier doch sehr verwöhnt und können nahezu das ganze Jahr über auf alle Obstarten zurückgreifen. Wir empfehlen dennoch, möglichst regionale Produkte zu verwenden, konsequenterweise je nach Erntezeit. Prinzipiell lässt sich fast jede Frucht einsetzen: Aprikosen, Pfirsiche, Birnen, Ananas, Pflaumen, Äpfel und, und, und
Unser Tipp: Geben Sie circa einmal pro Monat ein Pfund (gesäubertes, bei Bedarf entkerntes und je nach Größe kleingeschnittenes) Obst in den Bottich, bestreuen es mit gut 100 g Zucker und füllen so viel Rum auf, dass er das Ganze knapp bedeckt. Alles immer wieder gut vermengen. Nach einem knappen halben Jahr ist der Rumtopf zum Verzehr geeignet und bietet übrigens eine hervorragende Ergänzung zu Waffeln und/oder Eis.

Pflümli

1 kg Pflaumen
0,75 l Doppelkorn
750 g Kandis

Die Pflaumen waschen, entkernen und in kleine Stücke schneiden. Korn und Kandis hinzugeben und alles bei kleiner Flamme behutsam erwärmen. Es darf auf keinen Fall kochen! Wenn sich der Kandis vollständig aufgelöst hat, die Flüssigkeit zugedeckt an dunklem, kühlen Ort einige Tage ziehen lassen. Schließlich den Aufgesetzten durch ein Sieb in eine Flasche passieren – das war’s auch schon!

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