Stadtmagazin Lünen: In der Stadt

Im Interview: Jürgen Kleine-Frauns

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Der Bürgermeister verrät, warum er Pommes liebt, wie er sich eine Weltreise vorstellt und mit wem er gern eine Runde joggen würde

Ein Date mit dem Bürgermeister! Bislang kenne ich Jürgen Kleine-Frauns nur von Wahlplakaten und aus diversen Medienberichten. Heute stehe ich dem Rathaus-Chef erstmals persönlich gegenüber. Der Termin ist nicht ganz ideal – die Vorbereitungen für die abendliche Feier zum 675. Jubiläum liegen in den letzten Zügen. Doch von Hektik keine Spur. Die ›Pressetante‹ wird freundlich empfangen und bekommt erst einmal eine Tasse Kaffee. So viel Zeit muss sein.

Hallo Herr Kleine-Frauns. Als Politiker stehen Sie oft im Mittelpunkt. Wir möchten gern mehr über Sie als Privatperson erfahren. Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

»Ich bin sehr zielstrebig. Aber auch ein absoluter Teamplayer: Denn die Aufgaben, die dieses Amt mit sich bringt, kann man nur zusammen schaffen.«

Was sagen Freunde über Sie, was Ihre Kritker?

»Meine Freunde loben meine Zuverlässigkeit und meinen Pragmatismus. Kritiker könnten mich ungeduldig nennen.«

Frühaufsteher oder Nachteule?

»Beides. Ich stehe um 6 Uhr auf. Und ich versuche, so zeitig ins Bett zu gehen, dass ich um 6 Uhr ausgeschlafen bin.«

Kaffee oder Tee?

»Wenn Sie sich in meinem Büro umschauen, beantwortet sich diese Frage selbst: Kaffee!«
»Ich nehme lieber Nachschlag statt Nachtisch.«

Süß oder salzig?

»Ganz klar: Salzig! Ich nehme lieber Nachschlag statt Nachtisch. Die Bonbons auf dem Tisch sind für die Gäste gedacht.«

Haben Sie ein Lieblingsessen?

»Ich liebe Pommes. Diese Leidenschaft, man könnte es auch als Laster bezeichnen, habe ich aus meiner Studienzeit in den Niederlanden mitgebracht. Allerdings bereite ich die Pommes im Airfryer zu, also ohne Fett. Das ist bei uns zu Hause ein großer Hit.«

Wo in Lünen halten Sie sich besonders gern auf?

»Ich mag die Lippeauen. Wer die offiziellen Wege verlässt und sich, selbstverständlich unter Wahrung der Anforderungen des Naturschutzes, vorsichtig an den Fluss herantastet, kann Natur hier hautnah erleben, die Vögel zwitschern und die Insekten summen hören. Entspannung pur!«

Wer oder was inspiriert Sie?

»Die Menschen! Mein Platz ist nicht vornehmlich am Schreibtisch, sondern vor Ort in den Stadtteilen. Dort ergeben sich viele Gelegenheiten zum Austausch, sei es durch zufällige Begegnungen oder im Rahmen der Bürgersprechstunden. Die Ideen und Wünsche, die dabei an mich herangetragen werden, sind meine wichtigste Inspirationsquelle – was es für mich umso schwieriger macht, wenn ich manchen Wünschen vor dem Hintergrund der finanziellen Lage der Stadt auch mal einen kleinen Dämpfer verpassen muss. Zum Glück erwarten die meisten Menschen keine ›Geschenke‹. Ihnen geht es vor allem darum, dass ihnen jemand zuhört und sich kümmert.«

»Die Ideen der Menschen sind meine Inspirationsquelle.«

Werden Sie auch von Kindern angesprochen?

Lächelt: »Ich kann keinen Schritt vor die Tür gehen, ohne dass Kinder mir irgendetwas zurufen. Übrigens nennen die Kids mich oft beim Namen. Für ihre Eltern bin ich eher der Herr Bürgermeister.«

Welche Erwartungen hatten Sie bei Ihrem Amtsantritt an den Job ›Bürgermeister‹? Haben diese sich erfüllt? Was hat Sie besonders beeindruckt?

»Ich habe mir immer vorgestellt, die Zukunft der Stadt gemeinsam mit den Menschen zu gestalten. Hier sind wir auf einem außerordentlich guten Weg: In Lünen gibt es bereits mehrere tausend Ehrenamtliche, die sich kulturell, sozial oder sportlich engagieren – das ist fantastisch! Diesen Leuten gilt mein herzlicher Dank!«

Was ist anders gelaufen?

»Unterschätzt habe ich, wie arbeitsintensiv die Aufgaben eines Bürgermeisters innerhalb der Verwaltung sind, diese machen derzeit etwa 70 Prozent meiner ­Tätigkeit aus. Ich hätte es lieber andersherum.«

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Was macht Ihnen Sorge?

»Wenn ich in zehn Jahren noch Bürgermeister sein darf, würde mich das sehr freuen. Mein Ziel ist es, trotz finanzieller Herausforderungen Spielräume zu schaffen, um Lünen für junge Familien attraktiv zu machen. Sorge bereiten mir die zahlreichen Auflagen von Bund und Land, die diesen Plänen entgegenstehen. Ich bin aber nicht bereit, Ziele zurückzunehmen. Manchmal muss man eben einen Schritt zurückgehen und einen neuen Weg einschlagen.«

»Mein Lehrer hat mir verboten, Sport zu studieren.«

Sie engagieren sich stark für den Bereich ›Schule‹. Wenn Sie an Ihre eigene Schulzeit zurückdenken: Haben Sie Ihren Lehrern das Leben schwer gemacht, oder waren Sie eher der Einserkandidat in der ersten Reihe?

»Ich war ein durchschnittlicher Schüler, habe mich aber neben dem Unterricht immer stark mit allen möglichen Themen der Geschichte und Weltpolitik beschäftigt. In diesem Sinne kann ich allen Schülern nur empfehlen, die Zeit auszukosten: In einer spezialisierten Gesellschaft wie der unseren hat man nie wieder so viel Freiraum, persönliche Interessen zu verfolgen.«

Hand aufs Herz: Hatten Sie als Kind beziehungsweise Jugendlicher nicht auch ganz ›normale‹ Hobbys?

»Ich habe viel Sport gemacht, war Fußballer, Schiedsrichter, Schwimmer, Handballer und Volleyballer – was leider diverse Knochenbrüche mit sich brachte.« Schmunzelt: »Mein Lehrer hat mir damals verboten, Sport zu studieren: Er meinte, ich würde das nicht überleben.«

Dann doch lieber Bürgermeister. Was sagen eigentlich Ihre Kinder zu Ihrer politischen Karriere?

»Meine ›Kinder‹ sind 17 und 19 Jahre alt und natürlich sehr stolz auf ihren Vater. Zudem reagieren sie extrem solidarisch, wenn zum Beispiel in den Medien kritisch über mich berichtet wird. Nach einem stressigen Tag holt mich das auf den Boden zurück und macht mir bewusst: Es zählen noch andere Dinge!«

Apropos Stress: Wie erholen Sie sich nach der Arbeit?

»Gar nicht. Erholung bedeutet für mich Schlafen. Freizeit genieße ich nur am Wochenende: im Garten mit meiner Frau, beim Grillen mit alten Freunden oder beim Radeln entlang der Lippeauen. Das Joggen ist eine weitere gute Möglichkeit, um den Kopf freizukriegen.«

Sind Sie ein Wettkampftyp?

»Konditions- und atemtechnisch könnte ich bestimmt einen Halbmarathon laufen, aber nach fünf Kilometern sagen die Knie: ›Stopp!‹ Was nicht schlimm ist, ich betreibe Sport heute eher zur Gesundheitsförderung. Allerdings nutze ich eine App, um zu kontrollieren, dass ich meine Strecke in 35 Minuten schaffe.«

»Herr Gauck, falls Sie dies lesen, können Sie mich gern anrufen.«

Mit welchem ›Promi‹ würden Sie gern einmal eine lockere Joggingrunde drehen?

»Das wäre auf jeden Fall Joachim Gauck. Nicht nur, weil mir das Tempo hoffentlich erlauben würde, während des Laufens zu reden. Der Mann versteht es, Menschen einzubinden und zusammenzuführen. Vielleicht hätte er einige gute Tipps für mich. Herr Gauck, falls Sie dies lesen, können Sie mich gern anrufen.«

Was würden Sie tun, wenn Sie ein Jahr Zeit hätten?

»Ich würde reisen, fremde Kulturen kennenlernen und etwas Bereicherndes erleben wollen. Da ich bisher nur auf unserem Kontinent unterwegs war, wären Afrika, Südamerika oder China spannende Ziele, die ich gern erkunden würde. Am liebsten mit dem Bus oder auf der Ladefläche eines Pick-up.«

Abenteuerlich …

»Ein bisschen Abenteuerlust spielt da natürlich auch mit.« Augenzwinkernd: » So alt bin ich schließlich noch nicht.«

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, was würden Sie anders machen?

»Fragen Sie mich das noch mal an meinem 70. Geburtstag.«

Abgemacht!

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