Stadtmagazin Lünen: Dies und Das

Kröten, marsch!

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Grauer Himmel, Nieselregen und für Anfang Februar an sich warme, nichtsdestotrotz recht ungemütliche acht Grad Celsius. Nicht gerade die perfekten Voraussetzungen für einen Spaziergang durch den Wald, oder? Von wegen. Schlechtes Wetter gibt es nicht, es gibt nur schlechte Kleidung. Und überhaupt: »Heute ist Amphibienwetter!«, lächelt Martina Schmidt von Boeselager, Geschäftsführerin der Waldschule Cappenberg, und erklärt: »Rein theoretisch haben wir heute die optimalen Voraussetzungen für eine Krötenwanderung. Allerdings sind die Tage noch etwas zu kurz, ein bisschen werden wir noch warten müssen.« Doch ab Mitte/Ende Februar erwachen Kröte, Grasfrosch und Feuersalamander allmählich aus ihrem Winterschlaf und machen sich in den folgenden sechs bis acht Wochen – meist in der Dämmerung – auf den Weg zu ihren Laichgebieten.

Wohin es geht, wissen die kleinen Lebewesen ganz genau: dorthin, wo auch sie das Licht der Welt erblickt haben – genau zu diesen Tümpeln und Teichen wollen sie gelangen. Allerdings birgt die Strecke so manche Tücke. Jahr für Jahr lassen Tausende Amphibien, meist Erdkröten, beim Überqueren von Straßen ihr Leben. Nicht aber in Cappenberg: Hier setzt sich das Waldschulteam mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern und Schulklassen dafür ein, dass die nötigen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. »Allein im vergangenen Jahr haben wir 5.600 Tieren über die Straße geholfen«, freut sich Martina Schmidt von Boeselager. Das Thema ›Krötenwanderung‹ begleitet die zertifizierte Waldlehrerin seit guten 25 Jahren: »Für uns steht diese Arbeit im Frühjahr regelmäßig auf dem Programm.«

Und auch in diesem Februar werden die dafür benötigten Zäune entlang der bekannten Krötenhauptverkehrsadern aufgebaut. Den Anfang machen Helen Brose und Niklas Flottmann, die zurzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei der Waldschule Cappenberg absolvieren. Versehen mit wetterfesten Schuhen und Warnweste schaufeln sie entlang der Straße eine Rinne, in der sie den Zaun verankern und zusätzlich in jeweils circa 20 Metern Abstand ebenerdig Eimer eingraben. Den Tieren wird somit der direkte Zugang zum Asphalt verwehrt: Sie marschieren also weiter entlang des Zaunes und purzeln schließlich in die Auffangeimer. Hier werden sie ein- bis zweimal am Tag von den Helfern aufgesammelt, nach Art und Geschlecht registriert und schließlich behutsam über die Straße transportiert. Von dort geht es für sie dann gefahrlos weiter Richtung Laichplatz.

»Es ist ein gehöriges Stück Arbeit«, betont Martina Schmidt von Boeselager. »Allein an dieser Kreuzung müssen mehrere hundert Meter Zaun installiert werden – dabei handelt es sich nur um eine von mehreren Amphibienrouten.« Aus diesem Grund freut sie sich auch immer über tatkräftige Unterstützung. »Wir möchten diese Arbeit nicht allein machen, wollen sie auf möglichst vielen Schultern verteilen. Dabei geht es uns nicht nur um Entlastung, sondern vor allem darum, dass die großen und kleinen Bürger ein Stück weit Verantwortung für die Umwelt übernehmen können. Cappenberg verfügt mit seinen Wäldern, Feuchtgebieten und Wiesen über eine sehr vielgestaltige Struktur. Zu dieser gesunden Landschaft gehören diese Tiere dazu – darauf können wir stolz sein. Und wir erleben immer wieder, wie glücklich unsere Helfer nach getaner Arbeit sind, wie viel sie ihnen gibt – auch unseren FÖJlern. Am Anfang empfinden sie es als anstrengend, doch sehr schnell merken sie: Das bringt was. Jedes Jahr sehen wir dann dieses Leuchten in ihren Augen, weil sie so viele Tiere retten konnten. Es ist für sie ein wunderschönes und nachhaltiges Erlebnis.«

30 Jahre Waldschule Cappenberg    
Cappenwichtel, Waldkobolde, -strolche und -zwerge oder flinke Hasen … So heißen die 15 Kindergruppen, die wöchentlich bei der Waldschule Cappenberg das Erlebnis Natur erfahren. Klein und Groß, Kinder, Eltern und Großeltern freuen sich Jahr für Jahr über ein waldpädagogisches Repertoire mit Spaßfaktor: Schnecken sammeln, Baumklettern, Bogenschießen, Dunkelwanderungen, Motorsägekurse, Rallyes oder Schnitzeljagden. Dieses Jahr feiert die Waldschule Cappenberg ihr 30-jähriges Bestehen. Passend dazu stehen neben dem üblichen, breit gefächerten Angebot 30 Jubiläumsveranstaltungen für Menschen von anderthalb bis 99 Jahren auf dem Programm.
Weitere Informationen finden sich unter: www.waldschulecappenberg.de

Wichtig!
Sollten Sie bei einem Spaziergang an Amphibienzäunen vorbeikommen, so belassen Sie bitte die Tiere im Eimer. Sie werden vom Waldschulteam regelmäßig gezählt und bezüglich Art sowie Geschlecht bestimmt.
 

Die nächsten Termine

  • 20.03. · 14–16 Uhr
    ›Keine Blätter, keine Früchte! Bäume imWinterkleid erkennen leicht gemacht‹
    Blätter und Früchte von Eiche, Buche und Ahorn kennt man ja? Aber können Sie die Bäume auch ohne Blätter voneinander unterscheiden? Heute lernen Sie, die häufigsten Baumarten unserer Wälder auch im Winter sicher zu erkennen. Anmeldung bis zum 14. März.
  • 22.03. · 10 + 13.30 Uhr
    Für Kids: Baumklettern am Vormittag wie die Profis bis in die Krone einer uralten Eiche
    Endlich Ferien – und sofort kann es hoch hinausgehen. Mit fachkundiger Unterstützung lernt ihr alles, was ihr beim Baumklettern beherrschen müsst. Gut gesichert kann der Spaß dann losgehen. Ihr zieht euch lediglich feste Schuhe und robuste körperbedeckende Kleidung an und bringt Lust, gute Laune und ein Waldpicknick mit. Anmeldung bis zum 17. März.
  • 25.03. · 16 Uhr
    Große Oster-Übernachtungsaktion für Eltern und Kids von 5–11
    Basteln, Dämmerwanderung, Abendessen am Lagerfeuer, Kino, Übernachtung und Frühstück. Anmeldung bis zum 21. März.

Ohne Moos nix los
Auch Sie können die Arbeit der Waldschule Cappenberg als Sponsor unterstützen. Weitere Informationen erhalten Sie unter Tel. 0 23 06 / 5 35 41

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