Stadtmagazin Lünen: Editorial

Editorial 12.2015

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.
Lukas 2,14

Nie verdichtet sich die Zeit mehr als kurz vor Weihnachten. Wir möchten so viel, oft zu viel hineinpacken. Alles will erledigt, eingekauft und bereitet werden und dazu soll es bitte schön auch sehr gemütlich und beschaulich sein. Dazu gibt es besonders viele Einladungen und Besuch hat sich auch angemeldet. Das alles soll möglichst mit Ruhe und Besinnlichkeit unter einen Hut gebracht werden. Empfehlungen gibt es da viele, doch ohne Abstriche hier und da geht’s nicht, das ist keine große mathematische Angelegenheit. An einigen Stellen muss dann auch mal Nein gesagt werden. Zudem ist gerade diese Jahreszeit so vergangenheitsorientiert wie keine andere. Bestimmte Rituale und Traditionen sollen unbedingt immer im gleichen Ablauf zelebriert werden. So beispielsweise das Essen am Heiligen Abend. Eine Freundin verriet mir kürzlich, dass seit eh und je Schlesische Weißwurst das unbedingte Muss in ihrer Familie gewesen sei. Erst im letzten Jahr haben sich die Familienmitglieder getraut, einander zu gestehen, dass sie diese ›heilige Spezialität‹ überhaupt nicht mochten. Nach Jahrzehnten des Schweigens gibt es nun in diesem Jahr erstmalig etwas anderes, etwas, das allen schmeckt. Es ist also von nicht geringem Vorteil, wenn man gemeinsam den Ablauf und alles, was zum Fest gehört, offen und ehrlich bespricht – und die Aufgaben gerecht untereinander verteilt, denn leider können wir uns nicht auf die Fiktion ›Weihnachtsmann‹ berufen.

Welche Riten und Gebräuche auch immer bei Ihnen ein gelungenes Weihnachten und ein fröhliches Silvester ausmachen, die Zeit dazwischen können wir nutzen, das alte Jahr zu reflektieren und dann zu verabschieden, um das neue erwartungsvoll willkommen zu heißen.

In diesem Jahr hat sich einiges getan, vieles verändert, was uns sorgt und ängstigt. Am ›Tag nach Paris‹ fragte mich jemand: »Wie kann dein Gott das zulassen?« Nun, erstens ist es nicht mein Gott, sondern unser aller Gott, und zweitens hat nicht Gott diesen furchtbaren Schrecken, das Massaker produziert, sondern Menschen – wie schon seit Jahrtausenden. Gott hat uns einen freien Geist gegeben, wir Menschen sind voll und ganz verantwortlich für unser Tun.

Versuchen Sie, gerade auch in dieser Zeit das Gute zu sehen. Davon gibt es nämlich viel mehr. Das unbegreiflich Böse drängt sich nur exzessiv in den Vordergrund und belastet umso stärker, je näher es rückt.

Von Herzen wünsche ich Ihnen eine friedliche Zeit (und ein Essen, das nicht nur der Tradition geschuldet ist, sondern Ihnen auch richtig gut schmeckt).

Correctum-Verlag
E. Killing-Overhoff

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen