Stadtmagazin Lünen: Dies und Das

›Mein Lieblingsgericht‹

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Kunst und Kulinarik im Klassenzimmer

Milchreis, Spaghetti bolognese, Pommes rot-weiß ... Solche Klassiker lassen wohl jedem Kind (und auch manchem Erwachsenen) das Wasser im Munde zusammenlaufen. Doch wo kommt das Essen auf unseren Tellern eigentlich her? Aus welchen Rohstoffen besteht es, wie wird es zubereitet?

Tasten, riechen, schmecken, hören
Das Kunstprojekt ›Mein Lieblingsgericht‹ nähert sich der Materie auf unkonventionelle Weise. Mit Essen spielt man nicht? Und ob! »Ich möchte die Kinder für das Thema Lebensmittel sensibilisieren, und zwar mit allen Sinnen: durch Ertasten, Riechen, Schmecken und Hören und dadurch, die Ergebnisse anschließend künstlerisch umzusetzen mittels Malerei, Collagen, Tonarbeiten, Drucke etc.«, erklärt Künstlerin Sigrid Geerlings-Schake, die das im Rahmen des NRW-Programms ›Kultur und Schule‹ geförderte Unterrichtsvorhaben an der Friedrich-Ebert-Schule initiiert hat.

Das ›Mirácoli‹-Geheimnis
Hier erfahren die Teilnehmer beispielsweise, welche heimischen Gemüsesorten zu den verschiedenen Jahreszeiten vor unserer Haustür wachsen oder wie das Obst in den Kuchen kommt. »Am Anfang habe ich die Zutaten für sämtliche Leibspeisen mitgebracht und die Schüler gebeten, die Rohstoffe den verschiedenen Gerichten zuzuordnen: Getreideähren, Mehl, Tomaten, frische Kräuter etc.«, erzählt Sigrid Geerlings-Schake. »Für viele Kids ein Aha-Erlebnis: ›Mirácoli‹ lassen sich also auch anders zubereiten als mit fertigen Nudeln und Kräutermischung aus der Packung.«

Zusammen an einem Tisch
Weil die ständige Beschäftigung mit leckeren Sachen Appetit macht, starten die Stunden meist mit einem kleinen Snack. Heute hat die Projektleiterin frisch gebackene Waffeln mitgebracht. Köstlich, wie das duftet! Nächste Woche werden sich die Kinder selbst in die Küche stellen, dann steht selbst gemachtes Kartoffelpüree mit Spiegelei und Möhren-Apfel-Salat auf dem Speiseplan. »Nicht alle Schüler sind es von zu Hause gewohnt, zusammen an einem Tisch zu essen«, weiß Lars Thiele, stellvertretender Leiter der Förderschule. »Hier bei uns genießen sie das in vollen Zügen.«

Schrumpeläpfel schmecken lecker!
Die Verbindung von Kunst und Kulinarik ist für die Künstlerin Sigrid Geerlings-Schake, seit 2008 Mitglied der Lüner Künstlergruppe ›Offene Ateliers 2010‹, naheliegend: »Das Auge isst eben mit«, lächelt sie. »Schön angerichtete Mahlzeiten und ein hübsch gedeckter Tisch machen viel her.« Allerdings seien gerade beim Essen auch positive Überraschungen möglich: »Als wir in der Klasse Äpfel von heimischen Streuobstwiesen präsentiert haben, hieß es erst: ›Die sehen ja so schrumpelig aus.‹ Aber dann haben gerade diese Äpfel doch ganz besonders lecker geschmeckt.«

Kastanienmännchen ohne Arme
Um die Kreativität der Teilnehmer zu fördern, lässt sich Sigrid Geerlings-Schake immer wieder neue spannende Aktionen einfallen. Einmal wurden unterschiedliche Gemüsesorten mit verbundenen Augen ertastet und skizziert. Auf Grundlage dieser Skizzen entstanden dann Druckvorlagen. Heute basteln die Schüler auf eigenen Wunsch hin mit Kastanien. Die sind zwar nicht zum Verzehr geeignet, geben aber tolle Figuren ab. Und die Kinder sind ›stolz wie Oskar‹ auf ihre künstlerischen Kreationen. »Das ist ein Mensch – ohne Arme«, erklärt ein Knirps selbstbewusst.

Ausstellung geplant
Im Frühjahr will Sigrid Geerlings-Schake mit ihren Schützlingen Salat, Erbsen und Radieschen im Schulgarten anpflanzen. Auch eine Ausstellung mit Diashow für die Eltern ist geplant. Man könnte eine Speisekarte mit Rezepten erstellen. Oder eine große Obstschale mit Früchten aus Pappmaschee für die Aula basteln. Und, und, und ... »Mir ist es wichtig, die Schüler zu begeistern. Denn dann nehmen sie wichtige Erfahrungen und bestimmt einiges an dazugewonnenem Selbstvertrauen mit nach Hause.«

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