Stadtmagazin Lünen: Dies und Das

Ein ›dufter‹ Job

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Unterwegs mit der Müllabfuhr

Durchschnittlich 450 Kilogramm Haushaltsmüll produziert jeder von uns im Jahr! Zum Glück brauchen wir unsere randvollen Tonnen nur alle zwei Wochen an die Straße zu schieben, und der Abfall verschwindet ›wie von Zauberhand‹. Dahinter stecken nicht etwa die Mainzelmännchen, sondern die Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) mit ihrer Abteilung für Abfallwirtschaft. Wir wollten mehr wissen über den ›duften‹ Job.

Dienstag, 11.30 Uhr, Dorfstraße. Als Müllfrau auf Probe habe ich die Langschläferversion gebucht, das heißt, ich fahre nur die zweite Tour der Müllabfuhr mit. Fahrer Maik ist bereits seit 6.30 Uhr auf den Beinen und hat gerade seine erste Fuhre Abfall (13 Tonnen!) an der Deponie am Brückenkamp abgeliefert. »Als kleiner Junge wollte ich eigentlich Pilot werden, das hat nicht geklappt, dafür ging mein Zweitwunsch in Erfüllung: Ich bin jetzt ein Pilot der etwas anderen Art«, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Wie nett, dass ich heute im ›Cockpit‹ seines Müllwagens dabei sein darf!

Die Betriebsfahrt durch Wethmar entpuppt sich als ruckelige Angelegenheit. Seit zehn Jahren werden in Lünen sogenannte Seitenlader zur Entsorgung eingesetzt. Diese sieben Meter langen, zehn Tonnen schweren Giganten verfügen auf der rechten Fahrzeugseite über einen roboterartigen Liftarm, der die Müllbehälter ergreift, anhebt und über dem Schacht ausleert. Maik – der zu diesem Zweck ebenfalls rechts sitzt – muss jede Abfalltonne zentimetergenau ansteuern und dann den Joystick bedienen.

»Als ich 2010 bei den WBL anfing, hatte ich bereits sechs Jahre Lkw-Erfahrung, trotzdem dauerte es sechs Monate, um eine gewisse Routine zu erlangen. Man muss sich permanent konzentrieren und auf alles gleichzeitig achten: den Verkehr, Fahrradfahrer, Fußgänger. Im Winter, wenn es morgens noch dunkel ist, habe ich sämtliche Warnblinklichter angeschaltet. Trotzdem schaffen es immer wieder Mütter mit Kindern, mir direkt unter den Liftarm zu laufen. Da gilt es, höllisch aufzupassen.«

Ein mental anstrengender Job. Aber auch einer, der Spaß macht, vor allem wegen der vielen freundlich grüßenden Menschen, denen Maik auch heute auf seinen Wegen durch die Siedlungen begegnet. »Natürlich reagieren manche Autofahrer gestresst, wenn wir von der Müllabfuhr mal wieder mitten auf der Straße wenden oder ihnen den Weg blockieren.« Er schmunzelt: »Aber die meisten Leute freuen sich dann doch, dass ihr Abfall abgeholt wird. In Brambauer gibt es einen Anwohner, der morgens schon immer auf mich wartet, um ein kurzes Pläuschchen zu halten.«

Maik kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. »Sogar an den Geruch gewöhnt man sich«, verrät er und lächelt. »Außer vielleicht an den Biomüll, der ist schlimm, besonders im Sommer. Wenn ich den transportiert habe, weiß meine Frau Bescheid, selbst wenn ich frisch geduscht von der Arbeit komme.«

Insgesamt arbeiten 23 Müllwerker für die Lüner Abfallwirtschaft. Sie sind an allen Werktagen auf verschiedenen Routen im ganzen Stadtgebiet im Einsatz, um Restmüll, Altpapier, Bioabfälle und Wertstoffe sowie Grünabfälle und Sperrmüll zu entsorgen.

Die Fuhren werden zunächst an verschiedenen Umschlagplätzen gelagert, ehe man sie ihrer weiteren Bestimmung zukommen lässt: So landet der Hausmüll in der Müllverbrennungsanlage in Hamm, der Biomüll in der Kompostieranlage in Fröndenberg. Der Inhalt der gelben Tonnen wird zur Sortieranlage nach Bochum geschafft, das Altpapier am Lüner Stadthafen für die Industrie recycelt.

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