Stadtmagazin Lünen: In der Stadt

Auf der Spur der Wegekreuze

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Wer mit offenen Augen durch Lünens Norden spaziert, sieht sie an vielen Ecken: Sie stehen unauffällig am Wegesrand, auf Höfen oder vor Kirchen, sind meist aus Stein oder aus Holz. Häufig tragen sie Inschriften und zeigen den gekreuzigten Jesus mit Dornenkrone. Doch woher stammen diese sogenannten Wegekreuze eigentlich und was bedeuten sie? Das weiß Heimatforscher Ernst Deppe.

»Zunächst einmal unterscheiden wir begrifflich zwischen Bildstöcken – christlichen Steinmetzarbeiten – und Kreuzen, die sich je nach Standort wiederum in Wegekreuze, Hofkreuze, Friedhofskreuze sowie Missionskreuze und Triumphkreuze (an bzw. in Kirchen) aufteilen.« Rund 33 solcher Denkmäler soll es im Bereich Nordlünen, Alstedde und Wethmar geben. »Grund ist, dass die Lippe die Stadt in einen protestantischen Süden und katholischen Norden unterteilt und Kreuze im katholischen Glauben traditionsgemäß einen höheren Stellenwert haben.«

Im 19. Jahrhundert dienten sie als Stationen bei Fronleichnamsprozessionen oder Bittgängen. »So etwas kennt man ja heute gar nicht mehr in der Form«, erzählt Ernst Deppe schmunzelnd. »Das ganze Dorf ist damals einmal ›um den Pudding‹ marschiert.« Die meisten Kreuze hatten Anwohner als Bitte um gute Ernte oder Genesung, aus Dankbarkeit, als Glaubensbekenntnis oder (später) zu Ehren der Toten aufgestellt. »Leider verschwanden daher auch immer wieder welche«, bedauert der Geschichtsexperte, »und zwar immer dann, wenn eine Familie wegzog und ihr rechtmäßiges Eigentum mitnahm.«

So existieren heute nur noch zwei Bildstöcke auf Lüner Grund. Einer befindet sich an der Laakstraße beim Caritas-Altenzentrum, der andere Im Ort 17. »1882 haben die Vorfahren der heutigen Bewohner, Hermann Röllmann und seine Ehefrau, diese Arbeit aus Sandstein anfertigen lassen, um sich für die Genesung ihres Sohnes zu bedanken«, weiß Ernst Deppe, der viele alteingesessene Familien persönlich kennt. »Verantwortlich war der Bildhauer Achtermann aus Münster, der auch am Münsteraner Dom mitgewirkt hat.« Die Gegend um das Denkmal heißt im Volksmund Jammertal, nach dem Refrain eines Kirchenliedes (›Oh Maria hilf uns all hier in diesem Jammertal‹), welches gesungen wurde, wann immer christliche Prozessionen die Stelle passierten. »Die älteren Anwohner wissen noch um diese Bedeutung.«

Ein schlichtes Steinkreuz ohne Korpus und Inschrift hat Ernst Deppe an der Borker Straße nahe ›Haus Wieneke‹ entdeckt. »Im Gespräch mit einem Landwirt habe ich erfahren, dass dort ein Mann von einem Ochsen getötet worden ist.« Das wohl bekannteste Wegekreuz Lünens ist das Steinkreuz an der Alstedder Straße. Es wurde 1931 eingeweiht und hat die Nazizeit überlebt. »Doch dann stand es beim Bau des Coldinne Stifts plötzlich im Weg. Also wurde es ausgebuddelt und ein paar Meter weiter wieder eingegraben.« Ein Hofkreuz mit ›Promibonus‹ befindet sich an der Borker Straße 245 auf dem Gelände des Bauern Otto, dem Onkel von Max Raabe.

Das nördlichste Kreuz auf Lüner Gebiet steht am Siebenpfennigsknapp. Es handelt sich um ein einfaches Holzkreuz mit der Inschrift ›Gott schütze dich‹. Auch dazu kennt Ernst Deppe eine kleine Anekdote: »Viele Pferdegespanne schafften es früher nicht den steilen Knapp hinauf. Dann bot der dort ansässige Bauer seine eigenen Pferde als Verstärkung an. Dies kostete sieben Pfennig.«

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