Stadtmagazin Lünen: Wir bauen ein Haus

75 Jahre ›Mensch im Mittelpunkt‹

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Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich Wohnungsbaugenossenschaften in ganz Deutschland. Günstiger Wohnraum wurde insbesondere in den rasch wachsenden Städten dringend benötigt. Heute gibt es in der Bundesrepublik über 2.000 solcher Genossenschaften mit insgesamt über drei Millionen Mitgliedern. Der alte genossenschaftliche Gedanke von Solidarität, Mitbestimmung und sozialem Miteinander ist jung wie nie! Dementsprechend feiert die 1937 gegründete Wohnungsbaugenossenschaft Lünen ihr 75-jähriges Jubiläum unter dem Motto ›Menschen im Mittelpunkt‹.

Eigentlich ist 1925 das Jahr, in dem alles begann. Mitten in den politischen und wirtschaftlichen Wirren der Weimarer  Republik wurde in Lünen die Reichs-
bund-Siedlung gegründet. Ziel war es, in gemeinnütziger Hinsicht für minderbemittelte Mitglieder, insbesondere Kriegsgeschädigte und -hinterbliebene, Wohnungen und Eigenheime zu erschwinglichen Preisen zu beschaffen. Von den 26.000 Einwohnern der Stadt waren viele arbeitslos oder verarmt. Nach Schließung der Zechen Preußen I (1926) und II (1929) stieg die Zahl der Arbeitslosen weiter an. In dieser schwierigen Zeit errichtete die Reichsbund-Siedlung 140 Wohnungen und drei Ladenlokale. Die ersten Häuser wurden an der Lippestraße erbaut. Der monatliche Mietpreis für eine 2-Zimmer-Wohnung einschließlich Wassergeld und Nebenkosten betrug damals 18,50 Reichsmark, der erforderliche Eigenanteil für Mitglieder lag bei 200 Reichsmark.
Am 26. Mai 1937 wurde die Reichsbund-Siedlung Lünen aufgelöst. Ihren Platz nebst 130 Wohneinheiten übernahm die Wohnungsbaugenossenschaft Lünen (WBG). Die ›Neue‹ hatte es zunächst nicht leicht: Während des Krieges wurden in der Stadt über 2.600 Häuser zerstört, was zu großer Wohnungsnot führte. Erst die Währungsreform von 1948 leitete die entscheidende Wende ein. Mit der Förderung des Wohnungsbaus durch Bund, Länder, Gemeinden und ortsansässigen Unternehmen verbesserten sich auch die Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt. Im Jahr 1950 wurden die ersten Neubauten nach dem Krieg durch die WBG fertiggestellt. 15.000 Menschen, zumeist Vertriebene und Flüchtlinge, fanden in der Lippestadt eine neue Heimat.
Das ›Wirtschaftswunder‹ machte sich auch in Lünen bemerkbar. Bis 1960 wurden 1.190 Wohnungen und 135 Eigenheime in Lünen und Kamen errichtet. Die größeren und komfortabler ausgestatteten Wohnungen waren nun immer häufiger mit Bädern und Balkonen ausgestattet. Auch legte man zunehmend Wert auf gepflegte Fassaden und ansprechende Grünanlagen. 1973 eröffnete die Genossenschaft einen rund 6.000 Quadratmeter großen Spielplatz in  Lünen-Horstmar, 1975 wurden die Fabrikhallen der Luisenhütte von Potthoff & Flume an der Dortmunder Straße / Ecke Moltkestraße abgebrochen; sie schufen Platz für das ›Luisencenter‹. ›Klasse statt Masse‹ war das Credo seit 1980. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf der Modernisierung des Altbaubestandes. Dennoch entstanden 370 neue Wohnungen – städtebaulich und architektonisch qualifizierte Gebäude mit hohem Wohnwert, die das Heimat- und Lebensgefühl ihrer Bewohner weiter vertiefen sollten.
1989 zog die WBG in das neue Verwaltungsgebäude an der Kurt-Schumacher-Straße. Ein Jahr später beschloss der Gesetzgeber die Aufhebung der Gemeinnützigkeit für Wohnungsunternehmen. Um steuerliche Nachteile zu vermeiden, wurde ein Tochterunternehmen gegründet, die WBG Lünen Bau- und Verwaltungs-GmbH, die alle Gewerbeobjekte, das Bauträgergeschäft und die Geschäftsbesorgung für die Genossenschaft übernahm. Für ihre Objekte wurde die WBG in den Folgejahren vermehrt ausgezeichnet. 1995 übernahmen Rainer Heubrock und Bernd-Peter Menke die Geschäftsleitung. Unter ihrer Federführung wurden mehrere große Baumaßnahmen umgesetzt, wobei die Themen Energie und Demografie verstärkt in den Focus rückten: Barrierefreiheit, moderne Wärmedämmung, aber auch moderne Energietechnik (Photovoltaik, Solar, Wärmerückgewinnung, Erdwärme) entwickelten sich zum Standard bei Neubauprojekten bzw. Modernisierungen. »Auch in Zukunft werden wir der Entwicklung Rechnung tragen und uns auf innovative Wohnformen wie z. B. Mehrgenerationenwohnen oder Niedrigenergiestandardhäuser konzentrieren«, erklärt Geschäftsführer Rainer Heubrock.

Seit 2000 gibt es den Sozialen Dienst der WBG Lünen. Er steht den Mietern in allen Lebenslagen mit Rat und Tat zur Seite – schnell, unbürokratisch und natürlich streng vertraulich. Denn, so Bernd-Peter Menke: »Auch nach 75 Jahren und mit aktuell rund 5.000 Mitgliedern sowie rund 4.237 Wohneinheiten steht bei uns der Mensch im Mittelpunkt!«

Wohnungsbaugenossenschaft Lünen eG
Kurt-Schumacher-Str. 11 · 44534 Lünen
Tel. 0 23 06 / 70 06-0 · www.wbg-luenen.de

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