Stadtmagazin Lünen: In der Stadt

Vom Voetpat zur Chaussee

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Historisch: Die Cappenberger Straße

Einst gelangte man von Lünen zum höher gelegenen Cappenberg über einen einfachen Trampelpfad. Er wird 1539 als ›Cappenberger Voetpat‹ erstmals urkundlich erwähnt und führte über eine sandige, mit Birken, Wacholder, Tannen, Kiefern und Ginster bewachsene Heidelandschaft, um die sich zahlreiche Spukgeschichten rankten …

In den folgenden Jahrhunderten taucht der Pfad als ›Fußweg nach Cappenberg‹, ›Kappenberger Weg‹ oder ›Chaussee nach Cappenberg‹ immer wieder in verschiedenen Karten auf. Während des Siebenjährigen Krieges marschierten hier die Soldaten der preußischen Armee, knapp 200 Jahre später wurde das Gelände durch Nazi-Aufmärsche erschüttert. Zu dieser Zeit hatte sich das Landschaftsbild bereits verwandelt: Zum einen hatte man die Straße Ende des 19. Jahrhunderts mit Pflastersteinen befestigt, zum anderen waren seit 1887 enorme Sandmassen abgebaggert und an Eisenwerke und Unternehmer im Ruhrgebiet und im Sauerland geliefert worden. Auch entstanden vermehrt Bauwerke, die zum Teil noch heute erhalten sind.

Die Villa Bäumer
An der Grenze zu Altlünen fällt ein Schmuckstück der Jahrhundertwende besonders ins Auge: die ehemalige Villa Bäumer. Das 1904 gebaute, denkmalgeschützte Jugendstil-Haus mit der weißen Fassade und der Hausnummer 62 diente im dritten  Reich als Schule für die Braunen Schwestern, war nach 1945 städtisches Altenheim und bot ab 1966 dem Lüner Heimatmuseum ein Quartier. 1983 siedelte das Museum ins Schloss Schwansbell um. Im selben Jahr erwarb ein Ärzteehepaar aus Bochum die prunkvolle Villa.

Die alte Kaffeerösterei
Der Komplex besteht aus zehn Grundstücken und mehreren Gebäuden, von denen das älteste um 1906 errichtet wurde. Einst hatte Ignaz Woestmann hier die Veluna (Vereinigte Luener Nahrungsmittelwerke) betrieben, eine der größten Kaffeeröstereien des Münsterlandes. Bis 1932 wurden Bohnenkaffee sowie Malz- und Kornkaffee hergestellt und an Cafés u. a. in Köln und Düsseldorf geliefert. Später fanden verschiedene Firmen ein Domizil unter dem Dach der alten Rösterei. 2010 kaufte ein Lüner Ehepaar den Gewerbehof an der Cappenberger Straße 51, der sich seitdem immer mehr zu einem Zentrum für Kunst, Kultur, Gastronomie und altersgerechtes Wohnen entwickelt.

Die alte Sparkasse
1838 hatte der preußische König Wilhelm III. ein Reglement in Bezug auf die Errichtung des Sparkassenwesens erlassen, von welchem man hoffte, es möge Moralität und Wohlfahrt fördern. 1854 wurde die Sparkasse Lünen offiziell eröffnet. Untergebracht war sie im Privathaus des jeweiligen Redundanten. Erst im Jahr 1909 erhielt die Institution ihr eigenes Haus. Es wurde als Ecklösung an der Spitze zwischen der Cappenberger und der Borker Straße in barocker Formenarchitektur gebaut. Nach 1969 diente das Gebäude noch einige Jahre als Nebenstelle, wurde in den 80ern komplett renoviert und stellt somit wieder einen attraktiven Blickfang am Rande der Altstadt dar.

Der Schützenhof
Vor über 100 Jahren wurden Schützenfeste in Lünen wie Volksfeste gefeiert. Das große Königsschießen trug man auf dem historischen Grund der Cappenberger Heide aus. 1910 errichtete der
Schützenverein hier, an der Ecke zur Schützenstraße, den Schützenhof. In den 1930er-Jahren veranstaltete die NSDAP auf dem Gelände hitzige Wahlversammlungen. 1956 wurde der große Saal zum Kino umgebaut, später richtete man im Haus Ladenlokale ein. Bis 1962 war der Schützenhof Theater, Festsaal und kulturelles Zentrum in einem. Viele ›Promis‹ verewigten sich im Gästebuch, vom ›Seeteufel‹ Graf von Luckner über Schauspielerin und Sängerin Lale Andersen und die Schalker Meisterfußballer Fritz Szepan und Ernst Kuzorra bis hin zur Polit-Prominenz wie Konrad Adenauer und Heinrich Lübke.

Quelle Stadtarchiv

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