Stadtmagazin Lünen: Dies und Das

28. Fackelschwimmen

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Rock’n’Roll auf der Lippe

Wie ein schwarzes Band schlängelt sich die Lippe durch die Winternacht. Die Außentemperaturen liegen bei knackigen 5 Grad, das Wasser ist sicher noch etwas kälter. Was die hartgesottenen Tauchprofis des Lüner Tauchsport-Clubs jedoch nicht davon abhält, sich wagemutig in die Fluten zu stürzen.

»Mit Neoprenanzug ist es gar nicht so eiskalt, wie man denkt, außerdem gibt es vorab zur Stärkung immer Waffeln, Kakao und auch den ein oder anderen Glühwein«, lächelt Giesbert Knickmeier (1. Vorsitzender). »Allerdings kostet es schon Überwindung, bei Dunkelheit ins Wasser zu steigen«, wirft seine Frau Iris ein. Seit 28 Jahren sind die beiden dabei, wenn der TSC-Lünen zum internationalen Fackelschwimmen lädt!

Entstanden aus einer ›Bierlaune‹, zählt das Fackelschwimmen heute nicht nur zu den größten, sondern auch zu den verrücktesten Spektakeln, die das Ruhrgebiet im Advent zu bieten hat. »Zur Premiere schickte die Abteilung Unterwasserrugby ein einzelnes Schlauchboot mit einem Weihnachtsbaum auf die Lippe – die Beleuchtung wurde mit einer alten VW-Batterie betrieben«, erzählt Giesbert Knickmeier. »Nach und nach kamen immer mehr Vereine dazu. Inzwischen müssen wir mit bis zu 150 Tauchern im Wasser rechnen, die selbst konstruierten Flöße überbieten sich gegenseitig an Einfallsreichtum  und unsere ›Fans‹ kommen in Bussen sogar aus Holland angereist.«
Am 10. Dezember ist es wieder soweit: Um 18 Uhr startet der Fackelmarsch vom neuen Lippe Bad an der Konrad-Adenauer-Straße durch die City zum Lippeufer, das wie jedes Jahr von THW und Feuerwehr gesichert wird. Hier liegen die Flöße schon bereit. »Vom schwimmenden Bobbycar über Riesenwale à la Moby Dick und ganze Schneelandschaften bis hin zum Brautpaar an Deck zum 25. Jubiläum hatten wir schon alles dabei und sind auf die Ideen unter dem Motto ›Rockin’ around the Christmas Tree‹ bei der diesjährigen Ausgabe natürlich besonders gespannt«, so Iris Knickmeier. Angeführt wird der illuminierte Zug traditionell von den Lüner Tauchern, die mit einer schwimmenden Weihnachtspyramide aufwarten. Den Abschluss bilden die Unterwasserrugby-Spieler mit ihrem Christbaum an Bord. »Und auch unsere Jugendabteilung schickt ein eigenes Floß ins Rennen, Details sind aber wie jedes Jahr streng geheim«, so Giesbert Knickmeier. Trocken bleiben an diesem Abend übrigens nur die Kleinsten, und zwar im doppelten Sinne: Wer ein echter Taucher sein will, legt die rund 1000 Meter lange Strecke flussabwärts bis zum Ausstieg an der Graf-Adolf-Straße selbstverständlich im Wasser zurück. »Wenn der ›Pegel‹ stimmt, wird dabei sicher auch das ein oder andere Weihnachtslied erklingen«, schmunzelt der Vorsitzende.

Die Moderation übernimmt das Lüner Kulturbüro von der Lippebrücke aus. Nach 30 bis 45 Minuten ist der nasse Spuk vorbei – nicht jedoch das Rahmenprogramm. Zum krönenden Abschluss erstrahlt der Fluss unter einem farbenprächtigen Bengalfeuerwerk in märchenhaftem Glanz. Danach wartet die heiße Dusche, ehe es zur Party in der Aula der Geschwister-Scholl-Gesamtschule geht – Taucher haben freien Eintritt. Außerdem werden hier die verschiedenen Preise vergeben, z. B. für das fantasievollste Floß, die größte Gruppe, den ältesten und den jüngsten Teilnehmer. »Alter schützt vor Torheit nicht«, weiß Giesbert Knickmeier aus eigener Erfahrung. »Vom 6-jährigen Floß-Passagier bis hin zum über 70-jährigen Taucher waren schon sämtliche Generationen beim Fackelschwimmen vertreten.«
Weit Angereiste dürfen ihre Luftmatratzen später in den Klassenzimmern aufschlagen. »Am nächsten Morgen gibt’s für die Gäste dann noch Frühstück – wir räumen auf!«

Übrigens: An ›normalen‹ Tagen ist die relativ flache Lippe mit ihrer starken Strömung kein Tauchrevier. Trainiert wird im neuen Lippe Bad, zum Tauchen fährt der TSC Lünen raus ins Sauerland.

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