Stadtmagazin Hagen: Sport und Freizeit

»Mehr als Seilchenspringen«

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Rope Skipping in Hagen

Nur wenige kennen den Begriff, doch jeder hat es schon einmal gemacht – wenn auch nicht so perfekt. Das gute alte Seilchenspringen unserer Kindheitstage hat ausgedient. Als Trendsportart ›Rope Skipping‹ erobert es heute Fitnessstudios und Vereine gleichermaßen: moderner, schneller und unglaublich vielseitig.

Herausforderung für Körper und Kopf

»Seilspringen ist out – Rope Skipping ist in!«, findet Regine Schwalb, Übungsleiterin des DJK TuS 03 Hagen. »Das Sportgerät mag vielleicht das gleiche sein. Doch in der Kombination mit Musik, Tanz, Schnelligkeit, Ausdauer, Koordination, Akrobatik und Kooperation entsteht etwas ganz Neues, eine Sportart, die viel mehr ist als reines Seilchenspringen, die den Körper ebenso fordert wie den Kopf.« Besonders im Schulsport lasse sich das Konzept gut umsetzen: Spaß an der Bewegung, am Beat der Musik und am Kreieren neuer, ausgefallener Choreografien – das sei es, worauf es beim Rope Skipping ankomme. Eine Sportart, die schnell begeistert – und wie im Falle von Regine Schwalb – auch nicht wieder loslässt.

Von der Schul-AG zum Vereinssport

Sie selbst ist seit gut sieben Jahren begeisterte Springerin. ›Schuld‹ daran ist ihre Tochter Marlene. »Wir suchten damals nach einer Sportart für sie. Und durchs Fernsehen stießen wir auf Rope Skipping. Sie war sofort Feuer und Flamme: ›Das will ich ausprobieren!‹ Also suchten wir nach einem Verein. Fündig wurden wir schließlich in Wuppertal – doch der Weg dorthin war leider sehr weit.« Also machte Regine Schwalb sich schlau. Mehr noch: Als ausgebildete Ergotherapeutin ließ sie sich in die Methodik einführen und machte kurzerhand selbst beim Hagener Stadtsportbund ihren Übungsleiterschein. »Zunächst bot ich in der Schule meiner Tochter eine Sport-AG an, dann fanden wir den TuS 03 Hagen als tragenden Verein.«

Bewegung, Action, Auspowern

Seitdem gibt sie wöchentlich ihre Begeisterung fürs Rope Skipping an interessierte Kinder und Jugendliche weiter. Ihre Gruppe zählt zwischen 15 bis 20 Mädchen. »Leider sind keine Jungen dabei«, bedauert sie ein wenig. »Aufgrund ihrer körperlichen Konstitution haben sie ganz andere Sprungqualitäten als Mädchen. Das wäre eine interessante Mischung.« Doch auch die Mädels unter sich haben jede Menge Spaß. »So anstrengend ihr Tag auch war: Sobald das Training vorüber ist, strahlen sie übers ganze Gesicht«, schmunzelt die Übungsleiterin. »Die Bewegung, die Action, das Auspowern – all das hebt die Laune.«

Ursprung in Holland

Obgleich die Bezeichnung ›Rope Skipping‹ aus den USA stammt, die Sportart selbst hat ihren Ursprung bei unseren niederländischen Nachbarn. Bereits im 17. Jahrhundert exportierten holländische Auswanderer das Seilspringen nach Amerika, wo es sich schnell als Kinderspiel auf den Schulhöfen und Straßen verbreitete. Besonderen Aufwind erhielt der Sport durch Initiative der 1924 in New York gegründeten ›American Heart Association‹, einer Vereinigung zur Prävention und Therapie von kardiovaskulären Erkrankungen. Im Fokus standen dabei die Gesundheitsaspekte des Rope Skippings: der Mix aus Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination. Mit Beginn der 1990er-Jahre schwappte Seilspringen als beliebter Wettkampf- und Freizeitsport zurück nach Europa – auch nach Deutschland. Seit 2013 ist Rope Skipping eine der Disziplinen für das Deutsche Sportabzeichen.

Keine Grenzen

Und nicht nur die: Auch das Selbstwertgefühl erhalte eine gehörige Energiespritze. »Das Tolle am Rope Skipping: Anfänger haben ziemlich schnell Erfolgserlebnisse. Doch auch den Fortgeschrittenen sind keine Grenzen gesetzt«, erklärt Regine Schwalb. »Je nach Leistungsniveau können akrobatische Elemente mit eingebaut werden: Handstand, Radschlag, Salto, Flick-Flack oder einfach ein klassischer Liegestütz.« Gesprungen wird allein (›Single Rope‹), zu zweit oder mit mehreren. Beim sogenannten ›Double Dutch‹ (Kauderwelsch) schlagen zwei gegenüberstehende Schwinger zwei Seile in Gegenrichtung; beim ›Wheel‹ (Rad) bilden mehrere Springer eine Kette. »Ich kann nur gut springen, wenn die anderen gut drehen«, so die Trainerin. »Genauso muss ich gut drehen, damit die anderen gut springen können. Ich muss mich an die Gruppe anpassen können und die Gruppe an mich. Teamarbeit ist also das A und O!«

Gemeinsam wachsen

Und auch wenn nicht alles auf Anhieb funktioniert, das Seil sich in den Füßen verheddert oder bei Würfen nicht dort landet, wo es soll: »Wir machen einfach, probieren aus und haben Spaß daran. Die Mädels sind unglaublich wissbegierig und offen für Neues. Sie sind es, die ständig mit neuen Ideen kommen. Sie recherchieren im Internet, schauen sich Videos mit neuen Techniken an. ›Das können wir auch mal ausprobieren!‹, heißt es dann immer. Gemeinsam finden wir heraus, wie die Sprünge funktionieren: Wo gehen die Hände hin, wie wird das Seil geführt? Gemeinsam wachsen wir an uns selbst.«

Mehrere Showauftritte im Jahr

Ihr Können stellt die Gruppe in bis zu drei Wettkämpfen im Jahr unter Beweis. Neben der richtigen Technik und Freestyle kommt es hierbei vor allem auf Schnelligkeit an: In einer vorgegebenen Zeit – beispielsweise 30 Sekunden – müssen so viele Sprünge wie möglich absolviert werden. »Doch auch der Spaß kommt dabei nie zu kurz«, berichtet Regine Schwalb, »allen voran bei unseren Freundschaftsturnieren. Im September letzten Jahres kamen anlässlich unseres fünfjährigen Jubiläums zahlreiche Springer aus befreundeten Vereinen zusammen. Während ihrer Sprünge sollten sie gleichzeitig Luftballons aufhängen – eine trubelig-akrobatische Angelegenheit.« Doch alle waren begeistert – Teilnehmer wie Zuschauer. »Mehrmals im Jahr kann man uns auch für Showauftritte buchen. Erst kürzlich waren wir beim Neujahrsempfang des Hagener Stadtsportbundes.«

Wer den Spaß am Seil selbst einmal ausprobieren möchte: Trainiert wird jeweils mittwochs ab 16 Uhr in der Sporthalle in der Lange Straße in Wehringhausen. »Jungen und Mädchen ab sechs Jahren sind herzlich willkommen!«

Rope Skipping im DJK
TuS 03 Hagen e.V.

Weitere Infos unter:
www.djk-tus03-hagen.de