Stadtmagazin Hagen: In der Stadt

»Heimatscholle so traut und süß«

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Hagen-Halden

Halden! Mein Halden! Wie bist Du schön!
Grünende Täler und Waldeshöh'n,
Weidende Herden, Jugend und Glück,
Friede und Sonne, wohin ich blick!

Seiner Heimstatt Halden aufs Innerste verbunden, dichtete der einstige Posthalter Arno Hösselbarth in den 30er-Jahren diese Zeilen. Sie waren die Anfangsverse einer Lobeshymne auf die Hagener Gemarkung – verewigt auf Tausenden von Postkarten ging sie um die ganze Welt. Jahrhundertelang bot Halden, gelegen im unteren Lennetal zwischen saftigen Wiesen, Feldern und Wäldern, einen idyllisch-pittoresken Anblick. Welch Wunder also, dass der einstige Poet hier auch seine letzte Ruhe finden wollte, am »herrlichen Plätzchen am Lennestrand«, in seiner paradiesischen »Heimatscholle so traut und süß«.

Die ›trockene Niederung‹ wird zum Dorf
Bereits um 500 bis 700 n. Chr. – im Zuge der altfränkischen Kolonisation – sollen erste Siedler den Weg ins Lennetal gefunden haben. Der Landstrich war fruchtbar. Halden – in älterer Form auch ›Haldene‹, die ›trockene Niederung‹ – wuchs zu einem Dorf heran, dessen Landschaftsbild im 13. Jahrhundert von zahlreichen Klein- und Großhöfen geprägt war. Den Haupthof des damaligen Dorfes, den Schultenhof, gibt es noch immer. Heute beherbergt er den Reitstall Köster auf dem Hof der Familie Rehpenning.

Vom Wehberg-Hof zum Arcadeon
Dem Wehberg-Hof war kein so langes Dasein beschieden. Nachdem er Ende des 19. Jahrhunderts fast vollständig in den verheerenden Flammen eines Feuers niederbrannte, ging er wenig später in den Besitz des Fabrikanten Bleck über. Dieser gestaltete den ehemaligen Wehberg-Hof zu einem idyllischen Park um, der dank eines großzügigen Teiches zum beliebten Ausflugsziel avancierte. Ein Anziehungspunkt ist das dortige Gelände noch heute – inzwischen sogar für Gäste aus ganz Deutschland! Inspiriert von der Bauweise eines mittelalterlichen Klosters eröffnete im Sommer 1998 das Tagungshotel Arcadeon seine Pforten. Der Teich versprüht noch immer den Flair des einstigen Luftkurortes.

Halden im Umbruch
Der dörfliche Charakter, der Halden lange Zeit eigen war, schien mit den Jahren mehr und mehr zu verblassen. 1923, sechs Jahre bevor die Lennegemeinden nach Hagen eingemeindet wurden, entstanden in Halden neue Wohnsiedlungen, um der allgemeinen Wohnungsnot Herr zu werden. Sowohl Bauern als auch Inhaber kleinerer Geschäfte verkauften ihre Grundstücke an Siedlungsgesellschaften aus Hagen. Doch auch in den 60er-Jahren ging der ›Bauboom‹ weiter. An der Berchumer Straße entstand eine von den Einheimischen gern als ›Schwarzwaldsiedlung‹ titulierte Wohngegend. Die dortigen Straßen sind nach bekannten deutschen Waldgebieten benannt: Schwarzwald-, Spessart-, Taunus- und Eifelstraße.

»Wir fühlten uns als etwas Besonderes!«
Auch der ehemalige Ortskern bekam durch Neubauten ein jüngeres Gepräge. 1967 eröffnete sogar eine Zweigstelle der Sparkasse. Thomas Westhoff, ein Zeitzeuge, erinnert sich: »Der Bau der Sparkasse war damals ein echtes Highlight. Als kleiner Junge stand ich staunend daneben und sah zu, wie sie zuerst das Fundament gossen, dann den Tresor hineinsetzten und die Baracke drum herumbauten. Wir hatten unsere eigene Sparkasse – das hatte zur damaligen Zeit nicht jeder Stadtteil in Hagen. Wir fühlten uns als etwas Besonderes.«

Lennetalbrücke
Dem stetig wachsenden Verkehrsaufkommen wurde durch den Bau der knapp 1.000 Meter langen Lennetalbrücke der A45 – der sogenannten ›Sauerlandlinie‹ – Rechnung getragen. Seit 1967 überspannt ihre monolithische Rahmenkonstruktion in einer Höhe von 20 bis 30 Metern die Lenne, eine Bahnstrecke, ein Werksgelände, die Landesstraße 674 sowie die Kreisstraße 1. Allerdings nicht mehr lange! An der Substanz der mittlerweile fast 50 Jahre alten Brücke nagt inzwischen der Zahn der Zeit. Seit September letzten Jahres wird daher an einer neuen Brücke gebaut. Veranschlagt ist eine Bauzeit von viereinhalb Jahren.

Heute: beliebter Wohnort in Citynähe
Baulücken sind in Halden nur noch wenige vorhanden, entsprechend hoch sind die Grundstückspreise. Die Verkehrsanbindung in die Hagener Innenstadt ist dank dreier Buslinien sowie der Lennetalbrücke ausgesprochen gut. Man ist schnell in der City, aber genauso schnell auch wieder heraus. Vielen gilt Halden daher heute als beliebter Wohnort ›außerhalb‹ Hagens, als Rückzugsort vor unnötigem Trubel und Menschengedränge. Flaniert man vorbei an den wenigen noch erhaltenen Fachwerkhäusern und Resten ehemaliger Gehöfte, strömt einem das dörfliche Kolorit noch immer entgegen. So manch glückliche Kindheit wurde in sorgenfreier Eintracht hier verbracht, die Freuden erster Verliebtheit genossen. Die Jugend von einst ging hier zur Schule und wuchs zur neuen Generation heran. Hier arbeitete und feierte man. War die Zeit schließlich gekommen, so senkte man sich hier ins kühle Grab.

Schmückt meinen Hügel mit Vergißmeinnicht schön –
Halden! Mein Halden! – Auf Wiedersehen!

Fotos: Stadtarchiv Hagen

Sie möchten das Hagen-Halden von früher kennenlernen? Dann lohnt ein Blick auf diese Homepage: www.hagen-halden-fotoarchiv.de.