Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Menschen

Reviermomente mit Licht und Schatten und viel Herz

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Hammerkopfturm, Erinturm, das Rütgersgelände, Lambertuskirche – wer die Bilder von Frank Süßenbach sieht, weiß auf einen Blick: Hier hat jemand ›sein Revier‹ mit viel Liebe und einem tollen Blick fürs Detail und fürs Ganze eingefangen. Wir treffen uns mit dem Fotografen und schon bei seinen ersten herzlichen Begrüßungsworten stutzen wir: Moment einmal, dieser Zungenschlag stammt doch nicht aus dem ›Pott‹! »Stimmt!«, lächelt er. »Ich komme aus Brühl, eigentlich bin ich ein Kölsche Jung!«

Die Liebe verschlug den sympathischen Rheinländer vor 15 Jahren nach Castrop-Rauxel. »Zunächst war es auch eher eine Wahlheimat, inzwischen ist es definitiv mein Zuhause. Ich liebe die Sprache, die Menschen hier tragen ihr Herz auf der Zunge, das mag ich. Für mich hat der Ruhrpott eine ganz eigene Atmosphäre und erzählt eine Geschichte.« Diese Geschichte fängt Frank Süßenbach in seinen Bildern ein – Momentaufnahmen, die Industriebauten und Landschaftsbilder gleichermaßen zu beredten Zeugen einer Region und seiner Menschen machen. Und wieder heißt es »Moment einmal« – diesmal kommt der Einwand von Frank Süßenbach selbst. »Ich bin kein Profifotograf, da können andere viel mehr als ich. Es gibt den Spruch ›Man muss erst mal die Regeln des fotografischen Handwerks beherrschen, um sie brechen zu können.‹ So weit bin ich noch nicht. Ich mache das eher intuitiv, aus dem Bauch.«

Und er macht es noch gar nicht so lange. Seine ›Bildarbeit‹ begann erst 2005, keine leichte Zeit übrigens damals für ihn. Eine schwere Krankheit sorgte dafür, dass der gelernte Maurer berufsunfähig wurde. Wichtigster Halt in diesen Tagen war seine Familie, allen voran Ehefrau Katharina. Sie war es auch, die ihm ein Bildbearbeitungsprogramm schenkte. »Foto Impact«, erinnert sich Frank. »Ich begann, Stock-Fotos und Bilder aus Internetforen zu bearbeiten, und entwickelte Spaß daran, mit Tools und Elementen zu spielen, um die Fotos noch interessanter zu machen und ihre Aussage auf den Punkt zu bringen. Irgendwann kam dann Photoshop dazu. Doch allmählich waren mir die Aufnahmen anderer Menschen zu langweilig. Ich fing selbst an zu fotografieren.«

Nun mag es sein, dass seine Fähigkeiten mit denen eines Profis nicht mithalten können, Tatsache ist jedoch, dass Frank Süßenbach ein ausgesprochenes Auge für Motive, Farben, Licht und die Gesamtkomposition hat. »Vielleicht liegt das aber auch an meiner Herangehensweise. Ich lauf’ das alles zu Fuß ab oder bin mit dem Fahrrad unterwegs – dieses ›Schritttempo‹ ist wichtig, sonst sieht man nichts. Und wenn ich irgendwo langgehe, inhaliere ich die Landschaft, die Häuser, die Szene – immer mit Photoshop im Kopf. Das heißt, bereits wenn ich auf den Auslöser drücke, sehe ich das fertige Bild vor meinem inneren Auge.« Bis zu diesem fertigen Bild kann dann allerdings doch noch etwas Zeit vergehen. »Die Bearbeitung ist mal in zehn Minuten gemacht, mal braucht es bis zu vier Stunden. Erst wenn das Foto so rüberkommt, wie ich es schon im allerersten Moment vor meiner inneren Linse gehabt habe, ist es perfekt.«

Manche mögen seine Werke als romantisiert und entfremdet wahrnehmen, andere aber sind schlichtweg hingerissen: weil Frank Süßenbach durch seine sensible Komposition Motive in völlig neuem und dabei doch so vertrautem Licht erstrahlen lässt. »Ich bin oft völlig überrascht, wie viele positive Reaktionen ich bekomme. Dabei geht es mir nicht um Likes, wenn ich Bilder poste, im Gegenteil! Viel mehr liegt mir am Herzen, dass ich vielleicht dazu beitragen kann, dass Leute eine andere Sicht auf ihre Stadt bekommen. Dass bekannte Ecken, wo man tausendmal dran vorbeigeht und sie übersieht, eine neue Wahrnehmung und Wertschätzung erhalten. Wenn mir das gelingt, macht mich das unglaublich glücklich. Überhaupt hat mir die ›Fotografiererei‹ in einer nicht einfachen Situation ein neues Ziel gegeben und das ist toll. Ich bin ein absoluter Familienmensch, für mich stehen meine Frau und meine Kinder Cedric und Coleen mit Abstand an erster Stelle. Dass aber jetzt mit den Fotos auch etwas danach kommt, ist ein gutes Gefühl.«

Tipp
Vor wenigen Tagen ist ein Kalender 2015 mit Castrop-Rauxeler Motiven von Frank Süßenbach in limitierter Edition erschienen, herausgebracht von ›design art solar Ruhrgebiet‹.
Der Kalender (Format DIN-A4 quer) ist erhältlich für 16,95 Euro bei
design art solar Ruhrgebiet · Am Stadtgarten 6 · 44575 Castrop-Rauxel

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