Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Menschen

Kala Christougenna!

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Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre im Wirtschaftswunderland Deutschland: Es geht bergauf, die Schlote qualmen, die Vespas rennen, der Käfer rollt und rollt und rollt. Und während die Bundesdeutschen ›La Paloma‹ pfeifen und bei Freddy Quinns ›Gitarre und das Meer‹ von südlichen Gefilden träumen, kommen parallel junge Männer aus Italien, aus der Türkei und aus Griechenland ins kalte, rußgeschwärzte Ruhrgebiet. Wie auch Ioannis Papadopoulos aus der nordgriechischen Stadt Edessa.

19 Jahre alt war er, als es ihn 1961 gemeinsam mit seinem Bruder nach Castrop-Rauxel verschlug. Studieren sollten die beiden hier, das war der große Wunsch seiner Mutter, die ihren Söhnen eine bessere Zukunft wünschte. Statt im Hörsaal landete Ioannis auf der Zeche ›Graf von Schwerin‹. »Ich war einfach zu faul«, erzählt er mit seinem sympathischen Augenzwinkern. »Stattdessen wollte ich Geld verdienen – für ein Mofa oder ein Auto, das war mein Traum! Und dann schnell wieder nach Hause.« Eine Schaufel und etwas Kohle – so waren seine Vorstellungen vom Bergbau. Ein Bild, das schnell von der Realität geradegerückt wurde. Genauso wie seine Pläne, nach kurzer Zeit nach Griechenland zurückzukehren.

Ioannis Papadopoulos blieb. Auch wenn er nicht studierte, faul war der blitzgescheite junge Mann nun wahrlich nicht. Die Arbeit ging ihm von der Hand, daneben engagierte er sich früh in der Gewerkschaft Bergbau, wurde Betriebsrat – zuerst auf Victor 3/4 und später auf der Kokerei Hansa. Peu à peu wurde das Gastland zur neuen Heimat, auch wenn er erst nach 25 Jahren bewusst den Rückkehrgedanken aufgeben sollte. Mittlerweile brachte er sich in der griechischen Gemeinde Castrop-Rauxel ein, deren 1. Vorsitzender er heute ist, ebenso wie in der Agora.

Ioannis Papadopoulos ist ein Mensch, der sich stark macht für seine Mitmenschen, sei es im Bürgerausschuss, im Integrationsrat, im Verein ›Heimat und Kultur e.V.‹, in der Bürgerstiftung Agora und durch Letztere seit Kurzem sogar wieder für seine Geburtsstadt. »Seit Anfang des Jahres unterstützen wir in Kooperation mit ›Menschen in Not‹ einen Verein für Krebskranke in Edessa. Wir helfen da, wo Hilfe benötigt wird – ganz konkret mit praktischen Mitteln wie Rollstühlen, Rollatoren oder Infusionsständern. Das Schöne ist, dass wir durch einen alten Schulfreund von mir einen Ansprechpartner vor Ort haben, der zuverlässig ist, nicht nur redet, sondern anpackt und handelt.« Inzwischen geht jeden Monat ein Lkw auf Tour nach Griechenland.

52 Jahre in Deutschland – feiert Ioannis Papadopoulos eigentlich griechische oder deutsche Weihnacht? »Ach, so groß ist der Unterschied gar nicht. Früher in Griechenland, war es schon etwas anders. Wir gingen als Kinder von Haus zu Haus, haben gesungen und bekamen Süßigkeiten und Plätzchen. Insgesamt war es viel schlichter, als es heute ist – aber ist das nicht überall so? Ansonsten ist das griechische Weihnachten eigentlich wie das deutsche Weihnachten: Abends gehen wir in die Kirche, und anschließend, so gegen Mitternacht, treffen wir uns mit allen Verwandten, essen, trinken, reden und freuen uns, dass wir zusammen sind.« Wir wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest, Herr Papadopoulos – Kala Christougenna!

Die Bürgerstiftung AGORA wurde 2007 von engagierten Bürgern, insbesondere mit Unterstützung der Griechischen Gemeinde, der evangelischen Kirche und Unternehmen der Region gegründet.
Ziele:

  • Förderung der Verständigung im Rahmen des interkulturellen Zusammenlebens zwischen allen hier lebenden Menschen
  • Förderung und Unterstützung von Maßnahmen zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund
  • Förderung von Bildung, Erziehung und Wissenschaft
  • Förderung der Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe
  • Förderung des Sports, insbesondere im Bereich des Breiten- und Nachwuchssports
  • Förderung von Kunst und Kultur
  • Förderung von Umwelt- sowie Naturschutz und Landschaftspflege
  • Förderung des interreligiösen Dialogs

www.buergerstiftung-agora.de

›Menschen in Not‹
Seit 30 Jahren unterstützen Stifter Alfons Lakenberg und sein Team gemeinsam mit Partnern und Förderern behinderte und verarmte Menschen in Osteuropa und Deutschland. Dabei sind Ostrumänien und Ostukraine der zentrale Schwerpunk der Stiftungsarbeit. Daneben wird die zunehmende Not im eigenen Land nicht außer Acht gelassen: Auch hier vor Ort wird Menschen geholfen.

www.stiftung-min.de

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