Stadtmagazin Castrop-Rauxel: In der Stadt

»Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf'm Sonnendeck!«

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Kanalfahrt mit der ›MY Chevignon‹

Man lernt das Matrosenleben nicht durch Übungen in einer Pfütze.
Franz Kafka (1883–1924)

Es gibt Dinge, an denen man als echter ›Ruhrpottler‹ nicht vorbeikommt. Dazu gehören auf jeden Fall unsere wunderbaren Kanäle! Wir haben die grünen Wasserstraßen mit dem Schiff erkundet: einmal vom Nachbarstädtchen Waltrop nach Lünen und Retour!

»Leinen los, die Fender einholen, volle Fahrt voraus!« An Bord müssen alle mit anpacken, um das Schiff startklar zu machen, dann kann es losgehen. Langsam lenkt Skipper Manfred Sinkovic die Zwölf-Meter-Jacht aus der Box. Millimeterarbeit – doch für einen echten Matrosen ein Kinderspiel!

Gerade erst ist er mit seiner Frau Marie-Luise von einem zweimonatigen Törn durch Holland und Belgien zurückgekehrt. In 13 Jahren hat das Paar mit dem eigenen Boot fast 25.000 Kilometer zurückgelegt. »Bei einer Höchstgeschwindigkeit von zwölf Kilometer pro Stunde auf dem Kanal können Sie sich ausrechnen, wie viel Zeit wir auf dem Wasser verbringen«, schmunzelt Manfred Sinkovic. Heute sollen weitere 18 Kilometer dazukommen. Startpunkt ist der Hafen an der ehemaligen Schachtschleuse Henrichenburg. Von hier aus wollen wir den Lüner Preußenhafen ansteuern.

Kaum haben wir das Hafenbecken hinter uns gelassen, verteilt unser Kapitän neue Aufgaben und ich finde mich unversehens am Steuer wieder. Panik! Der gut gemeinte Rat »immer auf’m Kanal bleiben« ist leichter gesagt als getan – die ›MY Chevignon‹, ein ehemaliges Polizeiboot, bietet der Besatzung zwar viel Platz, pflügt sich dafür aber eher schwerfällig durch das Wasser. So bedarf es einer kurzen Eingewöhnungsphase (samt Schrecksekunde, weil wir plötzlich ungewollt auf das Ufer zurasen …), ehe ich den ›Dreh‹ heraushabe und die Fahrt bei Sonne und gemütlicher Windstärke zwei genießen kann.

Aus dem Dortmund-Ems-Kanal biegen wir in den Datteln-Hamm-Kanal Richtung Lünen ein. Es ist wirklich spannend, die Landschaft einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten.

Wir unterqueren mehrere Brücken und passieren den Lüner Stadthafen, der vor dem Ersten Weltkrieg als Kohle-Umschlagplatz für das Bergwerk der damaligen Gewerkschaft Victoria entstanden ist. Inzwischen werden hier verschiedene Stück-, Schütt- und Recyclinggüter gelagert und weitertransportiert. Über Wasserwege sowie Schienennetze ist die Anlage mit den wichtigsten wirtschaftlichen Zentren Europas wie Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sowie den norddeutschen Häfen verbunden. Sogar ein Frachter aus Tschechien kommt uns entgegen. Am Ufer sehen wir immer wieder Spaziergänger und Radfahrer.
»Über das Wasser kann man viele schöne Ecken erreichen«, erzählt Manfred Sinkovic. »Natürlich ist der Erfolg solcher Fahrten immer etwas vom Wetter und der Infrastruktur der Häfen abhängig. In den letzten Jahren sind gerade die Ruhrgebietskanäle um einiges sportbootfreundlicher geworden. Und wenn es uns nicht gefällt, dann fahren meine Frau und ich eben weiter – unser ›Hotel‹ samt Schlafkajüte, Küche, Bad, Fernseher und Elektro-Räder haben wir ja dabei.«

So handhaben wir es auch heute. Eigentlich hatten wir mit einem kleinen Landgang geliebäugelt, doch da sich der Himmel zuzieht, drehen wir über Backbord ab und machen uns auf den Heimweg. Nach vier Stunden, viel Sonne und Wind endet der Ausflug ›im Schatten des Schiffshebewerks‹. Doch Manfred Sinkovic und seine Frau haben ihre nächsten Törns schon geplant.

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