Stadtmagazin Castrop-Rauxel: In der Stadt

863 Kilometer bis Nowa Ruda!

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Der Neuroder Platz auf Schwerin

Der 1. Markttag auf dem Neuroder Platz am 20. Mai 1960 war unbestritten ein großes Ereignis. »Die Händler priesen lautstark ihre Waren an, rappelvoll war es an den Ständen und wir Kinder bekamen Obst geschenkt«, erinnert sich Horst M., der damals in der Nähe wohnte. »Das ganze Dorf schien auf den Beinen zu sein!«

Es hatte ja auch lange genug gedauert, den Ort aus seinem ›Dornröschenschlaf‹ wachzurütteln. Selbst als 1878 auf Graf Schwerin die erste Kohle abgebaut wurde, war die Gegend, die damals noch zu Westhofen gehörte, alles andere als ein lebendiges Pflaster. Außer der Zeche und den von Wiesen und Feldern umrahmten Koloniehäusern gab es hier nicht viel zu sehen. Wer einkaufen wollte, musste weitere Wege in Kauf nehmen. Die Straßen, die als ›Verbindung zur Außenwelt‹ dienten, waren lediglich mit Kesselasche befestigt und spärlich beleuchtet.
Erst um die Jahrhundertwende kam Leben ins Viertel. Und das nicht nur in Form einzelner Geschäfte. Plötzlich sprossen an jeder Ecke die ruhrgebietstypischen Kneipen und Gaststätten aus dem Boden. Hier genoss der ›Kumpel‹ nach Schichtende sein Feierabendpils, es wurden Feste gefeiert und politische Versammlungen abgehalten. Seit 1907 rumpelte die Straßenbahn durch den Ort. Doch an Stelle des Neuroder Platzes befand sich nach wie vor Ackerland.

1936 wurde der Name Schwerin, der sich im Volksmund längst verselbstständigt hatte, offiziell eingetragen. 1939 plante die Stadtverwaltung die Schaffung eines städtebaulichen Mittelpunktes für den Stadtteil. Zu diesem Zweck sollte ein südwestlich des Zecheneingangs gelegenes Gelände zum Marktplatz umgestaltet werden. Aber erst lange nach dem Krieg wurde das Projekt in Angriff genommen. Von den ersten Vorbereitungen 1958 über den Eintrag in den Stadtplan 1959 bis hin zur Eröffnung 1960 vergingen weitere Jahre. Und erst 1961 erhielt der Markt seinen aktuellen Namen: Neuroder Platz!

Bereits 1953 hatte Castrop-Rauxel eine Patenschaft für die 863 Kilometer entfernte Bergarbeiterstadt Neurode übernommen. Viele niederschlesische Familien lebten inzwischen ›auf Schwerin‹. Um die heimatlichen Bande lebendig zu halten, veranstaltete man regelmäßig sogenannte ›Neuroder Heimattreffen‹. Bei der 10. Ausgabe wurde im September 1962 der Neuroder Gedenkstein am Schweriner Markt enthüllt und der Platz offiziell umgetauft.

Heute ist das Leben auf dem Neuroder Platz wieder etwas ruhiger geworden. Das geschäftige Treiben hat sich ein wenig an die Dortmunder Straße verlagert. Einen Wochenmarkt wie in alten Zeiten gibt es nicht mehr. Beliebt ist dagegen der Adventsbasar, der von den örtlichen Parteien, Vereinen und Interessensgruppen alle Jahre wieder gemeinsam organisiert wird.

38. Neuroder Heimattreffen
7./8.9. in Castrop-Rauxel
www.grafschaft-glatz.de

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