Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Menschen

Bühnenzeit

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Interview mit Julia Breier

Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters.
Es ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen,
die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt
und sich damit auf und davon gemacht haben,
um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.

Max Reinhardt, Theaterregisseur (1873–1943)

Wie Ute Lemper im Rampenlicht stehen und das Publikum verzaubern – was sich viele junge Mädchen erträumen, ist für Julia Breier Lebensinhalt. Die Castrop-Rauxelerin tanzt und singt, seit sie stehen bzw. sprechen kann. Als Gewinnerin der Stadtmagazin-Verlosung (Ausgabe 90) besuchte sie den dreitägigen Workshop der Hamburger Stage School für Tanz, Gesang und Schauspiel, der im Juni in Dortmund angeboten wurde. Deutschlands größte private Schule für Performing Arts gilt als Sprungbrett für eine Karriere im Showbiz. Nun ist Julia zurück und wir wollten natürlich wissen, wie es war!

Jeder musste vorsingen
»Super«, strahlt sie. »Wir waren eine coole Truppe und die Dozenten hatten richtig Bock auf uns!« Los ging es am Freitag den 7. Juni schon um 11 Uhr vormittags. Um sich einen Überblick zu verschaffen, wen sie da eigentlich vor sich hatten, ließen die Lehrer die 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erst einmal vorsingen – vor der Gruppe. »Fast alle Kandidaten brachten schon etwas Erfahrung mit, sei es durch die Schulband oder die Theater-AG, aber es gab auch einige Anfänger, die von Atemtechniken noch nie etwas gehört hatten. Die hatten natürlich Hemmungen. Doch letztendlich haben sich alle getraut.«

»Ich liebe diesen Nervenkitzel«
Für die Zwanzigjährige selbst ist Lampenfieber ein Fremdwort. »Meine ›Bühnenkarriere‹ begann schon mit Zwei bei den Schauspielzwergen in Bochum, außerdem habe ich im Kinderballett Herne und später in der Ballettschule Düsseldorf getanzt, da verliert man jegliche Scheu. Für meine Mama war es ein echter Fulltime-Job, mich immer überall hinzufahren!« Vom Bochumer Schauspielhaus wurde Julia Breier regelmäßig als Kinderdarstellerin für ›schwierige‹ Rollen gebucht (»meine Figuren haben sich ständig umgebracht«), im Musical ›Tabaluga und Lilli‹ in Oberhausen war sie Schneeballkind und in der RTL-Serie ›Ritas Welt‹ mit Gabi Köster mimte sie die Flöte spielende Nichte. »Aber das Theater gefällt mir besser, da erlebt man die Reaktionen des Publikums live mit – ich liebe diesen Nervenkitzel!«

»Mich kann man von der Bühne eh nicht fernhalten«
Kein Wunder, dass sie inzwischen Musik in Dortmund (Schwerpunkt Gesang und Klavier) studiert. Tänzerisch ist Julia Breier vom Ballet zum Jazzdance (bei ›Dance City‹ in Castrop-Rauxel) umgeschwenkt. Darüber hinaus kann man das Nachwuchstalent derzeit im Musical ›Cabaret‹ im Theater Oberhausen sehen und hören. »Für die Proben musste ich mir sechs Wochen Auszeit von der Uni nehmen«, erzählt sie lächelnd. »Meine Dozenten waren einverstanden, sie meinten, dass man mich ja von der Bühne eh nicht fernhalten könne.«

Tricks aufgeschnappt
Wir fragen uns: Was kann jemand mit einem solchen Erfahrungsschatz in einem Dreitage-Workshop überhaupt noch dazulernen? »Viel, und das unterschiedliche Niveau in der Gruppe hat die Sache umso spannender gemacht. Beispielsweise habe ich einige ganz einfache Tricks aufgeschnappt, die ich bis dahin noch nicht kannte: Dass man den Adrenalinspiegel senken kann, in dem man ein paar mal die Treppe rauf und runter läuft oder dass man Körperspannung erzeugt, indem man aus der Hocke singt – superanstrengend für die Oberschenkel.«

Bad in Cheeseburgern
Eine sportliche Herausforderung war auch das Tanztraining: »2,5 Stunden am Stück, das bin ich nicht gewohnt und es ging ziemlich auf die Kondition!« Im Chor übernahm Julia Breier kurzerhand die tiefe Altstimme anstatt wie gewohnt den Sopran. »Und im Fach Liedinterpretation war es total interessant zu sehen, wie sich die anderen präsentieren.« Am allermeisten habe sie aber vom Schauspielunterricht profitiert: »Dabei erfährt man viel über sich selbst. Ich war überrascht, wie stark meine Vorstellungskraft ist und wie leicht es mir fällt, bestimmte Emotionen abzurufen: In einer Sekunde habe ich Tränen in den Augen und in der nächsten bade ich lachend in einem Meer aus imaginären Cheeseburgern.«

»Ich will mich ausprobieren!«
Zum Abschluss des Workshops wurde das erprobte Programm vor Angehörigen und Freunden vorgestellt. Für einige der Teilnehmer war die Bühnenzeit damit erst einmal zu Ende. Nicht so für Julia Breier. Ihr wurde ein Platz an der Stage School in Hamburg angeboten. Doch sie hat andere Pläne. »Den Besuch einer privaten Schule kann ich mir außerdem gar nicht leisten.« Im Moment reizt sie der Gedanke, sich nach ihrem Bachelorabschluss an einer künstlerischen Hochschule für Musicalgesang oder Schauspiel zu bewerben. »Ich mag  die Vielfalt, daher fällt es mir schwer mich für eine Richtung zu entscheiden. Am liebsten möchte ich so viele verschiedene Sachen wie möglich spielen, um mich auszuprobieren.«

Eins steht fest: Wenn Julia Breier in zehn Jahren am Broadway spielt, werden wir sie erneut um ein Interview bitten!

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen