Stadtmagazin Castrop-Rauxel: In der Stadt

Gemeinsam stark

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Familienzentrum GROß und klein

Morgens 9 Uhr in Habinghorst: Rund 60 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren aus 15 Nationen tummeln sich unter dem Dach der Kindertagesstätte der AWO an der Recklinghauser Straße. Die Reste des gemeinsamen Frühstücks stehen noch auf den Tischen, doch die meisten Knirpse sind schon aufgesprungen. Zara, Noah und Ella haben die Ballgrube für sich entdeckt, während Yousra, Esma, Anda und Joline in gemütliche Kissen gekuschelt den Geschichten ihrer Erzieherin lauschen. Für einige andere beginnt gleich die Sportgruppe. Und all dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem bunten Angebot, mit dem die Einrichtung im Verbund mit der Ev. Kita Senfkorn und der Ev. Kita Arche als ›Familienzentrum GROß und klein‹ aufwartet.

Lebensnahe Angebote von A bis Z
»Seit 2007 sind wir Familienzentrum, 2008 wurden wir nach den Gütesiegelkriterien des Landes NRW zertifiziert«, erzählt Leiterin Melanie Steinhäuser. »Zugrunde liegen das neue Kinderbildungsgesetz (KiBiz §16) sowie ein Beschluss der Stadt Castrop-Rauxel von 2007, nach dem alle Kindertageseinrichtungen im Verbundsystem zu Familienzentren weiterentwickelt werden sollen. Ziel ist es, Familien in unterschiedlichen Lebenslagen mit trägerübergreifenden, wohnortnahen Hilfen zu unterstützen, die weit über die ›klassischen‹ Aufgaben der Kinderbetreuung hinausgehen.« Das Programm ist vielfältig, reicht vom offenen Elterncafé über Spielgruppen, Selbstverteidigungskurse für Vorschulkinder, Beratung von türkischen Müttern für türkische Mütter, Sprachförderprogramme, Elternsport, Rückenschule, Mutter-Kind-Turnen und Besuche auf dem Bauernhof bis hin zu Fach- und Informationsveranstaltungen zu Themen wie Ernährung, Erziehung, Kochen, Energie, Haushaltsbücher, Spracherwerb, Impfungen und, und, und. Bei der Umsetzung wird mit verschiedenen Partnern wie der Erziehungsberatungsstelle Vest, dem Jugendamt, dem Gesundheitsamt, der Verbraucherzentrale, Grundschulen, Therapeuten, Zahn- und Kinderärzten kooperiert.

»Wir sitzen alle in einem Boot!«
»Da wir von Fördergeldern des Landes profitieren, können wir ein breit gefächertes Angebot zu sehr geringen Kosten aufstellen«, so Melanie Steinhäuser. »Dabei ist es natürlich wichtig, über den Tellerrand zu schauen, wo Bedarf besteht, und die Angebote so niederschwellig und alltagsnah wie möglich zu gestalten.« Sie erklärt: »Der Gang zum Kinderpsychologen beispielsweise birgt für Eltern eine große Hemmschwelle. Doch wenn sie den Arzt hier im Haus vorfinden, dann sieht die Sache schon anders aus!« Helga Moritz-John von der Kita Senfkorn und Petra Ulbrich von der Kita Arche bestätigen: »Innerhalb eines großen Netzwerks sind wir die persönlichen Ansprechpartnerinnen, denen die Eltern vertrauen und an die sie sich im Problemfall wenden, bei denen sie sich verstanden und angenommen fühlen. Egal, ob städtisch oder kirchlich: Wir sitzen alle in einem Boot, wollen unsere Ressourcen für die Familien vor Ort bündeln.« Übrigens kann das offene Programm des Familienzentrums einrichtungsunabhängig von allen Familien in Ickern und Habinghorst wahrgenommen werden.

Wo die Milch herkommt
Ein großes Thema ist derzeit natürlich der Spracherwerb. »Die Familienstrukturen haben sich verändert«, weiß Melanie Steinhäuser. »Wenn die Mutter allein erziehend ist oder beide Elternteile arbeiten müssen, gibt es weniger Gelegenheiten zusammenzukommen und zu reden. Gemeinsame Mahlzeiten und Rituale sind nicht mehr selbstverständlich.« Petra Ulbrich ergänzt: »Oft dient der CD-Player als Vorleseersatz. Dabei ist gerade das Vorlesen so wichtig, nicht nur, weil es die Sprachkompetenz stärkt, sondern auch, weil man gemeinsam Zeit verbringt.« In der Kita steht Gemeinschaft daher ganz oben auf der Agenda: Es wird zusammen gegessen, gespielt, erzählt und gebacken. Regelmäßig besuchen die Gruppen den nahe gelegenen Bauernhof – gerne unter Mitwirkung engagierter Eltern. Wo kommt die Milch, wo die Frikadelle her? Wie wird die Wolle zum Pullover? Solche und andere Fragen sind für viele Knirpse im Zeitalter von Milka-Kuh und Big Mac nicht mehr so leicht zu beantworten. »Auf dem Bauernhof bekommen unsere Kinder den gesamten Kreislauf mit«, lächeln die Erzieherinnen. »Wir gehen in den Hühnerstall, sammeln die Eier ein und machen daraus Rührei, säen und ernten. So können die Kinder über das Jahr verteilt beobachten, wie aus dem winzigen Korn in der Erde ein Radieschen entsteht!«

Interessant für Familien, die ihr Kind in einer der drei zum Familienzentrum gehörenden Einrichtungen angemeldet haben: Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, bietet der Verbund außerhalb der Kernöffnungszeiten von 7 bis 16 Uhr eine Randzeitenbetreuung an. Kinder ab 2 Jahren werden ab 6 Uhr morgens bzw. bis 19.30 Uhr abends durch qualifizierte Tagesmütter betreut.

AWO Kita Habinghorst
Recklinghauser Str. 329
44579 Castrop-Rauxel
Tel. 0 23 05 / 7 59 34

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