Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Sport und Freizeit

Faszinierende Unterwasserwelten

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Zu Gast bei Kraken und Korallen

Malerische Korallenriffe, bunte Fische, geheimnisvolle Wracks … Schon wenige Meter unter der Wasseroberfläche eröffnen sich Welten wie aus dem Märchenbuch. Mit dem Versprechen, einen schnellen Einblick in die ebenso fremden wie faszinierenden Sphären zu erhaschen, locken die Tauchbasen des Südens jährlich hunderttausende Touristen an. Sind aber Crashkurse an Urlaubsorten zu empfehlen? Wie aufwendig ist eine solide Tauchausbildung? Was sollte man bei maritimen Abenteuern beachten? Wir haben beim Tauchverein Castrop-Rauxel e.V. (TCR) nachgefragt: Kirsten Merten (1. Vorsitzende/ Tauchlehrerin) und Dr. Volker Wagner (2. Vorsitzender) sind dem Tauchsport seit Jahren verbunden und geben ihre Erfahrungen gerne weiter.

Wie haben Sie persönlich zum Tauchsport gefunden?

Kirsten Merten: Ich habe meinen ersten Tauchkurs während des Studiums in Münster gemacht. Ein Teil der Praxis wurde im Rahmen eines Tauchurlaubs in Cadaqués absolviert. Die Erfahrungen in der Gruppe haben mich so begeistert, dass ich dem Sport bis heute treu geblieben bin.
Dr. Volker Wagner: Ich kam erst relativ spät dazu. Der Wunsch war allerdings schon viel, viel früher vorhanden. Aber wie das oftmals so ist, wurde die Realisierung immer wieder verschoben. Mit 50 sagte ich mir: Jetzt oder nie!

Was fasziniert Sie am Tauchen?

Kirsten Merten: … dass sich mir eine Welt erschließt, für die der Mensch nicht gemacht ist. Dabei genieße ich besonders das Gefühl der Schwerelosigkeit und die Ruhe. Tauchen ist ein langsamer, fast meditativer Sport, bei dem man sich auf wenige, wesentliche Dinge konzentriert. Auch fasziniert mich die Tier- und Pflanzenwelt unter Wasser, wobei es nicht primär die großen oder auffällig bunten Fische sind, die mich reizen, sondern eher die kleinen, gut getarnten Lebewesen, wie man sie z. B. im Mittelmeer findet, bei denen ich ganz genau hinschauen muss.
Dr. Volker Wagner: Seit frühester Kindheit bin ich an der Tierwelt interessiert, insbesondere an allem, was im Wasser lebt – aus dem Grund bin ich Biologe geworden. Das entspannte ›Schweben‹ unter Wasser bedeutet jedoch keinesfalls, Konzentration und Achtsamkeit zu verlieren. Ich muss zu jeder Zeit die Kontrolle über mich und meine Ausrüstung haben und im ständigen Kontakt mit meinem Buddy bleiben. Diese Kombination von Entspanntheit, Fokussierung und Selbstbeobachtung macht den Kopf frei vom Alltag. Unter der Wasseroberfläche Gast in einer anderen Welt sein zu können, löst bei mir immer wieder große Freude aus. Leider wird diese Freude aber auch durch den Anblick sterbender Korallenriffe und die Spuren der Umweltverschmutzung getrübt.

Wie lange muss man eigentlich trainieren, ehe man in freien Gewässern tauchen kann?

Kirsten Merten: Der Erwerb des ›Open Water Divers‹ berechtigt zum Tauchen im Freiwasser, also auch an den beliebten Urlaubsdestinationen, wo man von der jeweiligen Tauchbasis im besten Fall einen Guide an die Hand bekommt. Ich rate jedoch jedem Anfänger, Vereinsfahrten wahrzunehmen, um Routine zu erlangen. In der Regel begleiten erfahrene Vereinsmitglieder und oft auch Tauchlehrer die Gruppe, geben Tipps und unterstützen bei Unsicherheiten. Während die Guides der Tauchbasen die Taucher und ihre Fähigkeiten erst einmal kennenlernen müssen, kennen sich die Mitglieder eines Vereins bereits vor der Reise. Dadurch können die Erfahrenen auf die Bedürfnisse der Anfänger besser eingehen.
Dr. Volker Wagner: Eine weitere Voraussetzung ist eine gute Tarierung, also die Kontrolle des Auftriebs, um im Wasser schwebend das Gleichgewicht halten zu können. Diese wird bei Übungstauchgängen in heimischen Gewässern trainiert. Je nach Talent kann man dafür mit 20 bis 50 Tauchgängen kalkulieren.

Tauchen Sie immer mindestens zu zweit? Wie tief gehen Sie runter?

Dr. Volker Wagner: Eine der Grundregeln lautet: ›Tauche niemals allein‹. Das Buddy-System gilt auch in der Gruppe, wo Zweier- oder Dreier-Teams innerhalb der Gruppe zusammenbleiben. Ich tauche am liebsten in Tiefen zwischen 10 und 20 Metern. Hier sind die Unterwasserfarben noch intensiv. Man muss auch bedenken: Je tiefer man runter geht, desto mehr Luft verbraucht man und desto kürzer wird der Tauchgang.
Kirsten Merten: Die maximale Tauchtiefe beträgt selbst für erfahrene Taucher 40 Meter und sollte aufgrund des Gefahrenpotenzials nicht überschritten werden.

Für viele Menschen sind tiefe, dunkle Gewässer ein bisschen unheimlich. Man liest auch immer mal wieder von Tauchunfällen. Was würden Sie Personen sagen, die Sicherheitsbedenken haben?

Kirsten Merten: Grundsätzlich ist Respekt sinnvoll, weil er dazu beträgt, dass man sich seine Grenzen bewusst macht und Tauchgänge sorgfältig plant. Der größte Teil der Sporttauchgänge verläuft ohne Zwischenfälle. Wenn es jedoch zu einem Unfall kommt, sind oft Faktoren wie Leichtsinnigkeit, Missachtung von Sicherheitsregeln, medizinische Probleme oder Überforderung im Spiel – Dinge, die sich durch gutes Training und Umsichtigkeit vermeiden lassen. Zuletzt bleibt festzuhalten, dass niemand tauchen muss, wenn er das nicht möchte, da das Wohlbefinden des Tauchers die Grundvoraussetzung für einen angenehmen und sicheren Tauchgang darstellt.
Dr. Volker Wagner: Statistisch gesehen ist das Gerätetauchen nach einer professionellen Ausbildung sicherer als Skifahren oder Reiten. Ein seriöser Tauchschein schließt das Erlernen von Notfallprozeduren ein. Beginnen sollte man auch eher mit flachen Tauchgängen bei gutem Tageslicht. Ein Nachttauchgang muss nicht gleich am Anfang stehen. Ich persönlich rate daher von Crashkursen am Urlaubsort ab, wo oftmals der Tauchschein nach drei bis fünf Tagen ausgestellt wird. Ganz wichtig: Ängste sollten offen angesprochen werden. Jeder vernünftige Tauchpartner muss diese ernst nehmen. Sich über andere lustig machen und Überheblichkeit sind ein No-Go!

Was war Ihr außergewöhnlichstes Unterwasser-Erlebnis?

Kirsten Merten: Ich habe in Mexiko einen Tauchgang mit Walhaien machen dürfen. Aber auch ganz ›normale‹ Tauchgänge bieten immer wieder eindrucksvolle Erlebnisse, z. B. einen neugierigen Oktopus oder einen Fischschwarm, der von Makrelen bejagt wird.
Dr. Volker Wagner: Im Komodo Nationalpark konnte ich große Mantas beim spielerischen Umeinanderkreisen beobachten. Es war eine unvergessliche Erfahrung, diese wundervollen Tiere mit einer Spannweite von fünf bis sechs Metern hautnah zu erleben. Da möchte man gar nicht mehr auftauchen. Auch einer meiner ersten Tauchgänge ist mir gut in Erinnerung: Wir tauchten über einem Riffplateau, dann ging es über die Riffkante hinaus. Unter mir nichts als tiefes Blau. Hier bekommt das Gefühl zu schweben nochmal einen besonderen ›Kick‹.

Welche Umweltregeln gilt es beim Tauchen zu beachten?

Kirsten Merten: Taucher sollten darauf achten, Tiere und Pflanzen nicht zu berühren oder zu stören und ausreichend Abstand zu den empfindlichen Lebensräumen, z. B. Korallenriffen, einzuhalten. Eine gute Tarierung hilft dabei, den Gewässerboden nicht aufzuwirbeln oder versehentlich Organismen zu beschädigen. Außerdem sollte nichts aus der Natur mitgenommen werden. Müll hingegen sollte nach Möglichkeit entsorgt werden, sofern dies gefahrlos und ohne Eingriff in den Lebensraum möglich ist. Auch das Füttern von Tieren sollte unterbleiben, da es ihr natürliches Verhalten verändern kann.

Plant der TCR für 2026/2027 wieder Tauchfahrten?

Dr. Volker Wagner: Im August dieses Jahres bin ich mit einer kleinen Gruppe auf Halmahera, der größten Insel der indonesischen Inselgruppe der Molukken. Diese Region gilt unter Tauchern als echter unberührter Geheimtipp. Für Juli 2027 planen wir zudem eine Vereinsreise auf die kroatische Insel Krk.
Kirsten Merten: Darüber hinaus sind Tagesausflüge zu weiter entfernt liegenden deutschen Destinationen wie zum Kreidesee Hemmoor oder zum Tauchsportzentrum Nordhausen angedacht.

Infos zu Trainingszeiten & Schnuppertauchen: tauchen-cr.de

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