Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Kunst und Kultur

Kleines Skelett rockt in Becklem

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Interview mit ›Little Dead Boy‹

Es war einmal ein kleines Skelett, das lebte in einer düsteren Welt voller Aliens und Zombies. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, gründete es eine Rockband. Mit dabei: eine Hexe an der fliegenden Gitarre, ein Werwolf – Korrektur – Werhamster am Bass und eine Vogelscheuche mit zwei linken Händen am Schlagzeug. Ein paar Jahrhunderte später: ›Little Dead Boy‹ hat seinen ersten Radio-Hit und nimmt in einem kleinen Tonstudio in Becklem ein Album auf.

Vom Cartoon zum Bandprojekt

»Eigentlich gibt es zwei Bands, eine fiktive Cartoonband und eine richtige«, verrät Andy Dommen, Schöpfer der Lieder und Geschichten um den ›kleinen toten Jungen‹. »Alles begann in den 90ern mit meiner Oma, die irgendwann sagte, sie warte auf den Tod, aber der sei wohl anderweitig beschäftigt. Daraufhin habe ich mich gefragt: Warum kommt er zu spät? Es stellte sich heraus: Der Sensenmann war ungewollt alleinerziehender Vater geworden. Statt Seelen zu sammeln musste er Windeln wechseln. ›Little Dead Boy‹ war geboren! Da ich aber nicht nur Zeichner, sondern vor allem auch Musiker bin, entstanden passend zu den Cartoons bald immer mehr Songs.«

Dieses Gerippe passt in keine Schublade

›Scum-Rock‹, so lautet der frei erfundene Name für die Musikrichtung, die sich in keine Schublade stecken lassen will: Dark Alternative- und Metal-Elemente mischen sich mit Pop- und Elektroeinflüssen, eingängige Akustikstücke wechseln mit energiegeladenen Rocknummern. »Ein bisschen the Cure, ein bisschen the Prodigy, aber doch irgendwie ganz anders«, sagt Leadgitarrist Tommek Noack. Neben Andy Dommen (Gesang, Gitarre) und Susan Lachermund (Gesang) gehört er zur realen Besetzung hinter dem schauerlichen Quartett. Als Tontechniker sorgt der Castrop-Rauxeler zudem für die richtige Abmischung, sowohl auf der Bühne als auch im Studio ›Mike Surprise‹ in Becklem. Verstärkend hinzu kommen je nach Bedarf James Vile (Gitarre und Bass), Ray Benchman (Cello), Tania Bräcklein und Oliver Leuschner (Violine) sowie Jay Van Ijzer, der sich den Part der Vogelscheuche mit Drummer Martin Freund teilt – »die beiden haben eben jeweils nur eine linke Hand«, scherzen Andy und Tommek.

Liebenswerte Monster und herzlose Zombies

Wenn ›Little Dead Boy‹ die Bühne rockt, dann ist das mehr als ein Konzert. Es ist ein Musical, oder sollte man sagen: Cartoonical? Jeder Song erzählt eine andere Story, mit dem kleinen Skelett in der Hauptrolle: Unterwegs in der fiktiven Stadt ›Greyville‹ – eine Anlehnung an die Zeit raubenden grauen Herren aus Michael Endes ›Momo‹ – muss es viele Abenteuer bestehen und auch zwischenmenschliche, pardon, zwischenmonsterliche Probleme meistern. »Es sind nicht ›Little‹ und seine Freunde, die Greyville zu einem finsteren Ort machen«, stellen die Musiker klar, »im Gegenteil: Eigentlich handelt es sich bei diesen Figuren um liebenswerte Geschöpfe, die aufgrund ihrer Andersartigkeit ausgegrenzt und verspottet werden, während die ›Zombifizierung‹ der herz- und hirnlosen Gesellschaft weiter um sich greift.« Realsatire im Dark Fantasy-Gewand. Doch: Ein zarter Hoffnungsschimmer zeichnet sich am Horizont ab, wenn Skelett Little und Hexe Liz zum Duett anstimmen. Laut einer uralten Prophezeiung sollen die beiden ein Liebespaar werden.

Weltretter im Radio!

»Die 26 Patentanten der kleinen Hexe sind von der sich anbahnenden Romanze gar nicht begeistert, sie fürchten, dass Gevatter Tod auf’n Kaffee vorbeikommt und sie mitnimmt, da sie alle schon über 600 Jahre alt sind«, verrät Andy mit einem Augenzwinkern.»Es besteht aber eine gute Chance, dass die Musik alle Hindernisse überwindet, den letzten Funken Lebensenergie in den Zombies neu entfacht und die Liebe über das Böse siegen lässt.« Und wer weiß, vielleicht retten ›Little Dead Boy‹ und seine Freunde am Ende sogar die ganze Welt …? Im Pott ist der ›Funke‹ jedenfalls schon übergesprungen: So kämpfte sich die schaurigschräge Kombo mit ›Revolution Evolution Love‹ bis auf Platz drei der Ruhrcharts von Radio Bochum vor. »Wenn alles wie geplant läuft, wird unsere erste CD made in Castrop-Rauxel im Frühling 2018 erscheinen«, freut sich Tonmeister Tommek. »Darüber hinaus wird einer unserer Songs auf dem Soundtrack des Indie-Horrorfilms ›Feed The Reaper‹ zu hören sein.« Auf der Bühne wollen die Künstler künftig noch stärker Richtung ›Live-Hörspiel‹ gehen, Lieder mit Theaterelementen verknüpfen. Denn: Das musizierende kleine Skelett hat noch viele Geschichten zu erzählen!

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