Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Kunst und Kultur

Ballermann, Obszönitäten, Intellektualität und Herzschmerz

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Im Gespräch mit Tegtmeiers Erben C. Heiland

Er nennt sich ›C. Heiland‹, wer eignet sich besser für ein Interview in der Weihnachtsedition des Stadtmagazins? Quasi als Silvesterknaller machte er sich vor rund 40 Jahren auf und erblickte am 1. Januar 1977 in Castrop-Rauxel als erstes Baby des neuen Jahres das Licht der Welt. Gibt es einen passenderen Gesprächspartner für diese Ausgabe? Und dann wurde der heutige Berliner unlängst noch mit einem der renommiertesten Kabarettpreise ausgezeichnet: Tegtmeiers Erben – aus Ruhrgebietssicht wohl der Kleinkunstpreis per se. Ganz klar, wir kommen gar nicht umhin, mit ihm zu sprechen: mit Musik-Comedian Christian Halangk alias C. Heiland.

Schräge Songs, abstruse Storys, eine Witzspannbreite vom tiefsten Flachland bis zum höchsten Gipfel ...  Wer Sie live erlebt, merkt schnell: Der Typ ist anders, aber so was von anders! Wie kommt man auf solch ungewöhnliche Ideen?

Meine Psychiatrie-Tätigkeit in der forensischen Abteilung mit kranken Straftätern war ungemein inspirierend. Man kann mit Humor meiner Ansicht nach nahezu alles am besten kompensieren. Die logische Schlussfolgerung war in meinem Fall dann wohl offenbar Comedian.

Sie haben ja auch Psychologie studiert. Warum Psychologie?

Vor allem, weil meine damalige Freundin zu mir sagte: »Wenn du irgendwas mit Theater oder Musik studierst, trenn’ ich mich von dir!« Und auch ein kleines bisschen aus Interesse an menschlichen Abgründen. Insgesamt waren es sogar 26 Semester, weil ich schon während des Studiums einen gut bezahlten Job hatte in der ›Geschlossenen‹, der mich so einnahm, dass ich keine Zeit mehr zum Studieren hatte. Letztendlich aber habe ich das Studium wohl deshalb drangegeben, weil kurz vor dem Abschluss die Bühnenkarriere dazwischen kam ... Trotz fehlendem Abschluss hatte ich allerdings das Glück, ein kognitives Denktraining erfunden zu haben, welches mir ein Patent und somit den Status als ausübender Psychologischer Berater ermöglichte.

Wann standen Sie das erste Mal auf der Bühne?

Immer schon, selbst in der Jugend habe ich Theater gespielt und einigen Punk- und Rockbands als Sänger vorgestanden. In der Studienzeit war es offiziell natürlich eher Hobby, da der Erfolg fast gänzlich ausblieb. Aber ich bin beharrlich drangeblieben. 2009 sprach mich eine Booking-Agentur an, schon nach meinem zweiten Auftritt in einer OpenStageShow im Scheinbar Varieté in Berlin. Da habe ich nicht lange gezögert. Aber erst 2014 habe ich meinen Job als Psychologe aufgegeben.

Apropos Punk- und Rockbands, apropos eigene Musik ... Gibt es Vorbilder, Idole?

Ich bin ein Riesenfan von Richard Hawley aus Sheffield, Rockmusiker und der größte Sänger der Welt. Textlich verehre ich Paul Heaton aus Hull, der ehemals Frontmann von The Housemartins und The Beautiful South war. Man sieht also: Ich bin sehr anglophil. Die Ohrwürmer des BritPop hatten es mir schon immer angetan. Aber auch das andere Extrem, etwa die Einstürzenden Neubauten mit ihrer konsequenten Art und ihrem Habitus, faszinierte mich. So ähnlich dual gehe ich heute auch bei meiner eigenen Kunst vor: Ballermann, Obszönitäten, Intellektualität und Herzschmerz eben. So wie das Leben halt ist.

Erzählen Sie uns etwas übers Omnichord. Was ist das? Wie sind Sie darauf gestoßen?

Ich hatte nie das wirklich passende Instrument gefunden, das mich adäquat begleiten konnte, da ich zwar einige spielen kann und auch über musiktheoretisches Wissen verfüge, aber zu faul bin, um irgendwas richtig zu lernen. Bis ich eines Tages in Essen auf einem Flohmarkt einen Koffer entdeckte, wo nicht nur ›Omnichord‹ draufstand, sondern auch noch eins drin war! Es kommt, wie ich hinterher herausfand, aus Japan und ist von 1981. Da es wahrscheinlich aufgrund seiner minimalen Funktionstechniken floppte, wurde es bereits einige Jahre später wieder vom Markt genommen. Es wurden noch einige andere Nachfolgemodelle geschaffen, die sich allesamt auch nicht durchsetzen konnten. Ich habe mittlerweile jedes Modell, das es je gab, mindestens einmal. Also eine richtige kleine Sammlung.  

Ihr aktuelles Programm, mit dem Sie auch im Februar in den Flottmannhallen zu Gast sind, heißt ›Der Mann mit dem Schatten‹. Was sind Ihre Schattenseiten?

Ich habe kaum Leichen im Keller! Also eigentlich gar keine. Also eigentlich. Also gar keine.

Dann wieder fällt in Presseberichten über Sie häufiger das Wort ›Romantik‹. Sind Sie romantisch? Was war das Romantischste, was Ihnen je passiert ist?

Ja, ich bin sehr romantisch, von daher müsste die Frage eigentlich lauten: »Was war das Romantischste, was den Frauen passiert ist, die mich kannten oder kennen?«

Wie und wann kommen Sie auf Ihre Einfälle?

Ganz unromantisch: Ich setz mich an den Schreibtisch und bleibe da sitzen, bis mir im besten Fall was einfällt. Nach einer Flasche Wein ist es dann auch meist so weit.

Der Künstlername C. Heiland – reines Wortspiel oder gibt es durchaus eine Verbindung zum Heiland, zum Christentum, zum Glauben?

Nein, gibt es nicht. Ich saß mit einem Freund da, wir haben eine Kiste Bier getrunken und ich fragte ihn, ob er eine Idee für einen Künstlernamen hätte, und er sagte lallend: »Nenn dich doch irgendwie so äh... Heiland. C. Heiland.« Zack, fertig.

Tuttlinger Krähe, St. Ingberter Pfanne, Bielefelder Kabarettpreis, Prix Pantheon – es gab ja schon so einige Nominierungen und Auszeichnungen bei renommierten Preisen. Welchen Stellenwert hat für Sie dabei der Wettbewerb Tegtmeiers Erben?

Einen sehr hohen, denn seit ich den Preis gewonnen habe, kamen schon einige schöne Nachfolge-Sachen, für die ich dankbar bin.

Was wünschen Sie sich fürs nächste Jahr, für die nächsten Jahre?

Gesundheit, Erfolg, Love and Happiness. Und dass ich weiterhin ausschlafen und bei der Arbeit Alkohol trinken darf.

»Krank oder normal? Intellektueller oder Proll? Bei C. Heiland vermischen sich die Ebenen. Hinter seinem 80er-Jahre Omnichord sitzend, persifliert er die Rolle des Alleinunterhalters, aber seine Stimmungslieder brechen mit den Erwartungen des Publikums. Der gelernte Psychiater ist mindestens so schräg wie seine Patienten. Mit seinem bewusst eingesetzten Anti-Humor überzeugte er die Jury von seiner Originalität, die ihn zu einem würdigen Erben Tegtmeiers macht.« So lautete die offizielle Begründung bei der Preisvergabe des Jurypreises ›Tegtmeiers Erben 2017.

Termin

21.02.17, 20 Uhr · Flottmann-Hallen · Herne
C. Heiland · ›Der Mann mit dem Schatten‹
Infos und Tickets unter: www.flottmann-hallen.de

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