Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Kunst und Kultur

Großer Sport

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CAS-KULTUR: Impro-Theater für Körper und Seele

Zu wenig Kulturvielfalt in Castrop-Rauxel? Ein solches Image-Klischee ist zweifellos veränderbar. Hierzu will der im vergangenen Jahr gegründete Verein CAS-KULTUR beitragen, dessen rund 50 Mitglieder sich zum Ziel gesetzt haben, dass sich die Stadt »mit einer vielfältigen und kreativen Kulturszene präsentiert«.

Mit einer Premiere in einer dynamischen Disziplin leistete CAS-KULTUR am 16. November nicht nur einen Beitrag zum kulturellen Image-Wandel: Sechs junge Impro-Theater-Talente bewiesen mit einem kurzweiligen Abend vor 60-köpfigem Publikum im Haus Oestreich, dass Theater auch großer Sport sein und die Barriere zwischen Zuschauerraum und Bühne spielerisch überwinden kann.

Alle zwei Wochen trifft sich die von der Autorin, Dramaturgin und Übersetzerin Dr. Ipek Abali geleitete Improvisationstheatergruppe zum theatersportlichen Training. Entwickelt wurde das ›Theatersport‹-Konzept vom in Kanada lebenden britischen Regisseur und Dramaturgen Keith Johnstone, der für den Wettstreit zweier Schauspiel-Teams um die Gunst des Publikums eigens ein Regelwerk erarbeitete. Hierbei sollten nicht nur Comedy-Effekte in den Vordergrund treten, sondern durchaus auch ernstere Themen auf die Bühne gebracht werden. Dies aber hängt nicht zuletzt vom Input des Publikums ab, das wie bei anderen Spielarten des Impro-Theaters als Stichwortgeber dient und zudem durch Applausentscheid in den einzelnen Disziplinen das Gewinner-Team kürt.

So werden nicht nur Fantasieberufe (›Stechmückensammler‹) in einer asiatisch klingenden improvisierten Fremdsprache (›Jibberish‹) kreativ inszeniert, sondern auch mal ein abstrakteres weltbewegendes Thema wie der Klimawandel als vom Publikum hereingerufenes Stichwort dialogisch umgesetzt. Ganz in Johnstones Sinne wird hierbei die Spielfreude der jungen Akteurinnen und Akteure voll entfaltet, die bereits nach der ersten von insgesamt fünf Übungen auf den ganzen Saal überspringt – über die gesamten gut zwei Theatersport-Stunden gehen die Zuschauerinnen und Zuschauer begeistert mit.

Der Sieg fällt an diesem Abend denkbar knapp aus – am Ende gibt ein einziges per Applausometer gemessenes Dezibel den Ausschlag. Doch erscheint dieser nicht unverdient – ist es dem siegreichen Team doch gelungen, aus einer zufälligen Reihung von Buchstaben, mit denen die jeweiligen Repliken beginnen sollten, ein bis zuletzt stimmiges Beziehungsdrama aufzuführen. Am Ende wurde es dann tatsächlich sportlich, denn den Schlusspunkt markierte eine Rangelei im ›Geologen-Fitnessstudio‹ mit einem Ausspruch, der auch aus der griechischen Mythologie stammen könnte: »Den Stein mach’ ich fertig!« König Sisyphos hätte es kaum treffender sagen können ...

In diesem Sinne will Ipek Abali ihre Theaterarbeit vor Ort auch in Zukunft voranbringen und für Kontinuität sorgen – damit niemand mehr behaupten kann, in Castrop-Rauxel sei nichts los!

Man darf sich auch im Neuen Jahr nicht nur auf weitere sportliche Theaterabende freuen: So lädt CAS-KULTUR für den 1. Februar 2018 ab 20 Uhr zur nächsten Veranstaltung ein – diesmal zu einem etwas anderen Märchenabend in der ›Kulisse – dem Wohnzimmer in der Altstadt‹ (Münsterstraße 1b). Unter dem Motto ›Märchen für Erwachsene‹ werden Texte der Gebrüder Grimm nachgespielt und entsprechend den Wünschen des Publikums abgewandelt.

Weitere Infos: caskultur.com

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