Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Soziales

Wie man das Leben, das Sterben und den Tod meistert

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»Der Tod lächelt uns alle an, das einzige was man machen kann ist zurücklächeln.«
Marcus Aurelius

Ob es uns gefällt oder nicht: Der Tod gehört zu unserem Leben. Ihn aber anzulächeln, wie der Stoiker Marcus Aurelius rät, ist jedoch eine wahre Kunst. Gepflegt wird diese Kunst im Hospiz St. Elisabeth an der Bockenfelder Straße in Dortmund. Ein Gespräch über das Leben, das Sterben und die Gabe, den Tod anzulächeln …

Viereinhalb Jahre besteht das Haus mit den zwölf Einzelzimmern bereits im Dortmunder Westen. Die Gründerin Elisabeth Grümer aus Frohlinde hat eigens eine Stiftung errichtet, die das Hospiz betreibt. Das Einzugsgebiet reicht über die Stadtgrenzen hinaus bis nach Castrop-Rauxel, Bochum und Herne. Das Ruhrgebiet ist eben grenzenlos.

Ehrenamtlich helfen

Das Hospiz ist bei seiner alltäglichen Arbeit auch auf die Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern angewiesen. Wer Mitgefühl, Liebe zum Menschen, Empathie und ein wenig Zeit hat, ist als ehrenamtlicher Helfer willkommen und kann bei administrativen oder gästenahen Tätigkeiten helfen. Mehr unter info [at] hospiz-westrich.de

Aus Castrop-Rauxel kommt auch Andrea Heller. Die gelernte Krankenschwester ist als selbstständige Ernährungsberaterin tätig. Und sie ist eine der rund 20 guten Seelen, ohne die das Hospiz nicht so schön lächeln könnte. »Angefangen hat es mit einem Besuch des Hospizes vor anderthalb Jahren. Mein Mann ist Vorsitzender des Castrop-Rauxeler Lionsclubs ›Philipp von Viermundt‹, dieser hatte die Besichtigung des Hospizes als eine von zahlreichen interessanten Programmpunkten in seine Veranstaltungsreihe aufgenommen«, erzählt sie. Andrea Heller war so beeindruckt von der Arbeit, die dort geleistet wird, dass sie beschloss, ehrenamtlich zu helfen.
Einmal die Woche, für ein paar Stunden hat sie Zeit. Zeit für Gespräche. Zeit für kleine Botengänge und Einkäufe für oder mit den Bewohnern. Zeit, die Kaffeetafel zu decken. Zeit zum Basteln. Aber auch Zeit, für eine halbe Stunde das Empfangstelefon zu bewachen, Wäsche zu waschen oder Geschirr abzuräumen. »Wir tun das, was gerade so ansteht – wie in einem privaten Haushalt auch«, sagt sie und entfernt dezent den Schmutzklumpen, den ich aus dem Hospizgarten mit meinen Schuhen hereingetragen habe.

Natürlich alles ehrenamtlich, natürlich alles ohne Bezahlung. Zumindest keine monetäre. »Ich erfahre hier unglaublich viel menschliche Wärme. Ich darf gute Gespräche mit tollen Menschen führen, spannende Lebensgeschichten kennenlernen, Lebenserfahrungen werden mit mir geteilt. Ich nehme so viel mit«, schildert Andrea Heller dankbar. Und dann ist da ja noch die Freude am Helfen: »Wir versuchen auch, kleine Wünsche zu erfüllen: zum Beispiel eine Cabriofahrt, die sich ein Gast so sehr gewünscht hatte. Dann gab es die ältere, unverheiratete Dame, deren Herzenswunsch es war, einmal (!) ein Brautkleid zu tragen: einen Traum in Tüll, den wir ihr erfüllen konnten.«

Hintergrund

Für den Gast ist der Hospizaufenthalt grundsätzlich kostenlos. Die Pflege- und Krankenkassen übernehmen den größten Teil der Kosten, der Rest wird von der ›Elisabeth-Grümer-Stiftung‹ finanziert, die das Hospiz betreibt. Für einen Aufenthalt ist die Überweisung durch einen Arzt notwendig. Voraussetzung ist eine prognostizierte Lebenserwartung von ca. vier Wochen. Aufgenommen werden Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet. Wer die Voraussetzungen erfüllt und an einem Aufenthalt interessiert ist, kann jederzeit Kontakt mit dem Hospiz aufnehmen und – je nach Platzangebot – sofort einziehen.
Mehr unter: www.hospiz-westrich.de

Überhaupt sei ein Hospiz kein trauriger, düsterer Ort. »Die Leute leben ja noch!«, betont Anja Kämper, Hospiz- und Pflegedienstleiterin. »Hier wird auch gelacht und geredet, durchaus in lebendiger, temperamentvoller Lautstärke. Natürlich wird auch mal geweint. Jeder hat die Freiheit, das zu tun, wonach ihm ist. So dürfen die Gäste selbstverständlich jederzeit das Haus verlassen, auch allein, wenn es möglich ist. Besuch kann rund um die Uhr kommen und sogar über Nacht bleiben. Wir bieten gemeinsame Ausflüge ins Eiscafé, auf den Weihnachtsmarkt oder zur benachbarten Zeche Zollern an, die gern angenommen werden. Eine festgezurrte Tagesroutine wie im Krankenhaus gibt es hier ebenfalls nicht. Jeder darf so lange schlafen, wie er möchte. Nur die Medikamente werden zu festen Terminen eingenommen. Wir wollen die Lebensqualität der Gäste erhöhen. So lange wie möglich!«

 

Ein Kalender fürs Hospiz

Schon zum zweiten Mal hat der Förderverein, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit und um das Sammeln von Spenden kümmert, in ehrenamtlicher Arbeit einen Kalender herausgebracht, dessen Erlös zu 100 Prozent dem Hospiz zugute kommen wird. Dazu haben sich 24 Laienmodels aus der Region in zwölf berühmte Paare aus Film, Showbusiness, Sport oder der Weltgeschichte verwandelt. Mit dabei sind sowohl die Hollywood-Comedians Dick & Doof, als auch das Gangsterpaar Bonnie & Clyde, aber auch viele andere tolle Paare. Unterstützt wurden sie von ebenso engagierten Fotografen, Visagisten und Friseuren, die die Models perfekt in Szene setzten. Weitere Sponsoren halfen bei den Druckkosten, den Requisiten und der grafischen Gestaltung des Kalenders. Alle ehrenamtlich, alle unentgeltlich. Wie und wo man den Kalender kaufen kann, steht hier: http://hospiz-foerderverein.de/2017/08/18/charity-kalender-elisabeth-gruemer-hospiz/

Das Hospiz steht seit der Gründung gut da, hier sind sich Anja Kämper, Andrea Heller und Josef Küper vom Stiftungsvorstand einig. Allerdings wünschen sich alle noch ein bisschen mehr positive, öffentliche Aufmerksamkeit. »Wir fühlen uns sehr gut in unsere Nachbarschaft integriert. Aber die Schwellenangst ist immer noch ziemlich groß«, weiß Josef Küper. »Der Tod verunsichert viele Menschen. Das möchten wir gern ändern. Wir sind ein offenes Haus, jeder ist willkommen. Deshalb planen wir auch noch weitere Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit, damit wir uns noch besser in den Alltag der Menschen integrieren können.« Apropos Veranstaltungen, die finden im Hospiz spontan statt, da wird sogar durchaus gefeiert – so richtig mit Sektchen und Schlagern von Andrea Berg. »Da saßen wir doch bei Kaffee und Wasser mit den weiblichen Gästen zusammen, und plötzlich wurde die Tür des Wohnzimmers geschlossen, stand ein Sekt auf dem Tisch und die Musik war an. Party!«, schmunzelt Andrea Heller. Schöner lassen sich immer kostbarer werdende Momente kaum genießen.

Spendenkonto:

Kontoinhaber Förderverein Elisabeth Grümer Hospiz-Stiftung e. V.
Bank Sparkasse Dortmund
IBAN DE70 4405 0199 0001 2299 90
BIC DORTDE33

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