Stadtmagazin Castrop-Rauxel: In der Stadt

»Jetzt geht’s erst richtig los!«

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Die ›Soziale Stadt Habinghorst‹ endet nach sieben Jahren. Ein Schlussstrich ist das aber noch lange nicht …

Noch brennt das Licht im Stadtteilbüro Habinghorst an der Lange Straße. Wenn die Förderung durch Bund, Land und Europäische Union im Rahmen des Programms ›Soziale Stadt‹ zum Jahresende ausläuft, wird auch die Einrichtung ihre Pforten schließen müssen. Davon abgesehen ist aber noch lange nicht Schluss! So einiges wurde in den letzten sieben Jahren in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein, den Schulen, Initiativen und Einzelpersonen vor Ort ins Rollen gebracht, und viel soll weiterhin bewegt werden. »Natürlich sind wir ein bisschen wehmütig, aber ebenso stolz auf den positiven Imagewandel«, so Martin Oldengott (Bereichsleiter Stadtentwicklung), der augenzwinkernd erklärt: »Jetzt geht’s erst richtig los!«

»Wenn Licht an ist, kommen die Leute rein.«

So hatte die offizielle Abschlussveranstaltung, die im September auf der Waldbühne am Café Q an der Wartburgstraße stattfand, eher den Charakter einer fröhlichen Feier denn eines traurigen Abschieds. »Für die Menschen ändert sich ja erstmal nichts«, sagen Sarah Loch (Projektleitung) und Anna Wassiliori, die im Auftrag der Stadt gemeinsam mit ihrem Kollegen Lennart Palmer als zentrale Koordinatoren und ›Kümmerer‹ präsent sind – noch. »Vielleicht wird der eine oder andere stutzen, wenn unsere Tür ab Mitte Dezember geschlossen bleibt.« Die beiden schmunzeln: »Hier hat sich noch nie jemand an die Öffnungszeiten gehalten. Wenn Licht an ist, kommen die Leute rein, mit ihren Fragen, Ideen, Beschwerden oder weil sie unterwegs beim Einkaufen eine kurze Pause und ein Glas Wasser brauchen.«

»Das HadeBe ist aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken.«

Einen Ort für die Bürger wird es aber nach wie vor geben: Aktuell kämpfen Politik und lokale Akteure für den Erhalt des gegenüber gelegenen Hauses der Begegnung. Bereits die letzten zwei Jahre wurde der beliebte Treffpunkt aus Eigenmitteln der Stadt finanziert und die Sterne stehen günstig, dass dies auch künftig so sein könnte. »Das ›HadeBe‹ ist aus dem öffentlichen Leben in Habinghorst nicht mehr wegzudenken«, so Martin Oldengott. »Hier kommen Menschen zusammen und es ist eben diese menschliche Komponente, die das Quartier ausmacht.« »Das gilt besonders für die Älteren, die sich hier jede Woche treffen«, ergänzt Anna Wassiliori, »etwa beim Generationencafé oder Bingonachmittag. Wir würden uns wünschen, dass diese Angebote durch ehrenamtliches Engagement erhalten bleiben.«

»20 Jahre waren wir bloß Nachbarn, jetzt sind wir Freunde.«

Sie erinnert sich noch gut an die Anfänge im Jahr 2011: »Damals äußerte sich manch einer skeptisch, aber schon nach dem ersten Nachbarschaftsfest erhielten wir ein starkes positives Feedback: ›20 Jahre waren wir bloß Nachbarn, die sich vom Sehen kannten, jetzt sind wir Freunde‹, hieß es. Wenn ich daran denke, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut.« »Nicht nur die Lange Straße hat sich zum Positiven verändert, die Menschen auf der Straße begegnen sich ebenfalls anders«, bestätigen Martin Oldengott und Sarah Loch. »Früher gingen sie aneinander vorbei – heute bleiben sie stehen. Man kennt sich, grüßt sich, viele sind ›per du‹. Dieses kulturenübergreifende Miteinander ist unbezahlbar und die beste Basis für künftige Kooperationen und Projekte.«

»Ohne Ehrenamt wäre vieles nicht möglich.«

Das macht sich in allen Generationen bemerkbar: So entwickelte sich die Skaterbahn im Stadtteilpark schnell zum Selbstläufer. Sie dient als Anziehungspunkt für die Jugend über die Habinghorster Grenzen hinaus und ist im Sommer immer rappelvoll – selbst dann, wenn gerade niemand skatet. Die Pflege des zusammen mit Anwohnern realisierten Seniorengartens ist inzwischen fest in der Hand ambitionierter Hobbygärtner. Und sogar die Organisation des beliebten Nikolausumzuges wird von ehrenamtlichen Helfern übernommen. »Ohne Ehrenamt wäre vieles nicht möglich, dafür sind wir sehr dankbar«, betont Sarah Loch. Allerdings brauche jedes bürgerschaftliche Engagement professionelle Unterstützung und Begleitung, findet Martin Oldengott. »Wir als Verwaltung müssen Wege finden, diese Unterstützung auch nach dem Ende des Förderprogramms zu leisten und Präsenz zeigen.«

»Früher war schön – aber jetzt ist es das auch!«

Dem Stadtteilbüro und der Stadtverwaltung ist der Stadtteil ans Herz gewachsen. Martin Oldengott: »Damals kannte ich hier vor Ort nur ein oder zwei Personen. Heute hat Habinghorst für mich viele Gesichter. Zudem besitzt die sanierte Lange Straße in meinen Augen einen ganz besonderen Charme, nicht zuletzt aufgrund ihrer kulturellen Vielfältigkeit insbesondere im Bereich der kulinarischen Angebote.« Anna Wassiliori bringt es auf den Punkt: »Hier in Habinghorst hört man die Alteingesessenen oft nostalgisch sagen: ›Früher war schön – aber jetzt ist es das auch‹!« Der Wunsch der Mitstreiter für die Zukunft: »Dass das HadeBe in sieben Jahren immer noch belebt ist und Aktionen wie der Nikolausumzug nach wie vor veranstaltet werden. Denn dann ist der Funke endgültig übergesprungen.«

Termin

01.12.17 Nikolausumzug Habinghorst
Ort: Hugostraße
ab 16 Uhr Bühnenprogramm
ab 18 Uhr Nikolausumzug mit Kutsche

Stadtteilbüro Habinghorst

Lange Straße 46 · 44579 Castrop-Rauxel
Tel. 0 23 05 / 9 47 24 14
www.stadtteilbuero-habinghorst.de

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen0