Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Sport und Freizeit

›En garde!‹

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Auf Gortimers Spuren …

Waffen klirren, elektronische Melder blinken tutend auf, kleine Menschen in teils noch etwas zu großen weißen Anzügen wirbeln durch die Sporthalle der Fridtjof-Nansen-Realschule: zu Besuch beim Olympischen Fechtclub Castrop-Rauxel.

Fechten ist nicht gefährlich!

»Ich fechte schon lange, ungefähr seit einem halben Jahr«, erzählt uns der achtjährige Tizian stolz und etwas außer Atem. »Davor habe ich Judo gemacht. Aber da bin ich mal hart auf den Rücken gefallen, das hat mir weh getan, da wollte ich das nicht mehr.« Also auf zum nächsten Kampfsport? »Fechten ist überhaupt nicht gefährlich, man trägt ja eine Maske und Schutzkleidung«, erklärt der motivierte Youngster und ist auch schon wieder auf und davon, um zusammen mit seinen Vereinskameraden Emilia und Elias – und immer unter der Aufsicht der beiden Jugendtrainer Linda und Hendrik – das Duell zu üben.

Übung macht den Meister

Jeden Dienstag und Freitag werden beim OFC die Klingen gewetzt. Los geht’s ab 17.30 Uhr mit den Jüngsten. Bevor die Kids wie die Großen elektrisch fechten dürfen, sind aber erst einmal Trockenübungen angesagt. Bei der Beinarbeit werden zunächst die schnellen Bewegungsabläufe trainiert, die der Profi später auf der Planche beherrschen muss. In sogenannten ›Lektionen‹ mit dem Trainer und bei Partnerübungen wiederholen die Nachwuchsfechter – dann schon mit Waffe – die fechtspezifischen Schritt- und Stoßkombinationen. Erst wer hier einen gewissen Grad an Sicherheit erlangt hat, darf sich anschnallen, das heißt sich mit der elektronischen Trefferanzeige verkabeln und loslegen.

Feuer und Flamme

So bereitet sich Emilia gerade auf ihre Turnierreifeprüfung vor. Die Zehnjährige kam über Familienangehörige zum weißen Sport und ist mit Feuereifer dabei: »Es macht viel Spaß!« Für Elias, ebenfalls zehn Jahre jung, ist es heute erst der dritte Trainingsbesuch. Doch auch ihn hat das Fechtfieber schon gepackt. »Eigentlich wurde ich durch die Serie Gortimer Gibbon auf diese beeindruckende Kampfkunst aufmerksam«, berichtet er mit glänzenden Augen. »In der Folge die ›Macht des Jokers‹ beschließt Gortimor, fechten zu lernen. Da habe ich mir überlegt, das könnte ich doch vielleicht auch.« Er lächelt: »Es gehört viel Mühe dazu! Ich hatte noch einige Tage nach meiner ersten Stunde Muskelkater.«

Degen, Säbel oder Florett?

Anfänger sammeln ihre ersten Erfahrungen traditionell mit dem Florett, so auch beim OFC. Später können sie dann wählen, ob sie dieser Disziplin treu bleiben oder auf Degen oder Säbel umsatteln wollen. Während der Degen einem echten Kampf noch am ehesten entspricht (wer zuerst trifft, erhält den Punkt), gelten beim Florett und beim Säbel komplexe Angriffsregeln. Vereinfacht gesagt: Wenn beide Gegner treffen, bekommt derjenige den Treffer zugesprochen, der den Angriff begonnen hat. Der Angegriffene kann den Angriff aber parieren, um das Treffervorrecht zurückzugewinnen und einen eigenen Angriff zu starten. So werden offensive Kämpfe mit schnellen Richtungswechseln begünstigt. Gültige Trefferfläche ist beim Degen der ganze Körper, beim Florett der Rumpf ohne Kopf und Gliedmaßen, beim Säbel der Körper oberhalb der Gürtellinie. Des Weiteren müssen Florett und Degen als reine Stoßwaffen vom Säbel als Hieb- und Stoßwaffe unterschieden werden.

Kondition, Koordination und Konzentration

Egal ob mit Florett, Degen oder Säbel – schweißtreibend ist das Duell in voller Montur auf jeden Fall. »Man braucht ein hohes Maß an Kondition, Koordination und Konzentration«, weiß Trainerin Linda, die ihre ersten wackeligen Fechtschritte als Zwölfjährige beim OFC gemacht hat. Heute nimmt sie regelmäßig an Turnieren teil, steht auf Platz Neun der Westfälischen Rangliste und gibt ihre Erfahrung an den Nachwuchs weiter. »Dazu sind natürlich Disziplin und Selbstbeherrschung erforderlich«, ergänzt sie mit einem Augenzwinkern. Heißt: Fairness hat beim Training ebenso wie im Wettkampf oberste Priorität.

Handreichung ist Ehrensache

Wie an diesem Dienstagabend in der Halle zu beobachten: Insbesondere die erfahrenen Fechter können sich auf der Bahn auch schon mal regelrecht fetzen. Dem Gegner anschließend – auch nach einer bitteren Niederlage – die Hand zu reichen, ist jedoch Ehrensache! Und insbesondere den Kleinen geht es noch gar nicht so sehr ums Gewinnen. Die strahlen schon, wenn sie nur ein Florett in der Hand halten dürfen. »Und es ist hier beim OFC genauso toll wie bei Gortimer Gibbon!«, freut sich Elias.

Olympischer Fechtclub Castrop-Rauxel

Trainingszeiten
Sporthalle der Fridtjof-Nansen-Realschule
Di 17.30–21.30 Uhr · Fr 18–21.30 Uhr
www.ofc-cr.de

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