Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Menschen

Wer war William Thomas Mulvany?

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Über den irischen Glücksritter, Zechengründer und Industriepionier

Im Rahmen unserer Reihe zum 150-jährigen Zechenjubiläum widmen wir uns in dieser Ausgabe Castrop-Rauxels berühmtestem Iren: 1867 förderte William Thomas Mulvany auf Erin die ersten Kohlen zu Tage. Doch wer war der Unternehmer, der als eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Gründerzeit gilt und die industrielle Entwicklung im Ruhrgebiet so entscheidend mitgeprägt hat?

Die jungen Jahre

William Thomas Mulvany wurde am 11. März 1806 als eines von sieben Kindern einer bürgerlichen katholischen Familie in Dublin geboren. 1832 heiratete er Alicia Winslow, die Tochter eines Großgrundbesitzers aus Fermanagh, die ihm fünf Kinder schenken sollte. Zunächst lernte Mulvany technisches Zeichnen bei einem Architekten. Als Wasserbauingenieur war er später beim ›Board of Public Works‹ unter anderem für die Begradigung von Flüssen und den Kanalbau zuständig.

Moderne Bergbautechnik im alten Ruhrrevier

Im Jahr 1854 beschloss Mulvany – mit fast fünfzig Jahren! –, sein Glück im florierenden Steinkohlebergbau an der Ruhr zu suchen. Er war überzeugt vom Potenzial der Region, und durch seinen Pioniergeist gelang es ihm schnell, erfahrene Ingenieure aus Nordengland für seine Projekte zu gewinnen und die für damalige Zeiten moderne englische Bergbautechnik auch in Deutschland zu etablieren.

Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen …

Bei der ländlich geprägten Bevölkerung mag das Treiben des fremden Mannes aus dem fernen Irland in der Mitte des 19. Jahrhunderts für einiges Aufsehen gesorgt haben: Nicht nur, dass er die Erde mit tiefen Schächten aushöhlte, die Bergwerke erhielten unter seinem Einfluss auch noch fremdländische Namen: die Zeche Hibernia in Herne (lateinisch für Irland), die Gelsenkirchener Schachtanlage Shamrock (das irische Nationalsymbol des dreiblättrigen Kleeblatts) und hier bei uns die Zeche Erin (gälisch für ›grüne Insel‹). Zudem wurden die Geschäftsberichte seiner Firma, der ›Prussian Mining and Iron Works Company‹, in unverständlicher englischer Sprache verfasst! Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen …

Ausbau der Wasserwege

Dennoch: Der mit dem ›schwarzen Gold‹ einhergehende wirtschaftliche Aufschwung ließ nicht lange auf sich warten. Zudem war William Thomas Mulvany nicht nur ein Wegbereiter für den Bergbau, als Verbandspolitiker trieb er auch den Ausbau des Verkehrswesens und insbesondere der Wasserwege beispielsweise den Rhein-Herne-Kanal voran. 1871 wurde er zum Vorsitzenden des ›Verein zur Wahrung der Interessen rheinischer und westfälischer Unternehmer Rheinland und Westfalen‹ ernannt.

Im Sommer residierte man auf ›Goldschmieding‹

Der unternehmerische Erfolg des Zechengründers zeichnete sich im gehobenen Lebensstil der Familie ab: Von 1855 bis zu seinem Tode lebte Mulvany in Düsseldorf, wo er im Stadtteil Pempelfort das Knappengut bewohnte. 1872 erwarb er das altehrwürdige Haus Goldschmieding als Sommerresidenz und ließ hier zudem einen Landschaftspark nebst Pferderennbahn anlegen.

Gründerkrise

Die Glückssträhne des Iren war jedoch nicht von Dauer. Technische Probleme auf den Zechen, der stockende Ausbau der Eisenbahnverbindungen sowie der zeitgleich einsetzende Preisverfall brachen der Preußischen Bergwerks- und Hütten-AG schließlich das Genick. 1877 musste die Aktiengesellschaft während der Gründerkrise Konkurs anmelden – das Ende von Mulvanys unternehmerischer Tätigkeit im Ruhrrevier.

Letzte Ruhestätte auf dem ›Millionenhügel‹

William Thomas Mulvany wurde nach seinem Tod am 30. Oktober 1885 auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof beigesetzt. Sein Grab befindet sich auf dem denkmalgeschützten ›Millionenhügel‹, der höchsten Erhebung des Geländes mit architektonisch aufwendigen Grabanlagen. Des Weiteren sind im Ruhrgebiet mehrere Straßen und ein Irish Pub nach dem Zechen-Pionier benannt.

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