Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Menschen

›Klar Schiff‹

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Interview mit einem Kapitän

Früh am Morgen liegt die Ruhr verlassen da. Doch im Bauch der ›Schwalbe‹ herrscht bereits emsige Betriebsamkeit: Die Kaffeemaschine blubbert, ein Staubsauger wartet auf seinen Einsatz. Die Crew macht ›klar Schiff‹, damit pünktlich abgelegt werden kann. Mittendrin: der gebürtige Habinghorster Helge Spartz.

Über 1,5 Millionen Flusskilometer in 27 Dienstjahren

Seit drei Jahrzehnten zieht die ›MS Schwalbe II‹ im nahe gelegenen Witten ihre Runden. Fast genauso lange ist Kapitän Helge Spartz mit an Bord. In 27 Dienstjahren hat der Bergmannssohn über 1,5 Millionen Flusskilometer hinter sich gebracht. Die Erfüllung eines alten Kindheitstraumes? »Auf keinen Fall«, lacht er und verrät: »Ich bin eigentlich gelernter Konditor!« Ein Konditor als Kapitän – mitten im Ruhrgebiet? »Ursprünglich wollte ich Koch auf einem Kreuzfahrtschiff werden. Dann erfuhr ich von meinen Kollegen bei der DLRG, dass die Schiffsführerstelle auf der Schwalbe freigeworden war. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon meinen Sportboot- und Rettungsbootführerschein gemacht und bei der DLRG die Motoren gewartet. Meine Kollegen sagten: ›Bewirb dich doch da, ist doch auch ein Schiff‹. Ich tat es, wurde genommen und habe meine Ausbildung zum ›Kapitän‹ hier auf der Schwalbe nachgeholt.«

Aug’ in Aug’ mit Eisvogel und Biberratte

Seit 1990 ist Helge Spartz nun schon mit dem Fahrgastschiff unterwegs. Langeweile kennt er nicht: »Jeder Tag ist unterschiedlich: andere Menschen, anderes Wetter, andere Wasserstände.« Überdies werde die Tour mit dem Boot heute immer beliebter, auch unter jungen Familien und heiratswilligen Paaren – sogar eine Rockerhochzeit hat es an Bord schon gegeben. Auf der 7,4 Kilometer langen Strecke zwischen dem Kemnader See und Witten-Bommern zeigt sich die Ruhr von ihrer schönsten Seite. »Natürlich fallen mir nach 27 Jahren inzwischen ganz andere Details auf als den Passagieren: Ich sehe, wie sich die Färbung der Bäume von Grün im Frühling bis Goldbraun im Herbst verwandelt, wo die Eisvögel brüten und dass sich seit einiger Zeit wieder Biberratten in der Gegend ansiedeln.«

»Die Saison möchte ich gegen nichts eintauschen.«

Doch der Fluss hat auch seine Tücken. Wenn mehr als 100 Kubikmeter Wasser die Ruhr durchströmen, darf sich das 25 Meter lange und 200 PS starke Personenschiff nur noch im oberen Bereich bewegen. Ab 150 Kubikmetern fährt es gar nicht mehr raus. Ebenso bei starkem Sturm oder Orkan. Was seit einigen Jahren immer häufiger vorkommt: Starkregen mit anschließendem Hochwasser mitten im Sommer – im 21. Jahrhundert keine Seltenheit. »Es ist aber noch nie etwas passiert und die DLRG wäre im Notfall schneller hier als die Feuerwehr«, betont Helge Spartz. An Land hält er es hingegen nicht lange aus. »Im Winter sind wir damit beschäftigt, die Schwalbe auf Vordermann zu bringen. Waschen, streichen, reparieren, Öl wechseln: Wir machen alles selbst. Die geregelten Arbeitszeiten – dass man um halb vier Feierabend und dass man ein Wochenende hat – sind natürlich angenehm. Trotzdem möchte ich die Saison gegen nichts eintauschen.«

Flussfahrt statt Kreuzfahrt

Seine Kreuzfahrtträume hat Helge Spartz übrigens komplett ad acta gelegt. »Wenn ich im Winter meinen Jahresurlaub nehme, fahre ich lieber mit meiner Familie in den sonnigen Süden oder in die Berge. Außerdem bin ich inzwischen der Meinung, dass die Fortbewegung mit diesen riesigen schwimmenden Shopping-Malls gar keine richtige Schifffahrt ist. Dann bleibe ich doch lieber auf der Ruhr!«

MS Schwalbe II

Weitere Infos, Abfahrtszeiten und Buchungen
Tel. 0 23 02 / 91 73-4 50
www.stadtwerke-witten.de/wir-in-witten/personenschifffahrt

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen0